Werders-Pleite in der Analyse

Kampf und Krampf: Warum Werder gegen Unions Fünferkette nicht vor das Tor kam - die Taktik-Analyse

Viel Kampf und Krampf: Warum der SV Werder Bremen beim 1. FC Union Berlin verlor und Ole Werners Plan nicht aufging - das Spiel in der Taktik-Analyse.
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Viel Kampf und Krampf: Warum der SV Werder Bremen beim 1. FC Union Berlin verlor und Ole Werners Plan nicht aufging - das Spiel in der Taktik-Analyse.

Werder Bremen verliert bei Union Berlin ein hart geführtes Spiel mit 1:2 (0:0). Die Bremer nahmen den Kampf zwar an, doch ihnen fehlten die spielerische Leichtigkeit und das taktische Geschick. So fand Werder kein Mittel gegen das kompakte System des Gegners, meint unser DeichStube-Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.

Berlin – Das Spiel zwischen dem SV Werder Bremen gegen Union Berlin war auch ein Duell der schlechten Laune. Beide Teams konnten die vergangenen drei Spiele nicht gewinnen. Während Unions Sieglos-Serie mit dem 2:1-Erfolg endete, befindet sich die Werder-Elf in der Tabelle weiter auf dem absteigenden Ast. In einem hart umkämpften Spiel fehlte Werder die fußballerische Leichtigkeit, um die Fünferkette des Gegners zu knacken.

Werder Bremen gegen den 1. FC Union Berlin der Taktik-Analyse: Werder spielt im 5-2-3-System

Trainer Ole Werner hatte zuletzt eine feste Aufstellung im Mittelfeld gefunden: Jens Stage und Senne Lynen agierten auf der Doppelsechs, während Romano Schmid auf der halbrechten Seite ein Scharnier bildete zwischen Mittelfeld und Angriff. Gegen Union Berlin fehlte Schmid dem SV Werder Bremen jedoch aufgrund einer Gelbsperre.

Ole Werner entschied sich deshalb dazu, den Mittelfeldspieler nicht positionsgetreu zu ersetzen. Stattdessen begann Nick Woltemade im offensiven Zentrum. Dadurch rückten Justin Njinmah und Marvin Ducksch in die Halbräume. Werder Bremen stellte sich im 5-2-3-System auf. Bei Ballbesitz rückte Mitchell Weiser gewohnt weit vor, aus dem 5-2-3 wurde so ein 4-2-4.

Werders 5-2-3 sorgte dafür, dass die Bremer hohen Druck ausüben konnten auf den Aufbau von Union Berlin. Die offensive Dreierreihe der Bremer konnte die Dreierkette Unions pressen. In einigen Situationen sorgte der SV Werder Bremen dafür, dass Union den Ball lang schlagen musste. Manchmal hielten sich die drei Bremer Angreifer auch zurück und blockierten nur die Zuspielwege nach vorne.

Werder Bremen gegen den 1. FC Union Berlin der Taktik-Analyse: Die Teams neutralisieren sich

Union Berlin indes wählte eine ähnliche Formation wie Werder Bremen. Sie bauten das Spiel aus einem 5-3-2 auf, wechselten jedoch auch häufig in ein 5-2-3. Das Scharnier zwischen beiden Formationen war Brenden Aaronson: Er agierte mal als dritter Mittelfeldspieler, mal als linker Stürmer.

Dass Aaronson nach halblinks auswich, hing auch mit der Rolle von Robin Gosens zusammen. Er nahm bei Union Berlin jenen Part ein, den Weiser bei Werder Bremen innehatte: Im Ballbesitz rückte er weit vor, sodass ein asymmetrisches Spielsystem entstand. Union griff häufig über seine linke Seite an. Da Rechtsverteidiger Weiser und Linksverteidiger Gosens sich auf derselben Seite gegenüberstanden, spielte sich das Spiel fast nur auf diesem Flügel ab.

Die Beschreibung der Grundformation beider Teams liest sich recht ähnlich: Beide Mannschaften verteidigten mit einer Fünferkette, beide Teams griffen über dieselbe Seite an. Tatsächlich glich sich die taktische Ausrichtung beider Teams stark. Einzig die Anordnung im Mittelfeld unterschied sich in der Theorie. In der Praxis agierten Werder Bremen und Union Berlin relativ eng am Mann, sodass die Unterschiede kaum zum Tragen kamen. Wenn Teams sich ähnlich aufstellen, entstehen häufig kampfbetonte Spiele mit zahlreichen Zweikämpfen und Ballverlusten. Das war in der Alten Försterei nicht anders. In der ersten Halbzeit sahen die Zuschauer dreimal so viele Fouls wie Torszenen. 17 Fouls begingen die Spieler insgesamt, es gab aber nur fünf Torschüsse und sechs erfolgreiche Dribblings.

Die Grafik zeigt die beiden Grundformationen der Teams. Es ist gut zu erkennen, wie Werder Bremen und Union Berlin über dieselbe Seite angreifen wollten: Weiser und Gosens agierten deutlich höher als ihre Konterparts auf dem anderen Flügel.

Werder Bremen gegen den 1. FC Union Berlin der Taktik-Analyse: Union intensiviert Angriffe über links

Nach der Pause veränderte sich an der Grunddynamik des Spiels wenig. Union Berlin jedoch schien sich nun besser mit dem kampfbetonten Spiel zu arrangieren. Sie intensivierten das Pressing. Aaronson agierte nun weiter vorne, sodass auch Union die Dreierkette des SV Werder Bremen durchgehend mit drei Mann anlief.

Offensiv verzichteten sie auf Kabinettstückchen, sondern fokussierten sich ganz auf ihre Angriffe auf der linken Seite. Sie hatten Julian Malatini als Schwachstelle der Abwehrkette des SV Werder Bremen ausgemacht. Permanent flogen nun halbhohe und hohe Bälle in seine Richtung. Auf diese Art überrumpelte Union Berlin die Gäste von der Weser. Den ersten Treffer erzielten sie nach einem Angriff über die linke Seite (50.). Vor dem zweiten Tor (52.) zahlte sich ihr hohes Pressing aus. Zwei gute Angriffe genügten Union für eine komfortable Führung.

„Da hören wir auf zu verteidigen, das darf uns niemals passieren“ - die Stimmen zur Pleite des SV Werder Bremen gegen Union Berlin!

Werder Bremen gegen den 1. FC Union Berlin der Taktik-Analyse: Bremer Schlussoffensive ohne Wucht

Ole Werner musste angesichts des 0:2-Rückstandes umdenken. Der Coach des SV Werder Bremen tauschte sein zentrales Mittelfeld aus und brachte mit Felix Agu einen neuen Linksverteidiger. Agu rückte wesentlich weiter vor als Deman. Die Bremer bauten fortan nur noch mit drei Spielern in der ersten Linie auf. Später brachte Werner mit Naby Keita einen weiteren Mittelfeldspieler, die Bremer stellten damit auf ein 4-3-3-System um. Hinten verblieben nur noch die beiden Innenverteidiger.

Trotz dieser enorm offensiven Aufstellung konnte Werder Bremen bis zum Schluss keinerlei Wucht entfalten. Union Berlin fokussierte sich gänzlich auf die Defensive. Sie stellten sich in einem 5-4-1 vor dem eigenen Strafraum auf. Zugleich brachte Coach Nenad Bjelica mit Kevin Volland und Benedikt Hollerbach zwei schnelle Konterstürmer. So konnte Union immer wieder entlastende Angriffe fahren.

Dem SV Werder Bremen fiel es schwer, gegen das massierte 5-4-1 der Hausherren den Ball nach vorne zu treiben. Der Versuch, über lange Bälle in den Strafraum zu gelangen, ging gänzlich schief. Union Berlin hatte die totale Lufthoheit im eigenen Sechzehner. Zugleich gelang es den Hausherren, Werder immer wieder zu Pässen auf den Flügel zu zwingen. Ins Zentrum kamen die Bremer gar nicht mehr. Zwar konnte Werder per Standard noch den Anschlusstreffer erzielen (63.), in der Schlussphase erspielte sich Werder aber keine Chancen mehr.

Fußballerisch überzeugte der SV Werder Bremen gegen den 1. FC Union Berlin nicht. Immerhin haben sie aber einem hart agierenden Gegner kämpferisch die Stirn geboten. Das hat einen Preis: Gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) fehlen mit Stage, Lynen und Weiser drei Schlüsselspieler mit einer Gelbsperre. Das wird Werder nicht gerade die Aufgabe erleichtern, die Negativserie endlich zu beenden.

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