„Wir gehen den Kurs vollumfänglich mit“

Werder-Aufsichtsrat stärkt Sportchef Clemens Fritz in der Krise den Rücken: Was die Bosse über die Fan-Petition denken

In der Krise des SV Werder Bremen ist vor allem Sportchef Clemens Fritz in die Kritik geraten. Wie der Aufsichtsrat um Präsident Hubertus Hess-Grunewald darüber denkt.

Die sportliche Lage ist alarmierend: Seit Anfang November (beziehungsweise neun Bundesligaspielen) wartet der SV Werder Bremen nun schon auf einen Sieg. Längst ist die Mannschaft im Abstiegskampf angekommen. Cheftrainer Horst Steffen steht massiv in der Kritik, das anstehende Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) dürfte Endspiel-Charakter für den 56-Jährigen haben. In den Augen vieler Fans gibt es allerdings noch einen Verantwortlichen für die Krise: Sportchef Clemens Fritz. Was Werders Aufsichtsrat über Arbeit und Krisenmanagement des Ex-Profis denkt und wie er zur laufenden Online-Petition gegen Fritz steht, hat dessen Vorsitzender Hubertus Hess-Grunewald nun gegenüber der DeichStube erklärt.

Clemens Fritz (re.) steht vor allem bei den Fans des SV Werder Bremen in der Kritik. Präsident Hubertus Hess-Grunewald stärkt dem Sportchef nun allerdings den Rücken.

Sportliche Krise und Kritik an Clemens Fritz: Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald über die Fan-Petition

Am frühen Freitagmorgen lag der Wert bei knapp 3.500. So viele Menschen haben sich an der Petition beteiligt, die unter dem Titel „Genug ist genug!“ das Ziel verfolgt, eine außerordentliche Mitgliederversammlung beim SV Werder Bremen einzuberufen. Einziger Punkt auf der Tagesordnung: „Bewertung der Amtsführung von C. Fritz“. Ein Vorstoß, der sinnbildlich für die angespannte Stimmung im Umfeld des Vereins steht – und der am Osterdeich nicht unbemerkt geblieben ist. „Es ist bei sportlichem Misserfolg auch in der Vergangenheit so gewesen, dass sich in der Mitgliedschaft Frust und Sorgen erhöhen“, erklärt Hubertus Hess-Grunewald, der auch Vereinspräsident ist. „Das nehmen wir sehr ernst. Wir haben auch die Petition zur Kenntnis genommen.“

In Paragraph 15 der Vereinssatzung des SV Werder Bremen ist festgelegt, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung unter anderem dann zustande kommen kann, „wenn ein Zehntel der stimmberechtigten Mitglieder dieses schriftlich unter Angabe eines Zweckes und der Gründe beim Präsidium beantragt“. Mit ihrem Ziel von 7.000 Unterschriften würden die Initiatoren der Petition diesen Wert erfüllen, was aber nicht bedeutet, dass es zwingend zur Versammlung kommt. „Ein solcher Antrag müsste dann geprüft werden, bevor die organisatorischen Vorbereitungen einer Mitgliederversammlung getroffen würden“, sagt Hubertus Hess-Grunewald – und erinnert: „Wir haben vor etwa zwei Monaten erst eine Mitgliederversammlung abgehalten, auf der sowohl ausführlich über den Sport diskutiert worden ist als auch die entscheidenden Gremien des Vereins neu besetzt worden sind.“

Nach Kritik und Fan-Petition: Hubertus Hess-Grunewald stärkt Clemens Fritz bei Werder Bremen den Rücken

Selbst wenn es eine neuerliche Versammlung geben sollte – entschieden werden könne in deren Verlauf nichts. „Eine außerordentlich einberufene Mitgliederversammlung könnte eine Diskussion führen, aber nichts Weiteres beschließen“, erklärt Hubertus Hess-Grunewald, ehe er den Standpunkt des Aufsichtsrats des SV Werder Bremen deutlich macht: Clemens Fritz steht für das Kontrollgremium nicht zur Debatte.

„Der Aufsichtsrat geht den seit Sommer von der Geschäftsführung eingeschlagenen neuen Kurs vollumfänglich mit und begleitet diesen Prozess kritisch-konstruktiv“, sagt Hubertus Hess-Grunewald. Der 65-Jährige verweist auf „eine größere Veränderung im Kader und auf der Trainerposition“ vor der Saison und hebt hervor, dass es „sehr gut gelungen“ sei, den Kader des SV Werder Bremen zu verjüngen und mit Spielern wie Karim Coulibaly, Mio Backhaus und Patrice Covic neue Werte zu schaffen. „Uns war klar, dass sich bei den Veränderungen auch Schwankungen in den Leistungen und Ergebnissen ergeben können“, sagt er – und stärkt Sportchef Clemens Fritz den Rücken: „Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst, trauen Clemens aber zu, als verantwortlicher Geschäftsführer die richtigen Entscheidungen zu treffen, und sind überzeugt, dass wir mit der Mannschaft – hoffentlich schon gegen Mönchengladbach - wieder in die Erfolgsspur kommen.“ (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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