Bundesliga-Abstiegskampf

Unter gütiger Mithilfe: Werder-Auftritt gegen Augsburg sorgt für Kopfschütteln – doch der direkte Abstieg ist vom Tisch

Der schwache Auftritt des SV Werder Bremen gegen den FC Augsburg sorgt für Kopfschütteln. Dennoch ist zumindest der direkte Abstieg vom Tisch.

Es hatte bis weit in den Sonntagnachmittag hinein gedauert, ehe sich die angespannten Mienen am Osterdeich zumindest etwas aufhellen durften. Der FC St. Pauli hatte da gerade sein Heimspiel gegen Mainz mit 1:2 verloren und deshalb den tabellarischen Rückstand auf den SV Werder Bremen nicht verkleinert. Rechnerische Sicherheit gibt es zwei Spieltage vor Schluss zwar immer noch nicht, aber der Puls schlägt an der Weser wieder etwas geregelter. Denn nicht nur die endgültige Rettung bleibt nah, der direkte Abstieg ist sogar komplett vom Tisch, weil St. Pauli und Wolfsburg, das später am Abend lediglich einen Punkt in Freiburg holte und nun im Klassement gleichauf mit den „Kiezkickern“ liegt, am 34. Spieltag direkt aufeinandertreffen. Immerhin eine gute Nachricht für die Elf von Trainer Daniel Thioune im Rennen um den Klassenerhalt, nachdem die eigene Darbietung tags zuvor beim 1:3 gegen den FC Augsburg wenig Raum für Begeisterung gelassen hatte. Vielmehr sorgte sie für kollektive Ratlosigkeit und viel Frust, weil der erste von drei Matchbällen im Abstiegskampf ebenso fahrlässig wie hilflos vergeben worden war.

Der SV Werder Bremen um Trainer Daniel Thioune und Profi Senne Lynen verliert nach schwachem Auftritt gegen den FC Augsburg, kann jetzt aber nicht mehr direkt absteigen.

Werder Bremen verliert Energie gegen FC Augsburg - und kassiert Pfiffe im Weserstadion

„Wir sind selber schuld! Seit Tagen und Wochen reden wir darüber, dass es eine Riesenchance ist, die wir uns erarbeitet haben. Es ist bitter“, schimpfte Innenverteidiger Amos Pieper. Nichts war mehr zu sehen von der Vehemenz, mit der sich das Team in den Vorwochen gegen das drohende Unheil gestemmt hatte. Stattdessen agierte Werder Bremen mit fortlaufender Dauer derart fehlerhaft, dass exakt zwei Wochen nach dem kollektiven Freudenfest beim Nordderby plötzlich laute Pfiffe im Weserstadion zu hören waren. „Dass die Leute mit dem Auftritt, den wir heute abgeliefert haben, unzufrieden sind, kann ich nachvollziehen. Daher verstehe ich auch die Pfiffe. In den letzten zwei Wochen waren wir weiter“, meinte Thioune über den akustischen Liebesentzug, der nicht vom stehenden Anhang in der Ostkurve, sondern von den sitzenden Fans ausgegangen war. „Dass Unruhe da ist, damit müssen wir leben“, sagte Werders Fußball-Chef Clemens Fritz nach der Niederlage gegen den FC Augsburg. „Ich habe die Pfiffe nicht aus der Ostkurve vernommen. Die Fans dort unterstützen uns super. Das ist nicht selbstverständlich.“

Nach einer Leistung wie dieser gilt das mehr denn je. Die Bremer starteten zwar ordentlich, wussten mit ihrem Ballbesitz – wie auch im weiteren Verlauf der Partie – aber ziemlich wenig anzufangen. Das schraubte die Zahl der Ungenauigkeiten in allen Mannschaftsteilen in die Höhe, was der FCA geschickt zu nutzen wusste. Passende Antworten gab es kaum. Die Gastgeber wirkten erschreckend saft- und kraftlos, eine Erklärung für diese grün-weiße Energiewende hatte später am Abend niemand. Nach ein paar Stunden Schlaf probierte sich Thioune dann an einem Ansatz: „Es hat nicht an der Spannung gefehlt, der Aufbau zum Spiel hin war wirklich gut. Die ersten Minuten wurden dann auch sehr energetisch von uns geführt“, hatte er nach ausgiebiger TV-Studie analysiert. „Aber uns ist die Energie im Laufe der Partie verloren gegangen. Wir hatten zu einfache Ballverluste und haben immer mehr den Faden verloren.“ Augsburgs Anton Kade nutzte diesen Umstand zu zwei Treffern (24./45.+3), auch Kristijan Jakic traf nach Bremer Einladung (69.). Dass zwischenzeitlich Romano Schmid aus der Distanz verkürzt hatte (64.), fiel am Ende nicht weiter ins Gewicht – und sorgte bei Werder Bremen für reichlich Katerstimmung anstelle der anvisierten Partylaune.

Werder Bremen will nach Augsburg-Spiel mit anderem Gesicht in letzte zwei Matchball-Spiele gehen

„Wir hatten uns viel vorgenommen. Aber die Fallhöhe war auch enorm nach den letzten beiden Spielen. Ja, vielleicht ist es menschlich, dass man ein bisschen loslässt, wenn man sich etwas sicherer wähnt. Die Mannschaft hat jetzt ein wenig geatmet“, meinte Thioune mit Blick auf die mentalen sowie physischen Kraftakte gegen den Hamburger SV und VfB Stuttgart, die zuletzt die Ausgangslage maßgeblich aufpoliert hatten. „Wir wollten diesen ersten Matchball unbedingt verwandeln, aber das hat dann eher dazu geführt, dass wir im Laufe des Spiels verkrampft haben und das Energielevel nicht mehr so hoch war, wie wir es von uns erwartet haben.“ Das nagte auch an Amos Pieper: „Zum ersten Mal seit langer Zeit war es nicht so ein Do-or-die-Spiel. Es konnte eigentlich nur alles gewonnen werden. Verloren haben wir auch jetzt noch gar nichts. Deswegen ist es unerklärlich.“ Umso besser dürfte auch ihm die sonntäglichen Nachrichten vom Millerntor und aus dem Breisgau gefallen haben, nachdem am Morgen in der Kabine ordentlich Klartext ob des vorherigen Auftritts geredet worden war. Der Endspurt des SV Werder Bremen soll schließlich ein anderes Gesicht, eine andere Haltung als die vom Samstag haben. „Wir haben noch zwei Matchbälle, die entscheiden, ob wir in der kommenden Saison Bundesliga spielen oder nicht“, betonte Daniel Thioune und orakelte: „Wahrscheinlich geht es wirklich bis zum Schluss...“

Schützenhilfe hin oder her. Deshalb ging auch Clemens Fritz nochmal auf Nummer sicher: „Wir können uns nicht auf andere verlassen, und das tun wir auch nicht. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir wachsam sein müssen, dass es bis zum Schluss gehen und ein harter Kampf werden wird. Daran hat sich nichts geändert.“ (mbü)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / DeFodi Images

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