Wichtiger Werder-Sieg
Die Schönheit des Dreckigen: Werder Bremen atmet nach Sieg gegen St. Pauli auf – doch eine Standortbestimmung bleibt schwierig
Der SV Werder Bremen hat einen wichtigen Sieg gegen den FC St. Pauli eingefahren, doch wie steht es wirklich um den SVW? Warum eine Standortbestimmung aktuell schwierig ist!
Bremen – Es war nur ein ganz kurzer Moment des Glücks, aber er sprach Bände. Der Schlusspfiff war erst wenige Augenblicke alt, als sich Peter Niemeyer mit einem Lächeln im Gesicht Horst Steffen schnappte und dem Trainer des SV Werder Bremen erleichtert den Arm über die Schultern legte. Während sich das Duo kräftig herzte und dabei ein paar Schritte ging, rappelten sich die Profis gerade erst nach und nach wieder auf – nachdem sie kurz zuvor fast geschlossen auf den Rasen gesackt waren. Dieser schwer erarbeitete 1:0 (1:0)-Erfolg gegen den FC St. Pauli war ein echter Kraftakt gewesen. Und nicht nur das. „Das hat heute einige Nerven gekostet, keine Frage“, gab Niemeyer zu. „Wir hätten das Spiel viel früher zumachen können, so aber mussten wir ein Stück weit zittern.“ Auch Steffen waren die sprichwörtlichen Steine vom Herzen gefallen. „Wenn man nur mit einem Tor führt, besteht immer die Gefahr, dass noch etwas passieren kann – selbst wenn der Gegner nicht den ganz großen Druck ausübt, wie es heute St. Pauli getan hat“, sagte er. „Man weiß nie, was in der Nachspielzeit noch passiert. Deshalb war ich sehr froh, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat.“
Werder Bremens Peter Niemeyer nach Erfolg gegen FC St. Pauli: „Das war ein hart erkämpfter Sieg“
Ein fußballerischer Leckerbissen war es keineswegs, der am Samstagnachmittag im ausverkauften Weserstadion serviert wurde. Dabei hatte die Partie aufregend begonnen, weil Samuel Mbangula nach nicht einmal zwei Minuten mit einem platzierten Flachschuss zur Führung traf. Und weil Werder Bremen, das dieses Mal in einem 4-3-3-System antrat, im weiteren Verlauf defensiv gut agierte und vom FC St. Pauli überraschend wenig kam, hätten die Bremer eigentlich recht entspannt zu den drei Punkten schippern können. Taten sie aber nicht. Yukinari Sugawara, Karim Coulibaly und Jens Stage ließen bereits im ersten Durchgang gute Gelegenheit aus, um zu erhöhen. Nach dem Seitenwechsel waren die Hamburger dann zwar auffälliger – ohne die Gastgeber aber vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Die Elf von Horst Steffen verteidigte weitgehend aufmerksam, hatte den offensiven Schwung aber nun ihrerseits in der Kabine gelassen. Erst in der Schlussphase ergaben sich bei Kontern wieder Top-Chancen zur Entscheidung, die Patrice Covic und Victor Boniface jedoch ungenutzt ließen.
Doch wo es genau deshalb früher im eigenen Strafraum nochmal wild geworden wäre und Werder Bremen solch ein Spiel zumindest nicht gewonnen hätte, klappte es nun mit dem erlösenden Erfolgserlebnis. „Das war ein hart erkämpfter Sieg, bei dem wir uns immer wieder in die Bälle reingeworfen haben“, lobte Peter Niemeyer. „Wir haben es geschafft, jede Situation anzunehmen und uns gegen die Widrigkeiten zu wehren.“ Ein Umstand, der auch an anderer Stelle für Freude sorgte. „Es war ein extrem wichtiger Sieg für uns. Er war nicht schön, sogar ziemlich dreckig zum Schluss. Aber solche Spiele gibt es eben, die muss man dann auch ziehen“, sagte Kapitän Marco Friedl, der seinem Team nach der Partie gegen den FC St. Pauli aber auch den einen oder anderen überflüssigen Fehler attestierte. Umso mehr gefiel es ihm, „dass wir zu Null gespielt haben“.
Werder Bremen gewinnt dank guter Defensive gegen FC St. Pauli - Standortbestimmung bleibt schwierig
Senne Lynen wollte seinem Abwehrchef da nicht widersprechen, wenngleich der belgische Mittelfeldspieler insgesamt nicht wirklich die Sorge teilte, dass noch etwas hätte schiefgehen können. „Ich hatte auf dem Platz nicht das Gefühl, dass St. Pauli noch den Ausgleich macht. Natürlich mussten wir immer aufmerksam bleiben, aber ich hatte das Gefühl, dass wir gut standen und kaum echte Torchancen zugelassen haben“, sagte der Sechser des SV Werder Bremen.
Mit sieben Zählern geht es nun für die Hanseaten in die zweite Länderspielphase der Saison, am 18. Oktober (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) folgt dann die Auswärtspartie beim 1. FC Heidenheim. Tabellarisch bewegen sich viele Teams aktuell in identischen Regionen, jeder Verein besitzt dabei seine eigenen Probleme. Mal größer, mal kleiner. Nach dem Spiel wurden beide Trainer deshalb gefragt, wo ihre Mannschaften denn nun in diesem Gewusel eigentlich ganz genau stehen - und Gäste-Coach Alexander Blessin wählte den einfachsten Ausweg und zeigte mit erhobenem Arm auf die Tabelle, die hinter seinem Kopf auf einem Monitor zu sehen war. Horst Steffen nutzte die gebotene Steilvorlage des Kollegen und handelte unter großem Gelächter ähnlich, doch der 56-jährige Chefcoach des SV Werder Bremen sagte auch: „Es ist immer noch früh in der Saison. Warten wir es ab. Wir sind froh, dass wir nach einer schwierigen Phase und einem Auftaktprogramm, das nicht so leicht war, drei Punkte eingefahren haben. Alles Weitere kommt in den nächsten Wochen. Ich hoffe, dass wir uns verbessern und stabilisieren – denn darum geht es.“ (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
