Nach Niederlage gegen Hoffenheim

Trainer-Endspiel, Fritz-Petition, Qualitätsproblem: Werder Bremens Krise wächst und wächst

Mit der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim wächst die Krise bei Werder Bremen weiter. Coach Horst Steffen steht wohl vor seinem Endspiel, Fans starten eine Petition gegen Sportchef Clemens Fritz.

Jens Stage schaute ins Leere, suchte nach Worten, seufzte mehrfach. Irgendwie wollte der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen erklären, warum seine Mannschaft trotz 40-minütiger Überzahl gegen die TSG Hoffenheim maßlos enttäuscht und völlig zurecht mit 0:2 verloren hatte. Doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. „Ich kenne die Antwort leider nicht und würde sie gerne finden“, meinte der Däne, der sein Team in Abwesenheit des gesperrten Marco Friedl als Kapitän aufs Feld geführt hatte. Doch eines wusste er: „Das können wir den Fans und uns selbst so nicht anbieten. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles reingeschmissen, aber die Qualität ist einfach nicht gut genug.“ Ein ebenso gnadenloses wie zutreffendes Urteil nach dem neunten Spiel ohne Sieg und einer abermals erschreckenden Harmlosigkeit in der Offensive. Werder schlittert immer tiefer in die Krise, auf den Rängen des Weserstadions schwindet spürbar der Glaube daran, dass alsbald eine Wende gelingt. Das produziert auch Fragen nach der Zukunft des Trainers, doch der sitzt weiter fest im Sattel. Noch.

Der SV Werder Bremen steckt nach der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim immer tiefer in der Krise. Trainer Horst Steffen steht wohl vor seinem Endspiel.

Werder Bremen nach 0:2 gegen TSG Hoffenheim ganz tief in der Krise: Warum Trainer Horst Steffen trotzdem bleiben darf

„Dass hier nicht heiter Sonnenschein herrscht, darüber müssen wir nicht reden. Wir sind alle enttäuscht“, sagte Clemens Fritz, Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen, als er sichtlich mitgenommen vor die Mikrofone der Journalisten trat. Doch der 45-Jährige ließ die Schultern nicht hängen, sondern schaltete in den Kampfmodus, beschwor einmal mehr den Zusammenhalt. „Wir müssen die Situation annehmen, zusammenbleiben und gemeinsam weiterarbeiten. Ich sehe eine Mannschaft, die will“, betonte Fritz. „Dass wir nicht mit riesenbreiter Brust unterwegs sind, ist normal, wenn du so lange nicht mehr gewonnen hast.“

Das Vertrauen in den Trainer hat zumindest öffentlich auch die Schlappe vom Dienstagabend nicht schwinden lassen. So betonte der Ex-Profi, dass Horst Steffen auch am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) auf der Bank sitzen werde. Weshalb es die Jobgarantie gibt? „Weil ich sehe, wie er mit der Mannschaft arbeitet. Und weil ich eine Mannschaft sehe, die vom Trainer die richtigen Dinge an die Hand bekommt.“ Doch die Realität beweist, dass dieser Umstand bei Werder Bremen aktuell nicht genügt, um Bundesligapartien für sich zu entscheiden. Fritz sagte dennoch: „Ich sehe keine Mannschaft, die nicht auf den Trainer hört oder innerhalb der es ein großes Problem gibt. Bei Horst spüre ich die Energie, die positive Art.“

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Werder Bremen in der Krise: Trainer Horst Steffen glaubt an Wende - Fans starten Petition gegen Sportchef Clemens Fritz

Horst Steffen weiß die Rückendeckung seines Vorgesetzten zu schätzen. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, aber es ist eine gute Bestätigung, dass das Vertrauen da ist“, meinte der 56-Jährige. „Dieses Vertrauen gebe ich gerne weiter an die Spieler. Es ist wichtig, dass wir im Vertrauen bleiben. Das ist die einzige Möglichkeit, dass wir Spiele gewinnen.“ Bis zum Duell des SV Werder Bremen gegen Gladbach bleibt nur wenig Zeit, Frust und Zweifel abzuschütteln, Steffen betonte dennoch schon jetzt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir am Wochenende eine bessere Mannschaftsleistung aufs Feld bekommen und einen Dreier feiern können.“

Er selbst wird ihn dringend brauchen. Nicht unwahrscheinlich, dass die Partie am Samstag für ihn persönlich Endspielcharakter hat. Bei einer weiteren Niederlage wäre ein Verbleib nur schwer zu moderieren. Zu groß ist längst die Gefahr, dass Werder Bremen wieder in die Zweitklassigkeit stürzt. Doch nicht nur der Trainer wird kritisch beäugt, auch die Verantwortlichen stehen unter besonderer Beobachtung. Der Unmut wächst, im Internet wurde inzwischen gar eine Petition initiiert, die alle stimmberechtigten Vereinsmitglieder anspricht, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um die Arbeit von Clemens Fritz zu bewerten. Knapp 2000 Stimmen der gewünschten sowie laut Statuten benötigten 7000 (etwa ein Zehntel von Werders aktueller Mitgliederzahl) sind bislang registriert worden. „Ich bin lange genug bei Werder und man kann sich vorstellen, dass so etwas nicht spurlos an mir vorbeigeht“, erklärte der Bremer Ehrenspielführer Fritz. „Aber es ist mein Job, und ich bin mit Energie dabei. Wenn wir nur darüber reden, was alles schlecht ist, kommen wir nicht weiter. Es ist legitim, dass Kritik da ist, und der stelle ich mich auch. Wichtig ist für mich aber, weiterzuarbeiten, Ruhe reinzubringen und dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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