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Bremen - Darf man Entdecker sagen? Ja, schon. Schließlich war Thomas Schaaf 2006 der Trainer, als bei Werder Bremen zwei ungewöhnliche grün-weiße Karrieren begannen.
Die eine Karriere gehört Max Kruse, der schon vor zwei Jahren nach Jahren des Reifens in der Ferne zurückgefunden hatte zum SV Werder. Die andere gehört Martin Harnik, der neuesten Bremer Neuverpflichtung. Schaaf hatte beide von 2006 bis 2009 begleitet, dann sahen sowohl Harnik als auch Kruse keine Zukunft mehr für sich bei Werder.
Dass nun beide wieder das Bremer Trikot tragen werden, sei eine „gute Sache“, meint der 57-Jährige und lässt seinen Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart schweifen. Martin Harnik gestern, heute und morgen – so sieht ihn sein Ex-Trainer.
Der erste Anlauf: „Ein mächtiger Konkurrenzkampf“
Nach dreieinhalb Jahren Anlauf in der U19 und U23 wartet Harnik im Sommer 2009 auf den Durchbruch im Bundesliga-Team. Aber um diesen Durchbruch zu schaffen, muss er massive Mauern einreißen – auf ihnen stehen die Namen Claudio Pizarro, Hugo Almeida, Markus Rosenberg, Boubacar Sanogo sowie Marcelo Moreno.
„Es war ein mächtiger Konkurrenzkampf damals“, meint Schaaf: „Da war es für Martin eine berechtigte Frage, ob er sich bei uns weiterentwickeln kann.“ Die Antwort fiel negativ aus, und Harnik entschied, sich an Zweitligist Fortuna Düsseldorf ausleihen zu lassen. Aus Schaafs Sicht absolut nachvollziehbar: „Wir haben immer das Talent in ihm gesehen. Auf der anderen Seite wussten wir aber auch, dass er bei uns vielleicht nicht so viel Einsatzzeit bekommen würde. Es war eine Chance für ihn, nach Düsseldorf zu gehen.“
Im selben Jahr verließ auch Max Kruse, der wie Harnik 2006 vom SC Vier- und Marschlande nach Bremen gekommen war, den Club. Gleiche Situation, gleiche Reaktion. Schaaf: „Es gibt ja diese Mär, dass wir Max Kruse damals nicht halten wollten. Aber das ist völliger Unsinn. Bei der Entscheidung, wie es mit einem jungen Spieler weitergeht, ist auch die Geduld des Spielers ein wichtiger Faktor. Der eine sagt: ,Das hier ist meine Welt, ich möchte meinen Weg hier gehen und warte auf meine Situation.‘ Der andere ist ungeduldig und geht in die Zweite Liga – dorthin, wo er sofort einen höheren Stellenwert hat. So war die Situation bei Max und auch bei Martin.“
Eine Anekdote aus Harniks ersten 17 Bundesliga-Spielen für Werder ist die, dass Schaaf den Stürmer auch mal als rechten Verteidiger aufbot. Ein seltsam anmutendes Experiment. Aber der Ex-Coach erklärt: „Wir haben auch einen Torsten Frings auf dieser Position zum Nationalspieler gemacht, weil damals im Mittelfeld der Platz fehlte. Bei Martin war es so, dass wir ihm die Chance geben wollten. Wir wollten sehen, ob er von hinten seine Schnelligkeit und seinen Zug nach vorne ausspielen kann. Diese Dynamik, die Martin hat, wenn er auf Geschwindigkeit kommt, ist für mich immer noch das Außergewöhnliche an ihm.“ Dennoch: Harnik gefiel die Rolle wenig.
Der zweite Anlauf: „Mehrere Möglichkeiten der Spielanlage“
Die Rückkehr ist festgezurrt. 31 Jahre alt wird Martin Harnik beim Trainingsauftakt am 2. Juli sein. Was von ihm noch zu erwarten ist? Schaaf sagt es so: „Martin hat in der Offensive ein sehr breites Spektrum. Auch wenn er keiner ist, der in jeder Saison 15 bis 20 Tore schießt, trifft er doch regelmäßig. Und er bereitet vor oder schafft Räume, von denen andere profitieren. Die Wege zu machen, Geschwindigkeit reinzubringen, andere in Position zu bringen oder selbst zum Torabschluss zu kommen – das könnten die Ideen sein, weshalb er für Werder wieder interessant ist.“
Ein besonderes Augenmerk gehört natürlich Harniks enger und langjähriger Freundschaft mit Max Kruse. Ein Vorteil für Werder, glaubt Schaaf: „Sie kennen sich aus der Vergangenheit und haben damals gut miteinander harmoniert. Wenn sie das jetzt fortsetzen können, ist es eine gute Sache.“ Und Egoismen seien von den beiden sowieso nicht zu erwarten, ein funktionierendes Miteinander mit allen anderen ist aus Schaafs Sicht ziemlich sicher: „Entscheidend ist letztlich, dass mehrere Spieler da sind, die Tore machen können und dass alle miteinander harmonieren. Die Chance sehe ich allemal.“