Nach Delaney-Abgang
Kommentar: Werder braucht jetzt einen „Kracher“
Ein Kommentar von Carsten Sander. Werder Bremen hat Thomas Delaney an Borussia Dortmund verkauft. Es ist ein Transfer, der von zwei Seiten zu beleuchten ist.
Wirtschaftlich und sportlich. Die erzielte Ablösesumme von 20 Millionen Euro macht das Geschäft zu einem der besten, das die Bremer je abgeschlossen haben. Der Verlust eines Führungsspielers kann Werder dennoch teuer zu stehen kommen.
Am Ende war es freilich keine Frage mehr, Delaney ziehen zu lassen. Wer für einen Spieler das Zehnfache dessen kassieren kann, das eineinhalb Jahre vorher bezahlt wurde, der muss nicht lange überlegen. Hand aufhalten, zum Abschied Hände schütteln, Geld einstecken, glücklich sein. Werder hat ein sattes Plus gemacht mit Delaney. Der Däne hat sich in der Liste der teuersten Verkäufe der Vereinsgeschichte zwischen Diego (27 Millionen Euro) und Mesut Özil (18 Millionen Euro) auf Platz zwei geschoben.
20 Millionen Euro Ablöse: Delaney ist gut bezahlt
Allein ein Vergleich dieser drei Namen macht deutlich, wie gut Werder seinen Mittelfeld-Dänen verkauft hat. Denn natürlich ist Delaney kein Diego, kein Özil – Delaney ist ein guter Fußballer mit Führungsqualitäten, aber keiner dieser mit beinahe grenzenlosem Talent ausgestatteten Ausnahmekicker. Klar, Özil und Diego wären heute noch teurer als vor wenigen Jahren, als die Preise noch nicht ins Exorbitante gestiegen waren. Aber es bleibt dabei: Delaney ist gut bezahlt – auch wenn einige sagen werden, dass für Werder noch mehr Millionen drin gewesen wären.
Die Kehrseite des guten Geschäfts ist der personelle Kahlschlag im Werder-Mittelfeld. Die Bremer haben schon Kapitän Zlatko Junuzovic ziehen lassen und haben in Jerome Gondorf einen Backup-Spieler verkauft. In Delaney geht nun der Chef, der Anführer. Auf diesen Verlust muss Sportchef Frank Baumann mit dem richtigen Nachfolger reagieren.
Eine große Lösung ist als Ersatz nötig
Kevin Möhwald hat bereits unterschrieben, mit zwei weiteren Kandidaten ist sich Baumann einig – mindestens einer davon sollte ein fertiger Mittelfeldakteur sein, der sofort in die Rolle schlüpft, die Delaney verwaist zurücklässt. Mentaler Leader, Kämpfer und Wortführer auf dem Platz, nonchalanter Vertreter nach außen – das Gesamtpaket ist anspruchsvoll.
Um jemanden zu holen, der diese Ansprüche erfüllt, muss Baumann entweder einen erfahrenen Profi an die Weser locken, der am Ende seiner Karriere steht und deshalb erschwinglich ist. Oder er muss in ein Regal greifen, für das die Bremer Arme zuletzt nicht lang genug waren. Mit den Delaney-Millionen ist es möglich, einen „Kracher“ zu verpflichten. Nötig ist eine große Lösung in jedem Fall.
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