Sechs Punkte Vorsprung

„Ich warne jeden Einzelnen“: Werder-Sportchef Fritz mit deutlicher Abstiegskampf-Ansage

Der SV Werder Bremen hat eine sehr gute Ausgangslage im Abstiegskampf. Sportchef Clemens Fritz will davon nichts wissen und macht eine klare Ansage.

Möglich, dass er kurz die Faust geballt hat. Denkbar auch, dass ihm ein beherztes „Jawoll!“ entfahren ist. Sicher sagen lässt sich das nicht. Als Tatsache darf hingegen betrachtet werden: Clemens Fritz hat sich sehr gefreut über das Tor von Philipp Lienhart. Warum? Nun ja, weil es aus Sicht des Sportchefs des SV Werder Bremen am Sonntagabend äußerst positiven Einfluss auf den Abstiegskampf hatte.

Anstatt der erhofften drei Punkte nahm Werders Rivale VfL Wolfsburg dank Lienharts spätem Treffer beim 1:1 in Freiburg lediglich einen Zähler mit, was die Bremer Ausgangslage – nachdem zuvor schon der FC St. Pauli gegen Mainz 05 verloren hatte – zwei Spieltage vor dem Saisonende doch merklich entspannte. Anzumerken war Clemens Fritz davon am Montagvormittag allerdings nichts. Im Gegenteil: Während des Telefonats mit der DeichStube zeigte sich der 45-Jährige noch immer reichlich angefressen ob der schwachen Vorstellung seiner eigenen Mannschaft beim 1:3 des SV Werder Bremen gegen den FC Augsburg – und wollte von guten Aussichten im Abstiegskampf nichts wissen.

Trainer Daniel Thioune (l., mit Yukinari Sugawara) muss seine Spieler dringend aufrichten. Sportchef Clemens Fritz macht eine deutliche Abstiegskampf-Ansage.

Werder Bremen-Boss Clemens Fritz ärgert sich über erschreckenden Auftritt gegen FC Augsburg

„Ich muss ehrlich sagen, dass mir unser Auftritt gegen Augsburg noch etwas nachhängt“, begann Fritz, „denn mich ärgert es, dass wir es an diesem Spieltag nicht aus eigener Kraft klar gemacht haben.“ Rückblickend hätte dafür bereits ein einziger Punkt gegen den FCA ausgereicht, der aus dem aktuellen Bremer Vorsprung von sechs Zählern auf Wolfsburg und St. Pauli uneinholbare sieben gemacht hätte. Wurde nichts draus. Ein erschreckend ideen- und energiearmes Werder Bremen hatte den bereits geretteten Augsburgern schlicht und ergreifend nicht genug entgegenzusetzen, in allen Belangen. Was aus anderer Perspektive betrachtet wiederum ganz hervorragend in den von etlichen Pleiten und Rückschlägen geprägten Saisonverlauf passte. Anders ausgedrückt: Eine halbwegs souveräne Rettung drei Spieltage vor dem Saisonende wäre da fast inkonsequent gewesen.

Zittern müssen die Bremer also auch vor dem 33. Spieltag noch, selbst wenn der direkte Abstieg inzwischen abgewendet und auch der Sturz auf den Relegationsplatz nicht mehr allzu wahrscheinlich ist. Die große Aufgabe für Cheftrainer Daniel Thioune wird es in dieser Woche sein, den Fokus seiner Spieler wieder scharf zu stellen. Nach den guten Auftritten gegen den Hamburger SV (3:1) und den VfB Stuttgart (1:1) war der Mannschaft des SV Werder Bremen gegen Augsburg ein deutlicher Spannungsabfall anzumerken gewesen.  

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Abstieg schon abgewendet? Werder Bremen-Sportchef Clemens Fritz wird deutlich: „Ich warne jeden Einzelnen“

„Auch wenn die Ausganslage mit sechs Punkten Vorsprung komfortabel wirken mag – ich warne jeden Einzelnen davor, sich auch nur ansatzweise sicher zu fühlen“, betonte Clemens Fritz vor dem Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker). Sollte er solche Signale wahrnehmen, dürfte es ungemütlich werden. „Wir haben es nach wie vor selbst in der Hand, ja. Aber wir haben auch noch zwei Spiele, in denen wir enorm gefordert werden und da sein müssen“, sagte Fritz – und warnte: „So wie gegen Augsburg wird es nicht gehen.“ Ein Matchball, den Werder Bremen in den Augen seines Sportchefs „verschenkt“ hat. „Jetzt müssen wir alles dafür tun, damit der nächste sitzt. Dann darf sich Erleichterung einstellen, aber auf keinen Fall vorher.“

Wie gesagt: Ein Punkt noch, und der Spuk wäre vorbei. Wenn Wolfsburg (gegen Bayern München) und St. Pauli (bei RB Leipzig) am Samstag ihre Spiele nicht gewinnen, könnte Werder Bremen sogar nach einer Niederlage gerettet sein. Dann allerdings nicht aus eigener Kraft, sondern nur, weil die Konkurrenz noch etwas schwächer ist. Insgesamt also keine schlechte Ausgangslage vor dem Finale, aber auch kein Anlass für Freudenstürme. (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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