Neuer Vertrag – und der Traum von Europa
Augustinsson macht nicht mehr alles mit links
Grassau - Erst schaut er auf sein linkes Bein, dann auf sein rechtes – eigentlich sehen sie sich ziemlich ähnlich. Nur funktionieren beide nicht gleich gut. Und das will Ludwig Augustinsson so schnell wie möglich ändern.
Das ist eines seiner Saisonziele. Der Werder-Profi denkt nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2022 aber nicht nur an sich, sondern auch an seinen Club: „Wir träumen von Europa.“
Dieses Thema wird immer heißer. Schon Claudio Pizarro hatte sich vor einer Woche bei seiner Vorstellung ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt und vom internationalen Geschäft gesprochen. Nun also auch Augustinsson. Bei ihm kommt die Aussage fast zwangsläufig. Denn: Wenn er gewollt hätte, wäre der Schwede nach seiner starken WM vielleicht schon in dieser Saison im Europapokal dabei. „Es gab konkrete Anfragen anderer Clubs“, verrät der 24-Jährige, Namen allerdings nicht. Uninteressant war das für ihn jedenfalls nicht.
Augustinsson: „Der Kader ist stärker als letztes Jahr“
Doch dann kam ein Gespräch mit Werder. Sportchef Frank Baumann bot ihm eine vorzeitige Vertragsverlängerung an – um ein Jahr bis 2022. Verbunden mit einer Gehaltserhöhung. Aber nicht nur das überzeugte Augustinsson. „Ich sehe, dass sich hier etwas entwickelt.“ Das hätten auch die Transfers gezeigt. „Wir haben zwar gute Spieler verloren, aber wir haben auch sehr gute dazu bekommen. Der Kader ist stärker als letztes Jahr.“ Dazu würde die Mannschaft davon profitieren, die ganz spezielle Arbeit von Trainer Florian Kohfeldt nun schon besser zu kennen. Kurz gesagt: Für Augustinsson ist Werder nun reif für Europa, da musste er gar nicht wechseln. „Nach nur einem Jahr wollte ich auch nicht weg. Es gibt hier noch viel Arbeit für mich.“
Da wäre zum Beispiel das Thema Verantwortung. Auf und neben dem Platz will er mehr davon übernehmen. „Wir haben zwar viele gute Leader, aber es kann nicht schaden, wenn andere auch mithelfen.“ Durch seine starke erste Bundesliga-Saison und seine WM-Teilnahme ist das Selbstbewusstsein enorm gewachsen. Vom Turnier in Russland nimmt er vor allem die „Erfahrung in großen Spielen“ mit, sagt der Außenverteidiger: „Und wir werden mit Werder auch große Spiele haben.“
Bis ins Viertelfinale war er mit Schweden vorgedrungen. Eine Sensation. „Unser ganzes Land stand still, wenn wir in der K.o.-Runde gespielt haben“, erinnert sich Augustinsson – und nicht nur daran: „Mein Tor gegen Mexiko war unglaublich. Da ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen. Ganz ehrlich, ich war 15, 20 Minuten lang auf dem Platz richtig geschockt, so hat mich das überwältigt.“
Seinem ersten Treffer im Länderspiel-Dress dürfen natürlich gerne weitere folgen – auch im Bremer Trikot. Da war ihm ebenfalls erst ein Tor vergönnt. „Da möchte ich mich schon verbessern, genauso beim letzten Pass“, sagt Augustinsson. Bei dem Thema kommen auch seine Beine ins Spiel. Er ist nicht umsonst linker Verteidiger. Das liegt natürlich auch an seinem starken linken Fuß. Mit dem rechten Bein ist das dagegen so eine Sache.
Augustinsson will gefährlicher werden - und beidfüßig
„Ich hatte schon vor Jahren die Idee, dass ich mich da verbessern muss.“ Aber so wirklich vorangekommen ist er dabei nicht. Vor fünf, sechs Monaten habe er dann ein Einzelgespräch mit dem Coach gehabt und diese Sache zum Thema gemacht. Jetzt in Grassau steht der nächste Austausch mit Florian Kohfeldt an. Dabei soll dann konkret besprochen werden, wie Augustinsson beidfüßig wird. „Ich möchte einfach gefährlicher werden“, bläst der Abwehrspieler zum Angriff.
Ein, zwei Wochen wird das aber noch warten müssen. Denn nach seinem WM-Urlaub geht es erstmal darum, hundertprozentig fit zu werden. Auch da hat Augustinsson ein klares Ziel: „Im Pokal in zwei Wochen in Worms möchte ich gerne spielen.“
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