Zweiter Werder-Heimsieg in Folge
Knapper Sieg gegen Köln: Der Werner-Wandel für die Werder-Wende
Der SV Werder Bremen hat am fünften Bundesliga-Spieltag einen wichtigen 2:1 (1:1)-Heimsieg gegen den 1. FC Köln eingefahren. Warum Trainer Ole Werner nach dem zweiten Saisonerfolg zwar erleichtert ist, aber auch etwas auf die Euphoriebremse tritt.
Bremen – Die Stimmung in der grün-weißen Welt war so schlecht gewesen wie lange nicht. Eine schwache Rückrunde und ein enttäuschender Saisonstart mit dem 2:4-Desaster von Heidenheim als negative Krönung hatten nicht nur den Fans des SV Werder Bremen zugesetzt, sondern auch der Mannschaft. „Die Anspannung vor dem Spiel war schon enorm“, gestand Ersatzkapitän Niklas Stark nach dem erlösenden 2:1 (1:1)-Heimsieg gegen den 1. FC Köln: „Ich habe es nach dem Schlusspfiff noch mal gespürt, da musste ich mal einen Schrei loslassen.“ Auch Ole Werner war sichtlich erleichtert. Der Coach hatte mit seiner radikal veränderten Aufstellung für den großen Werder-Wandel gesorgt, wollte das aber nicht überbewertet wissen. Ihm war wie allen anderen Teammitgliedern nach den Zählern vier bis sechs am fünften Spieltag vor allem eine Botschaft wichtig: „Das ist ein Mannschaftserfolg.“ Der anders als der 4:0-Sieg gegen Mainz nachhaltiger sein soll – und dafür werden alle Kräfte im Team benötigt.
Ole Werner hatte die Startformation gegen den 1. FC Köln im Vergleich zum Heidenheim-Spiel auf gleich fünf Positionen verändert und – wie von Medien und Fans gefordert – endlich auch die Neuzugänge von Beginn an gebracht. Das galt speziell für die beiden Belgier Senne Lynen und Olivier Deman, die für die erfahrenen Christian Groß und Anthony Jung aufliefen. „Vielleicht braucht man mal den einen oder anderen frischen Wind“, meinte Angreifer Marvin Ducksch, der in Heidenheim nach einer Verletzungspause zum eigenen Leidwesen zunächst selbst draußen gesessen hatte. „Wir haben einen ausgeglichenen Kader, wo sich keiner sicher sein kann, dass er spielt“, betonte derweil Werner - und der Chefcoach des SV Werder Bremen fügte an: „Dafür ist es wichtig, dass die Jungs, die von der Bank kommen, sich empfehlen, damit die Jungs, die von Beginn an spielen, einen gewissen Druck spüren. Deshalb haben wir auch mit ein paar Veränderungen auf das letzte Spiel reagiert.“
Werder Bremens Marvin Ducksch über den Ausgleich: „Das Tor war ganz wichtig, sonst spielt der Kopf auch wieder eine Rolle“
Das ist dann schon ein etwas anderer Werner-Weg. Denn in der Vergangenheit hatte der Trainer meistens auf die bewährten Kräfte gesetzt. Gerade Neuzugänge brauchten bei ihm immer eine sehr lange Anlaufzeit. Das wurde mit der besonderen Bremer Spielweise erklärt. Doch eine Weiterentwicklung einer Mannschaft dauert so natürlich länger. Und nach dem schwachen ersten Halbjahr war eigentlich allen Verantwortlichen des SV Werder Bremen klar, dass diese Mannschaft Veränderungen benötigt. Die gab es vornehmlich aus finanziellen Gründen erst am Ende der Transferperiode, was den Eingliederungsprozess nicht leichter macht. Doch Ole Werner hat nun selbst mit seinen Personalentscheidungen aufs Gaspedal getreten und wurde dabei in der ersten Halbzeit gegen den 1. FC Köln in seiner Grundeinstellung erstmal bestätigt. Denn es lief nicht wirklich viel zusammen gegen eine Kölner Mannschaft, die nach einem Punkt aus vier Partien auch nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzte. Die Führung der Gäste – erzielt in der Tradition der vergangenen Wochen natürlich von einem Ex-Bremer, in diesem Fall Davie Selke – war verdient. „Man sieht, dass das alles nicht so einfach ist“, meinte Werner, war aber umso glücklicher über die Reaktion seiner Mannschaft. Die wurde nun endlich mutiger und spielte viel besser zusammen. Als Belohnung gab es den sehenswert herausgespielten Ausgleich von Rafael Borré mit dem starken Vorbereiter Ducksch. „Das Tor war ganz wichtig, sonst spielt der Kopf auch wieder eine Rolle“, meinte Stark.
Werder Bremens Talent Justin Njinmah trifft gegen den 1. FC Köln erneut als Joker
Nach dem Wechsel übernahmen die Gastgeber das Kommando. Aber für Zählbares brauchte es die Unterstützung von außen: Ole Werner brachte nach gut einer Stunde Justin Njinmah für den nach einem Volltreffer im Gesicht etwas angeschlagenen Borré. Und der Joker benötigte gegen den 1. FC Köln nur wenige Sekunden, um nach feiner Vorarbeit von Lynen das 2:1 zu markieren. Schon gegen Mainz hatte Njinmah als Einwechselspieler getroffen. Werder Bremen hat in dieser Saison bereits vier Joker-Tore auf dem Konto und führt damit dieses Ranking in der Bundesliga an. Doch Werner wollte sich für sein goldenes Händchen nicht feiern lassen: „Bei fünf Wechseln muss auch einer mal sitzen.“
Der Coach des SV Werder Bremen redete seinen Anteil an der Rückkehr in die Erfolgsspur ohnehin lieber klein. „Um mich geht es hier am wenigsten“, betonte der 35-Jährige ausdrücklich. Die Mannschaft stehe im Mittelpunkt – und die habe gerade auf die Leistung in Heidenheim eine gute Reaktion gezeigt. Das gelte für alle Spieler – also auch für die, die erst eingewechselt wurden. Ole Werner will mit seinen Wechseln zwar Bewegung und auch ein bisschen Unruhe ins Team bringen, aber keinen Unfrieden. Deshalb gab er am Samstagabend nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln quasi einen Feierbefehl, den die Mannschaft im Bremer Nachtleben durchaus zu nutzen wusste. Erst am Dienstag wird wieder trainiert.
Niklas Stark über Kritik an den Leistungen von Werder Bremen: „Die Stimmung außen rum ist manchmal zu negativ“
Dann beginnt die Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) in Darmstadt. Beim zweiten Aufsteiger soll es keine Heidenheim-Wiederholung geben, sondern die Entwicklung der Mannschaft weitergehen. Die Startelf könne sich dabei immer wieder verändern, hob Ole Werner noch einmal hervor. Was nachvollziehbar ist, denn auch ein Naby Keita giert nach seinem Kurzdebüt nach längerer Spielzeit. Für Stark ist das alles zweitrangig: „Ich gehe auf den Platz und wir sind eine Mannschaft. Egal, wer spielt und wer reinkommt und was sonst ist. Das große Ziel ist der Sieg. Die Krieger, die da auf den Platz gehen, mit denen arbeitet man, da sind wir ein Team, auch wenn man mal von der Bank kommt.“ Und auch an die Skeptiker im Umfeld richtete der Abwehrspieler des SV Werder Bremen noch ein paar Worte: „Die Stimmung außen rum ist manchmal zu negativ. Klar haben wir in Heidenheim verloren, aber man muss trotzdem an die Mannschaft glauben, an uns glauben, da war es mir ein bisschen zu negativ. Deswegen war der Sieg heute auch so wichtig, dass wir einfach positiv in die nächsten Tage gehen können.“ (kni)