Knapper Werder-Heimsieg
Ausdruck einer Entwicklung: Werder besteht die Reifeprüfung und macht einen großen Schritt in Richtung Europa
Der SV Werder Bremen hat in den vergangenen Wochen eine Entwicklung vollzogen - und gewinnt nun auch Spiele, ohne dabei vollends zu überzeugen. Winkt zur Belohnung das europäische Geschäft!?
Bremen – Für Spiele wie das des SV Werder Bremen gegen den VfL Bochum (1:0) wurde vermutlich einst im Fußball-Fachjargon der Begriff „Arbeitssieg“ erfunden. Über weite Strecken der Partie war der Auftritt der Bremer alles andere als ein Augenschmaus, doch am Ende zählt bekanntlich das Ergebnis – und das lautete eben 1:0 für die Grün-Weißen. „Dass die Leistung in dieser Saisonphase mal nicht passt, ist normal. Dann musst du als Mannschaft stabil bleiben und es über einen Arbeitssieg lösen“, fasste Trainer Ole Werner die Begegnung im Nachgang treffend zusammen. Und ergänzte: „Deswegen bin ich insgesamt zufrieden, weil ich weiß, dass nicht jede Woche solch spielerische Leistungen wie gegen Frankfurt oder Stuttgart möglich sind.“
Werder Bremens Ole Werner nach Heimsieg gegen VfL Bochum: „Das war eine Reifeprüfung, die wir bestanden haben“
Dass Werder Bremen nicht mehr an die eigene spielerische Leistungsgrenze gehen muss, um Bundesligaspiele zu gewinnen, wird im Bremer Lager als deutlicher Entwicklungsschritt gewertet. „Das war eine Reifeprüfung, die wir bestanden haben“, so Ole Werner. „Bei allem, was es zu verbessern gibt – darauf kann die Mannschaft durchaus ein Stück weit stolz sein. Denn auch das gehört zum Fußball: Spiele so zu gestalten, wie es die Situation erfordert.“ Und gegen einen Gegner wie den VfL Bochum, der im Abstiegskampf um jeden Punkt kämpft, ist ein ansehnlicher Auftritt eben nicht immer möglich.
„Bochum spielt Mann gegen Mann, ist in den Zweikämpfen sehr hart und eklig“, beschrieb Romano Schmid die Probleme, die Werder Bremen in der ersten Hälfte hatte. Auch Amos Pieper zollte dem Gegner Respekt: „Ein ruhiges Spiel wird es gegen Bochum nie geben – gerade in ihrer aktuellen Lage. Sie haben selbst mit einem Mann weniger sehr gut dagegengehalten und standen defensiv extrem kompakt.“ Kapitän Marco Friedl wollte die eigene Leistung ebenfalls nicht schönreden, betonte aber: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht, aber das Wichtigste ist: Wir haben gewonnen. Darum geht’s.“
Werder Bremens Ole Werner: „Entscheidend war, dass wir in einer schwachen ersten Halbzeit nur sehr wenige Torchancen zugelassen haben“
Solche Spiele zu gewinnen, war in der Vergangenheit nicht unbedingt eine Bremer Spezialität. Doch wie schon im starken Dezember – als der 1:0-Hinspielsieg gegen den VfL Bochum auf ähnliche Weise gelang – zeigt Werder Bremen nun erneut, dass auch zähe Partien erfolgreich bestritten werden können. „Heute ging es darum, zu sehen, ob wir als Mannschaft auch in solchen Spielen bestehen können“, wiederholte Marco Friedl den Tenor seines Trainers. Ole Werner hob dabei die erneut stabile Defensivleistung als Schlüsselfaktor hervor: „Was entscheidend war, um das Spiel zu gewinnen, war, dass wir in einer wirklich schwachen ersten Halbzeit dem Gegner nur sehr wenige Torchancen gestattet haben.“ Viermal blieb Werder in den vergangenen sechs Spielen ohne Gegentor – ein Wert, der unter anderem dafür sorgt, dass die Mannschaft aktuell die formstärkste der Liga ist und die Träume von Europa im Umfeld nicht wirklich kleiner werden.
Im Verein selbst gibt man sich dahingehend weiter zurückhaltend. Trotz nur noch zwei Punkten Rückstand auf einen internationalen Platz und vier Zählern auf die Champions-League-Ränge will man sich am Osterdeich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Der Tenor bleibt: Die anderen dürfen darüber sprechen – wir arbeiten weiter an uns. Ein leichtes Signal sendete immerhin Marco Friedl: „Wenn wir am letzten Spieltag noch die Chance haben, werden wir nicht mehr sagen, dass wir das Wort Europa nicht in den Mund nehmen.“ Gleichzeitig betonte der Abwehrchef des SV Werder Bremen: „Wir fahren gut damit, wenn wir uns jetzt auf das nächste Spiel konzentrieren.“ Auch Romano Schmid wollte die Euphorie im Umfeld nicht bremsen, stellte aber klar: „Wir stehen auf dem Platz, um zu gewinnen. Und wenn wir unseren Job weiterhin so machen, können wir dort oben ein Wörtchen mitreden – ohne es aber an die große Glocke zu hängen.“
Werder Bremens Marco Friedl mit Blick auf den Saisonendspurt: „Wir haben jetzt vier Endspiele“
Mit dem Sieg gegen den VfL Bochum ist man diesem Ziel ein großes Stück nähergekommen. Denn die Partie hat gezeigt: Dieser SV Werder Bremen ist im Frühling 2025 nur schwer zu schlagen. Das Selbstvertrauen innerhalb des Teams ist längst gewachsen, die Pflicht (Klassenerhalt, 40-Punkte-Marke) mit Bravour erfüllt – und nun geht es um die Kür: den ersten Einzug ins internationale Geschäft seit 15 Jahren. „Wir haben jetzt vier Endspiele“, blickte Marco Friedl mit Vorfreude auf den Saisonendspurt. Sachlicher blieb – wie gewohnt – sein Trainer. „Wir können die kommenden Aufgaben mit Selbstvertrauen und Freude angehen. Aber wir wissen auch: Du gewinnst das nächste Spiel nicht, nur weil du das letzte gewonnen hast“, so Ole Werner. Und Werders Chefcoach fügte hinzu: „Das Spiel gibt uns genug Anlass zu erkennen, dass wir in acht Tagen eine Leistungssteigerung brauchen, um wieder in der Lage zu sein zu gewinnen.“ Dass Werder inzwischen auf verschiedene Arten Spiele gewinnen kann – im Notfall auch mit viel Kampf und wenig Glanz – dürfte spätestens nach dem Bochum-Spiel jedem klar geworden sein. (bvo)
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