Bei Werders U23 herrscht Aufbruchstimmung
Neustart mit Vokabelbuch und mehr Luft zum Atmen
Bremen - Das Wort „Umbruch“ rauscht zuerst aus dem Mund von Sven Hübscher, als der Trainer von Werders U23 über seinen Kader spricht: „Die Veränderungen sind schon enorm, aber das haben wir ganz bewusst gemacht. Neue Liga, neue Spieler, neue Chance – ein echter Neuanfang eben.“
Werder sieht den Abstieg aus der Dritten Liga gar nicht mehr so negativ, hofft auf eine bessere Entwicklung der Talente – und hat dafür sogar eine einheitliche Sprachregelung eingeführt. Oberstes Ziel der U23 bleibt es, Spieler in die Bundesliga-Mannschaft zu bekommen. Um diesen schwierigen Übergang zu erleichtern, haben sich die Verantwortlichen – allen voran Sportchef Frank Baumann – in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Die Durchlässigkeit soll verbessert werden. Dabei nennt Hübscher einen interessanten Punkt: das erste Training bei den Profis.
Kohfeldt und Hübscher sprechen die gleiche Sprache
So etwas passiert gerne mal in Länderspielpausen, wenn der Bundesliga-Kader wegen der Abstellungen für die Nationalmannschaften etwas dezimiert ist. „Wir müssen es unseren Spielern dann so leicht wie möglich machen, sich dort integrieren zu können“, sagt Hübscher. Da sei es natürlich von Vorteil, wenn Cheftrainer Florian Kohfeldt und Hübscher die gleiche Sprache sprechen – gemeint ist natürlich die Fußballer-Sprache.
„Es geht um Raumbezeichnungen – Sechser-Raum, Achter-Raum oder Flügelzone“, erklärt Hübscher: „Wir haben das komplett abgeglichen.“ Klingt simpel, ist es aber nicht. „Für mich war das auch neu. Jeder Trainer hat ja so seine Feinheiten“, sagt Hübscher. Und nicht jeder mag oder kann sich von Altbewährtem trennen. „Da muss es zwischenmenschlich schon passen“, findet Hübscher und lobt das gute Verhältnis zu Kohfeldt: „Das war kein Monolog, sondern ein Dialog.“
Außerdem müsse jeder seine Rolle kennen, so der 39-Jährige, der vor einem Jahr an die Weser gewechselt ist. Zuvor hatte er im Nachwuchs des FC Schalke 04 gearbeitet, am Ende auch als Co-Trainer der Profis. Bei Werder übernahm er die U17, wurde dann aber im Februar als Nachfolger des entlassenen Oliver Zapel bei der U23 gebraucht. „Wir sind eine Ausbildungsmannschaft, die sich an der Profi-Mannschaft orientiert“, hebt Hübscher hervor. Kohfeldt würde Grundsätzliches vorgeben wie zum Beispiel das Nachrücken oder das Zuordnen. Für Hübscher alles überhaupt kein Problem: „Florian und ich denken da ziemlich ähnlich.“ Außerdem besitze er noch genügend Freiheiten, seine eigenen Vorstellungen und Ideen umzusetzen.
Die sind in der Regionalliga anders als in der Dritten Liga. „Die Jungs haben jetzt einfach ein bisschen mehr Luft zum Atmen“, sagt Hübscher: „Die Dritte Liga war für die jungen Spieler schon sehr hart. Da wurde der kleinste Fehler oft brutal bestraft.“ Darunter leidet das Selbstvertrauen. Das könnte sich nun ändern. „Natürlich wollen wir oben mitspielen“, betont der Coach. Vom direkten Wiederaufstieg redet er dagegen nicht.
Es geht auch darum, nicht überheblich aufzutreten. Natürlich würden die Nachwuchsteams der Bundesligisten in der Regionalliga ganz anders gesehen als in der Dritten Liga. Dort waren sie eher ungebetene Gäste, weil sie keine Zuschauer mitbrachten. Bei den kleineren Vereinen in der Regionalliga könnten sie dagegen Publikumsmagneten sein, denen man gerne ein Bein stellen möchte.
Trainer wünscht sich weitere Neuzugänge
Aus dem Kader der Vorsaison sind nur noch sieben Spieler fest eingeplant: Tobias Duffner, Fridolin Wagner, Marco Kaffenberger, Jonah Osabutey, Isaiah Young, Tian Ci und Jannes Vollert. Von den Profis kommt der dritte Torwart Luca Plogmann bei den Spielen dazu, vielleicht auch mal die Angreifer Manuel Mbom oder Josh Sargent. Verlassen will sich Hübscher darauf allerdings nicht.
Den Kader von bislang 16 Spielern möchte er noch um zwei, drei Spieler vergrößern – möglicherweise auch um einen erfahrenen Akteur. Denn das Kontingent von drei Spielern über 23 Jahre, die gleichzeitig bei einem Bundesliga-Nachwuchsteam auf dem Platz stehen dürfen, schöpft Werder nicht aus. Nur Zugang Christian Groß (VfL Osnabrück/29) und Ersatztorwart Tobias Duffner (34) gehören zu dieser Gruppe. „Vielleicht machen wir noch etwas“, sagt Hübscher: „Aber ich muss erst sehen, wie sich das Team entwickelt.“
Hübscher: „Unser Kader ist sehr jung“
Seit einer Woche ist die U23 im Training, hat den ersten Test beim Kreisligisten SG Unterstedt mit 15:0 gewonnen. „Da haben gerade unsere A-Jugendspieler gesehen, dass im Seniorenbereich eine ganz andere Körperlichkeit herrscht“, berichtet Hübscher. Gleich sechs U19-Spieler gehören zu seinem Kader. In diese Kategorie fällt auch Neuzugang Eduardo Dos Santos Haesler (MSV Duisburg), nicht viel älter ist Florian Dietz (Carl Zeiss Jena). Frank Ronstadt (Hamburger SV II), Joshua Bitter (Schalke 04 II) und Kevin Schumacher (Germania Egestorf/Langreder) sind zumindest ein bisschen erfahrener.
„Unser Kader ist sehr jung“, findet Hübscher, aber das bereitet ihm ebenso wenig Sorgen wie die vielen neuen Spieler: „Das kriegen die Jungs schnell geregelt. Wir haben schon jetzt eine Aufbruchstimmung.“ Das Trainingslager in Ankum am Donnerstag kann kommen. Ende Juli startet die Regionalliga-Saison – und der Trainer freut sich vor allem auf eines: „Meine Mannschaft!“
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