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Bremen - Anruf bei Jürgen L. Born. „Sie wollen bestimmt etwas zu Ailton wissen“, sagt der ehemalige Werder-Boss und lacht. Natürlich weiß Born, was der Anrufer möchte.
Bei Werder dreht sich schließlich gerade alles um Claudio Pizarro, der zum vierten Mal an die Weser zurückgekehrt ist – und Born gilt als sein Entdecker. Da dürften die Emotionen besonders groß sein.
„Natürlich freue ich mich ganz besonders, dass Claudio wieder da ist“, sagt Born: „Claudio gehört einfach zu Werder. Er ist vielleicht der wichtigste Spieler für Werder aller Zeiten.“ Denn der Peruaner habe nicht nur die meisten Bundesliga-Tore für den Club erzielt (104), sondern 2001 auch eine extrem wichtige Ablösesumme eingebracht. Umgerechnet acht Millionen Euro überwiesen die Bayern damals für den Stürmer. „Damit haben wir die Mannschaft aufgebaut, die dann 2004 das Double geholt hat“, erinnert sich Born.
Born lobt Pizarros unglaublichen Ehrgeiz
Inzwischen ist Pizarro 39 Jahre alt – und spielt noch immer. „Klar, Claudio ist als Südamerikaner sehr locker drauf und immer positiv. Aber er ist schon lange kein Hallodri mehr“, betont der 77-Jährige: „Claudio hat schon lange seine Ernährung umgestellt, trainiert noch, wenn andere längst zu Hause sind. Und er ist unglaublich ehrgeizig.“ Deshalb glaubt Born auch nicht daran, dass sich Pizarro mit der ihm angedachten Rolle als Joker zufrieden geben wird.
„Claudio wird sehr hart arbeiten, damit er es auch mal in die Startelf schafft, so ist er einfach.“ Für die jungen Talente müsse das kein Nachteil sein. „Das wird sie beflügeln, sie können viel von ihm lernen“, glaubt Born – und denkt dabei natürlich vor allem an das Toreschießen: „Den einen oder anderen Treffer wird Claudio bestimmt machen.“
Born ist ein Fan von Rückkehrern. „Das hat bei Werder doch eigentlich immer gut geklappt. Ich denke da vor allem an Andreas Herzog, Torsten Frings und natürlich Claudio.“ Als er so von den Stars von damals spricht, da kommt Born eine Idee. „Jetzt fehlt nur noch Diego.“
Der Brasilianer hatte Bremen von 2006 bis 2009 verzückt – und war dann zu Juventus Turin gewechselt. Inzwischen ist er auch schon 33 Jahre alt und spielt in seiner Heimat bei Flamengo Rio de Janeiro. „Ich lese ja viele brasilianische Zeitungen, und da schwärmt Diego immer, dass er in Bremen seine beste Zeit hatte. Hier war er ja auch der König.“ Ob Diego heute noch bei Werder funktionieren würde, vermag Born nicht sagen: „Früher drehte sich im Spiel alles um ihn, heute hat Werder ganz viele Drehscheiben auf dem Platz“, sagt Born und lacht.
Born: „Ich kenne Claudios Eltern sehr gut“
Der ehemalige Werder-Boss, der 2009 seinen Posten aufgab, freut sich auf die neue Saison. Mit den Neuzugängen wie Davy Klaassen, Yuya Osako und Martin Harnik ist er sehr zufrieden – und noch mehr natürlich mit Claudio Pizarro. Ihn hatte er einst in Peru entdeckt, als er dort beruflich unterwegs war.
Um den jungen Torjäger nach einem Länderspiel auch mal beim Training seines Clubs Alianza Lima beobachten zu können, zwängte sich Born durch ein Loch ins eigentlich verschlossene Stadion. Pizarro begeisterte ihn erneut – und danach machte sich Born bei Werder erfolgreich für eine Verpflichtung stark.
Daraus entstand eine besondere Verbindung zwischen Funktionär und Spieler. „Das ist eigentlich nicht üblich“, sagt Born: „Aber ich kenne Claudios Eltern sehr gut, seine Frau und Kinder auch. Man kann schon sagen, dass wir freundschaftlich verbunden sind.“
Der Kontakt ist nie abgebrochen. Natürlich hat sich Pizarro längst bei seinem Entdecker gemeldet. Aber ins Detail will Born da nicht gehen. Er ist einfach nur froh, „dass Claudio jetzt bei Werder den Abschied bekommt, den er verdient. Vor einem Jahr war das ja nicht so glücklich.“ Der damalige Coach Alexander Nouri hatte Pizarro aussortiert und der Verein dies erst spät und etwas emotionslos kommuniziert.