Piepers Vertrag läuft 2026 aus
Mit der Energie des Unzufriedenen: Amos Pieper hat schweren Stand bei Werder und schuftet auch für seine Zukunft
Amos Pieper ist trotz seines Startelf-Einsatzes gegen den FC Bayern nicht die erste Wahl bei Werder Bremen. So schätzt Peter Niemeyer die Lage des Profis ein.
Bremen – Wenn Amos Pieper zuletzt in den deutschen Bundesligastadien unterwegs war, dann glichen sich die Bilder: Der 27-Jährige saß meist lange auf der Bank, machte sich dann an der Torauslinie mit ein paar Kollegen warm und kam – wenn es gut für ihn lief – auch noch zum Einsatz. Hier mal vier Minuten, dort sieben oder auch nur eine. Nicht selten blieb er aber auch einfach nur Zuschauer. Das zehrt an den Nerven. Insofern stellte der jüngste Auftritt des SV Werder Bremen in München für den Innenverteidiger eine Zäsur dar. Pieper stand erstmals seit Anfang November wieder in der Startelf, er durfte sogar über die volle Spielzeit ran. Das hatte es in der laufenden Saison noch gar nicht gegeben. Doch am Horizont erscheint schon wieder bedrohlich die Bank – verbunden mit der Frage, wie lange sich der ambitionierte Abwehrspieler mit seiner schwierigen Situation in Bremen noch arrangieren kann und will.
Werder Bremen lobt Amos Pieper für dessen Einstellung: „Das rechne ich ihm sehr hoch an“
„Er hat so gespielt, wie wir ihn kennen“, lobt Peter Niemeyer, Werder Bremens Leiter Profifußball. „Wenn er gebraucht wird, dann ist er da – und bei solch einem Auswärtsspiel gegen die Bayern ist das alles andere als einfach.“ Die Bundesliga-Datenbank spuckte hinterher eine Bilanz von elf Zweikämpfen aus, von denen Amos Pieper fünf gewann. Gröbere Schnitzer leistete er sich keine, weshalb am Ende trotz Werders 0:3-Niederlage von einer soliden Darbietung des Ex-Bielefelders gesprochen werden durfte. Zu gern würde Pieper noch häufiger zeigen, was er kann, doch die Plätze in der Dreierkette sind meist an andere vergeben. „Natürlich merkt man ihm eine gewisse Unzufriedenheit an, was aber auch gut ist“, findet Niemeyer und erfreut sich an der richtigen Reaktion des einstigen U21-Europameisters: „Amos schafft es, diese Enttäuschung in die richtige Energie umzuwandeln und sich voll ins Kollektiv einzubringen. Das rechne ich ihm sehr hoch an. Er arbeitet intensiv daran, dass er auf mehr Spielzeit kommt.“
Doch der Weg ist steinern. In der Abwehrkette bilden in der Regel Anthony Jung, Niklas Stark und Marco Friedl das Stammpersonal. Werder Bremens Kapitän fällt aktuell zwar noch einige Zeit aus, weil ein gezerrtes Innenband im Knie für Schmerzen sorgt, eine Einsatz-Garantie beschert Amos Pieper dieser Umstand dennoch nicht. Der zuletzt gesperrte Stark dürfte als Vertreter des Österreichers gegen Hoffenheim ins Abwehrzentrum rücken, um den rechten Part streitet neben Pieper auch noch Milos Veljkovic mit. Letzterer erhielt zuletzt meist von Trainer Ole Werner den Zuschlag, wenn es darauf ankam. Und dann ist da ja auch noch Julian Malatini, der nach Wadenproblemen auf eine Rückkehr ins Team schielt und sich ohnehin perspektivisch zu einem Fixpunkt in der Hintermannschaft entwickeln soll. Alles andere als rosige Aussichten für Pieper also. „Die letzten Wochen haben gezeigt, wie schnell man ins Team rutschen kann“, macht Niemeyer dem Defensivakteur trotzdem Mut, sagt aber auch: „Wir haben in der Innenverteidigung ein hohes Niveau an Spielern, die allesamt ein unterschiedliches Profil besitzen. Amos bringt da sehr viel mit – aber die anderen halt auch.“
Nach DeichStube-Informationen haben Werder Bremen und auch Amos Pieper noch keine Tendenz bezüglich eines Transfers
Ziemlich genau drei Monate sind es noch, ehe auch diese Bundesliga-Saison schon wieder zu Ende ist. Ein Vierteljahr also, in dem sich entscheiden dürfte, ob die Liaison zwischen dem SV Werder Bremen und Amos Pieper eine Zukunft hat. Bis zum Sommer 2026 läuft der Vertrag des Mannes aus Lüdinghausen an der Weser, eine Leihe für mehr Spielzeit wäre also nach dieser Saison nicht möglich. Eine Ablöse würden die Bremer umgekehrt nur mit einem Verkauf in einem der nächsten beiden Transferfenster generieren können. Doch noch ist keine Entscheidung gefallen, nach DeichStube-Informationen wollen alle Seiten nach der Saison in Ruhe bewerten, was das Beste für alle Beteiligten ist.
Amos Pieper selbst erweckt derweil nicht den Eindruck, mit seinem Kopf nicht (mehr) bei der Sache zu sein – sonst würde Niemeyer dessen Leistungen im Training und Spiel auch nicht derart honorieren. Und auch Piepers eigene Aussagen zeugen davon, wie wohl er sich eigentlich in der Hansestadt fühlt. Erst kürzlich formulierte er in einem vereinseigenen Podcast sein Karriereziel: „International spielen – am liebsten mit Werder. Es wäre nochmal ein absolutes Ziel für mich.“ Und der 27-Jährige ergänzte: „Als ich damals in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund gespielt habe oder danach nach Bielefeld gekommen bin, habe ich nicht unbedingt daran gedacht. Ich war immer ein Freund davon, dass die Ziele halbwegs realistisch sind – auch wenn man große Träume haben muss.“ Pieper will bei Werder Bremen also noch etwas erreichen, gern schon in dieser Saison. Dafür hängt er sich tagtäglich rein und kämpft gegen seine Unzufriedenheit an.
Amos Pieper wird vermutlich nicht mehr in der linken Innenverteidigung des SV Werder Bremen zum Einsatz kommen
Ein kleines Hintertürchen, durch das Amos Pieper im vergangenen Herbst noch geschlüpft war, scheint übrigens nicht mehr geöffnet zu sein. Damals wurde er als Jung-Ersatz auf der linken Seite der Abwehrkette gebraucht, gefiel dabei in den Partien gegen Wolfsburg (4:2) und Leverkusen (2:2), musste beim kollektiven Debakel in Mönchengladbach (1:4) aber schon zur Pause vom Feld – und war seither bis zum Bayern-Spiel allenfalls Kurzarbeiter. Ein ernsthafter Zweikampf mit Anthony Jung erscheint deshalb unwahrscheinlich. „Ich will das nicht ausschließen“, sagt Peter Niemeyer. „Aber wenn der linke Dreierkettenspieler ein Linksfuß ist, dann hat er natürlich einen Vorteil gegenüber einem Rechtsfuß. So ist einfach ein effektiverer Aufbau möglich. Wir wissen auch, was wir an Tony haben. Er spielt erneut eine sehr stabile Saison.“ Amos Pieper braucht also eine andere Lösung. (mbü)