Werders Ex-Keeper Mielitz und Burdenski sprechen über ihr erstes Mal
„Luca sollte sich seine Unbekümmertheit bewahren“
Bremen - Plötzlich war der Moment da – erster Einsatz in einem Pflichtspiel bei den Profis. Werder-Keeper Luca Plogmann hat ihn am Samstag in Frankfurt erlebt. Und das mit gerade mal 18 Jahren.
„Das wird er nie vergessen“, ist sich Dieter Burdenski sicher. Werders Ehrenspielführer erinnert sich in der DeichStube genauso wie Sebastian Mielitz an sein erstes Mal, beide haben dabei auch den einen oder anderen Tipp für ihren Nachfolger im Werder-Kasten. „Luca sollte sich unbedingt diese Unbekümmertheit eines jungen Spielers bewahren“, sagt Mielitz: „Das ist einfach ein sehr hohes Gut.“ Der Druck sei als junger Spieler nicht so groß, weil man nicht so viel nachdenken, sondern einfach machen würde. So wäre es auch bei ihm selbst gewesen. Seine Premiere war sogar noch überraschender als die von Plogmann, der von den Ausfällen von Jiri Pavlenka und Stefanos Kapino profitierte.
„Ich war sogar nur die Nummer vier“, erinnert sich Mielitz an den Spätherbst 2009. Dann fielen Tim Wiese, Christian Vander und Nico Pellatz gleichzeitig aus – ausgerechnet vor dem Europa-League-Heimspiel gegen CD Nacional Funchal. Geholfen hätten ihm damals als gerade erst 20-jährigen Keeper Torwarttrainer Michael Kraft („Ein super Typ“) und Coach Thomas Schaaf („Er hat mir zu 1 000 Prozent vertraut, das tat gut“).
Auch Teamkollege Torsten Frings war sofort mit einem Tipp für den U23-Keeper zur Stelle. „Er hat mir gesagt, ich solle einfach denken, es wäre ein Spiel in Aue“, berichtet Mielitz und fügt dann schmunzelnd an: „Nur hatte ich noch nie in Aue gespielt.“ Es ging trotzdem alles gut, Werder gewann gegen die Portugiesen 4:1. „Ich hatte auch zwei ganz gute Paraden“, erinnert sich Mielitz und merkt noch an: „Als Nummer zwei war ich eigentlich immer ganz gut.“
Mieleitz: „Du lebst da wirklich deinen Traum“
Zwei Jahre später wurde Mielitz die Nummer eins – für eineinhalb Jahre. Dann verlor er seinen Stammplatz. „Es ist nicht einfach, Woche für Woche auf höchstem Niveau konstant seine Leistung zu bringen“, sagt Mielitz, der inzwischen beim dänischen Erstligisten Sönderjyske im Tor steht. Das erste Mal hat der 29-Jährige natürlich immer noch im Kopf, vor allem, weil er es wie Plogmann von der Werder-Jugend zu den Profis geschafft hatte. „Du lebst da wirklich deinen Traum und willst eigentlich gar nicht mehr aufwachen.“
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Aber genau das fordert Burdenski von Plogmann. „Klar, den Augenblick sollte Luca genießen, doch dann muss er weitermachen.“ Die nächste Chance könnte schließlich bald kommen, vielleicht schon im nächsten Spiel: „Da muss er wieder voll da sein. Und dafür muss man hart arbeiten.“ So wie Burdenski auf Schalke. Er war gerade erst 20 Jahre alt geworden, als er Norbert Nigbur am 5. Dezember 1970 vertreten durfte – und das übrigens gegen Werder, wo Burdenski später zur Torwartlegende wurde.
Als seine Pflichtspiel-Premiere nennt Burdenski allerdings eine andere Partie. Wahrscheinlich liegt es an den besonderen Umständen. Der heute 67-Jährige stand beim ersten offiziellen Elfmeterschießen in Deutschland im Tor – am 23. Dezember 1970 im DFB-Pokalspiel zwischen Schalke und Wolfsburg. „Ich habe zwei Elfer gehalten, und wir haben gewonnen“, blickt Burdenski genüsslich zurück, gibt sich aber auch bescheiden: „Von fünf Versuchen musst du als Torwart auch zwei halten, der Schütze hat es doch viel schwerer.“
„Für Luca war es wichtiger, dass es am Ende ein 2:1-Sieg war“
Plogmann konnte diesen vermeintlichen Vorteil nicht nutzen, ließ den Frankfurter Strafstoß direkt nach seiner Einwechslung zum 1:1 passieren. Werders Nummer eins Pavlenka hatte sich bei seinem Foul zum Elfmeter verletzt. „Für Luca war es wichtiger, dass es am Ende ein 2:1-Sieg war“, findet Burdenski: „Man spielt doch Fußball, um zu gewinnen.“ Für Plogmann könnte das in der Bundesliga allerdings schwer werden.
Pavlenka wird wohl zur nächsten Partie wieder fit sein, dann müsste sein Vertreter zurück auf die Bank. Denn der eigentliche Ersatzmann Kapino fällt noch mehrere Wochen aus. Plogmann kann nicht – wie für diese Saison geplant – Spielpraxis in der U23 sammeln. Burdenski findet das etwas unglücklich: „Als so junger Torwart musst du viel spielen. Da ist es eigentlich nicht förderlich, auf der Bank zu sitzen.“
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