Kapitän Kruse
Kommentar: Es blieb fast keine andere Wahl
Ein Kommentar von Björn Knips. Die perfekte Entscheidung gab es nicht – dazu waren die beiden Top-Kandidaten zu unterschiedlich. Hier der souveräne Niklas Moisander, dort der freche Max Kruse.
Moisander hätte optimal in die Riege der letzten Werder-Spielführer wie Zlatko Junuzovic, Clemens Fritz, Per Mertesacker und Frank Baumann gepasst. Denn sie waren schon ziemlich gut angepasst. Fast durchweg Gentlemen, die den Club auch nach außen sehr geschickt vertraten. Vernünftige Fußball-Profis, die das Spiel mit der Öffentlichkeit gut beherrschten und auch deshalb sehr beliebt waren.
Max Kruse ist total anders, quasi das Gegenteil von angepasst. Er braucht besondere Freiräume, um die nötige Luft zum Atmen im Leistungssport zu haben. Weil das von den Medien kritisiert und vom Boulevard manchmal auch beleidigend verfolgt wird, hat Kruse quasi mit allen Journalisten gebrochen. Fast nur für das Fernsehen macht er eine Ausnahme, damit der Verein seine TV-Verträge erfüllt.
Florian Kohfeldt hätte es sich an dieser Stelle einfach machen und Kruse gar nicht erst als Kandidaten aufstellen können. Schließlich erfüllte dieser nicht alle Kriterien. Ein Kapitän ist das Sprachrohr der Mannschaft, er muss mit den Medien kommunizieren. Doch das hätte Kruse hart getroffen.
Er wollte dieses Amt unbedingt – und lenkte deshalb zähneknirschend ein. Viel Mühe, das Klima zu den Journalisten wieder entscheidend zu verbessern, gab er sich am ersten Tag in neuer Rolle nicht. Er erledigte seinen Job bei der Vorstellung professionell. Allerdings war absolut spürbar, wie ernst er diesen Job für sich und die Mannschaft nimmt, wie er gemeinsam mit seinen Kollegen etwas erreichen will, wie mutig er nach vorne schaut.
Mannschaft profitiert mehr von riskanterer Entscheidung
In diesem Bereich ist er gewiss eine gute Wahl. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit bleiben große Zweifel, genauso wie beim Thema Vorbildfunktion für die jungen Spieler. Wie hat Kohfeldt so schön gesagt: „Er ist nicht mehr nur Max Kruse, sondern auch der Kapitän des SV Werder Bremen.“ Daran wird sich Kruse messen lassen müssen.
Bei Niklas Moisander wären diese Zweifel nicht aufgekommen. Er hätte aber vielleicht auch nicht so einen dynamischen Einfluss auf die Kollegen gehabt. Außerdem wird es Moisander locker verkraften, dass nicht er, sondern Kruse die Binde trägt. Fazit: Kohfeldt blieb eigentlich gar keine andere Wahl, die riskantere Entscheidung zu treffen, weil die Mannschaft davon mehr profitieren könnte. Und der Erfolg steht nun mal an erster Stelle.
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