Ernährung
Veganuary – Was der vegane Ernährungstrend im Januar bringt und ob das gesund ist
Im „Veganuary“ ernähren sich viele Menschen einen Monat lang rein pflanzlich. Doch was bringt der Verzicht auf tierische Produkte eigentlich? Oder schadet man damit womöglich der eigenen Gesundheit? Der vegane Trend im Überblick.
Bremen – Neues Jahr, neuer Gesundheitstrend. Der Jahresauftakt ist für viele die traditionelle Zeit der guten Vorsätze – auch gesundheitlich. Der zurückliegenden Weihnachtszeit mit den oft ausgiebigen Schlemmereien soll im Januar etwas entgegengesetzt werden, sei es durch die Ernährung, ein ausgiebiges Sportprogramm oder den „Dry January“, den Verzicht auf Alkohol. Seit einigen Jahren setzt sich noch ein weiterer Neujahrstrend immer mehr durch: der „Veganuary“. Hierfür wird einen Monat lang auf Lebensmittel tierischer Herkunft verzichtet. Das kann sowohl gesundheitliche als auch ethische Gründe haben.
Im Veganuary sind alle tierischen Lebensmittel für einen Monat tabu
Fleisch, Milchprodukte, Eier oder auch Honig sind damit also vom Speiseplan gestrichen. Die Aktion wurde im Jahr 2014 ins Leben gerufen – mit durchschlagendem Erfolg. Im Jahr 2022 haben weltweit über 629.000 Menschen bei der Ernährungs-Challenge mitgemacht und sich einen Monat lang vegan ernährt. Aber was soll dieser Trend eigentlich bewirken und ist das Ganze überhaupt gesund?
Ernährungstrend Veganuary: Was das für die Umwelt und die eigene Gesundheit bringt – oder nicht
Eine vegane Lebensweise ist gut für die Umwelt und das Klima. Das ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Aber bringt eine rein pflanzliche Ernährung auch gesundheitliche Vorteile? Oft müssen sich Menschen, die sich pflanzenbasiert ernähren, von ihrem Umfeld vorwerfen lassen, dass sie damit ihrer Gesundheit schaden. Tatsache ist allerdings: Bei einer kurzzeitigen Ernährungsumstellung wie beim „Veganuary“ entwickelt man keinen Nährstoffmangel, wie Forschende der Universitäten Freiburg, Heidelberg und Ulm zeigen konnten.
Veganuary: In einem Monat mit veganer Ernährung entwickelt man keinen Nährstoffmangel
In einer Studie stellten sie als positive kurzfristige Effekte einer veganen Ernährung das Absinken der Blutfettwerte und oft auch eine Reduktion des Körpergewichts fest. Es zeigte sich aber auch, dass man mit rein pflanzlicher Nahrung nicht genügend Vitamin B12 aufnimmt, da dieser wichtigste Nährstoff fast nur in tierischen Produkten vorkommt. Wer sich dauerhaft vegan ernährt, sollte das wichtige Vitamin also mit Nährstoffpräparaten ersetzen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt. Wenn man nur für einen Monat auf pflanzliche Kost setzt, ist das aber nicht nötig.
Rein pflanzliche Kost hat schon nach kurzer Zeit positive Effekte auf die Gesundheit, kann aber auch zu Verdauungsproblemen führen
Wenn im Januar plötzlich mehr Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen als sonst, kann es durch die ungewohnte Menge an Ballaststoffen oft erst einmal zu Verdauungsproblemen kommen. Das ist aber nicht weiter bedenklich, sondern ein ganz natürlicher Vorgang, da Ballaststoffe die Darmtätigkeit anregen. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost wird grundsätzlich als gesundheitsfördernd angesehen, da sich dadurch das Risiko für viele Krankheiten wie Darmkrebs, Herzinfarkt oder Diabetes reduzieren lässt. Durch eine pflanzenbasierte Ernährung könnten sich jedes Jahr bis zu 150.000 Todesfälle in Deutschland verhindern lassen, erklärt der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen. „Weniger Fleisch zu essen ist also ein echter Verzicht, nämlich auf Herzinfarkt und Schlaganfall“, sagt der Gesundheitsexperte.
Vegane Ernährung ist nicht automatisch gesünder – das Wie ist entscheidend
Das reine Umstellen auf vegane Lebensmittel ist aber noch keine Garantie dafür, dass man sich automatisch auch gesünder ernährt. Denn dabei ist entscheidend, wie die veganen Mahlzeiten gestaltet werden. Pauschal lässt sich die Frage nach den gesundheitlichen Aspekten der rein pflanzlichen Ernährung also nicht beantworten. Auf das Risiko für einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für einige Krebsarten kann sich eine vegane Lebensweise allerdings positiv auswirken, wie die Wissenschaftler Rachel Tso und Ciarán G. Forde nachweisen konnten. Veganerinnen und Veganer haben auch weniger selten Übergewicht, was ebenfalls zu den Gesundheitsrisiken gehört.
Veganer können oft erhöhte Mengen an gesundheitsschädlichen Stoffen aufnehmen – meist unbewusst und versteckt
Gleichzeitig kann es durch die vegane Ernährung aber auch dazu kommen, dass unwissentlich oder unbewusst Stoffe aufgenommen werden, die nicht so gesund sind. Inzwischen gibt es auch für Veganer ein breites Angebot an Süßigkeiten, Kuchen und stark verarbeiteten Fertigprodukten. Und Zucker bleibt Zucker und ist auch dann nicht gesünder, wenn er vegan ist. Auch in pflanzlichen Fertiggerichten kann er stecken, außerdem hohe Mengen an Salz und gesättigtem Fett. Wer sich vegan ernährt, kann sich daher ebenfalls gesünder oder weniger gesund ernähren, genau wie Menschen, die auch tierische Produkte zu sich nehmen, erklärt das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks.
Bei einer veganen Ernährung werden weniger ungesunde Fette aufgenommen, oft aber auch weniger Nährstoffe wie Calcium
Bei einer rein pflanzlichen Kost hat sich aber gezeigt, dass man tendenziell eher geringere Mengen an ungünstigen Fetten zu sich nimmt, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Außerdem stehen meist mehr Hülsenfrüchte, Nüsse sowie Obst und Gemüse auf dem Speiseplan, was alles förderlich für die Gesundheit ist. Dennoch ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Bedarf bestimmter Nährstoffe durch die Ernährung abgedeckt wird, wie zum Beispiel Calcium für die Knochengesundheit oder Omega-3-Fettsäuren. Schwangeren und Stillenden rät die DGE daher auch von einer rein pflanzlichen Ernährung ab, da ihr Nährstoffbedarf erhöht ist.
Auch bei veganer Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen möglich
Grundsätzlich ist es aber möglich, auch bei rein pflanzlicher Kost alle notwendigen Nährstoffe zu erhalten, wenn man es richtig macht. Wer sich dauerhaft vegan ernähren möchte, sollte sich daher auch gründlich informieren und medizinisch beraten lassen. Wer nur einmal in die pflanzenbasierte Lebensweise „reinschnuppern“ möchte, findet im „Veganuary“ eine gute Möglichkeit dazu, ohne seine Gesundheit dabei zu riskieren. Viele Restaurants bieten in dieser Zeit eine Reihe pflanzlicher Gerichte an, außerdem findet man auf der Webseite der Veganuary-Initiatoren jede Menge Rezept-Ideen zum Ausprobieren – und hilft damit sogar der Umwelt.
Umweltbilanz veganer Ernährung: Laut Experten werden so jährlich zwei Tonnen Treibhausgase eingespart
Der Ökologe Joseph Poore von der Universität Oxford hat nämlich die Umweltbilanz einer veganen Ernährungsweise im Jahr 2019 berechnet und kam zu dem Ergebnis, dass pro Person, die sich pflanzlich ernährt, jährlich zwei Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Das sind gut 18 Prozent der durchschnittlich produzierten Pro-Kopf-Menge und entspricht etwa acht Economy-Class-Flügen zwischen London und Berlin. „Eine vegane Ernährung ist der wahrscheinlich größte Hebel, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Es bringt viel mehr, als ein Elektroauto zu kaufen oder weniger zu fliegen“, betont der Experte.
Veganuary kann dazu führen, dass die Ernährung auch langfristig auf gesündere Kost umgestellt wird
Wer die pflanzliche Ernährung im „Veganuary“ einmal ausprobieren möchte, kann dies also ohne Gewissensbisse tun. Und selbst wenn man anschließend nicht dabei bleibt, so kann es doch sein, dass durch die Aktion auch in Zukunft häufiger mal ein veganes Gericht mit viel Gemüse auf dem Teller landet, selbst wenn man anschließend nicht voll und ganz unter die Veganer gehen will. Denn derzeit wird allgemein noch immer zu viel Fleisch gegessen. Der Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten sowie rotem Fleisch wird mit einem erhöhtem Krebsrisiko in Verbindung gebracht und auch die Gefahr für andere Erkrankungen steigt dadurch. Förderlich für die Gesundheit kann der vegane Ernährungstrend also allemal sein, auch wenn er nicht zum persönlichen Dauerbrenner wird. Schon allein deshalb, weil man sich dadurch für einen gewissen Zeitraum bewusster mit der eigenen Ernährung beschäftigt.
Rubriklistenbild: © Jose Luis Alvarez/IMAGO
