Werder vor entscheidenden Wochen

„Wir dürfen nicht die Ruhe verlieren“: Werder wappnet sich für den kniffligen Endspurt – vier Wochen, vier Fragen

Am Mittwoch starteten die Werder-Profis in eine neue Trainingswoche, die Stimmung während der nachmittäglichen Einheit war mitunter durchaus gereizt.
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Am Mittwoch starteten die Werder-Profis in eine neue Trainingswoche, die Stimmung während der nachmittäglichen Einheit war mitunter durchaus gereizt.

Der SV Werder Bremen hat fünf Spieltage vor dem Saisonende nur noch fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Wie sich die Grün-Weißen für den kniffligen Endspurt im Abstiegskampf wappnen. Hier sind vier Fragen zu den vier kommenden Wochen, in denen sich alles entscheidet.

Bremen – Die jüngere Vergangenheit war nichts für Fußball-Feinschmecker. Zumindest dann nicht, wenn man es mit dem SV Werder Bremen hält. Auch Stürmer Marvin Ducksch bemängelte als Gast des Podcasts „kicker meets DAZN“: „Wir haben in jedem Spiel unterschiedliche Dinge vermissen lassen – es hat immer irgendwas gefehlt.“ Das hat dazu geführt, dass die tabellarische Lage wieder deutlich bedrohlicher geworden ist – unschöne Erinnerungen an die Abstiegssaison 2021 werden wach, als Werder im Endspurt so richtig abschmierte. Aus Angst vor einer Wiederholung blicken viele Anhänger vor dem Heimspiel gegen den formstarken VfB Stuttgart (Sonntag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) sorgenvoll auf die kommenden Partien. Auch Trainer Ole Werner betonte: „Wenn du fünf Spieltage vor Schluss nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hast, dann geht es natürlich nur darum, die Punkte zu holen, die du brauchst, um in der Liga zu bleiben.“ Bis zum 18. Mai haben die Bremer noch Zeit, das zu tun. Hier sind vier Fragen zu vier Wochen, in denen sich alles entscheidet.

Werder Bremens Marvin Ducksch: „Wir sind immer noch in einer guten Ausgangslage“

Wie bedrohlich sind die Parallelen zum Abstiegsjahr 2021? Bei Werder Bremen bemühen sie sich sehr darum, nicht zu sehr auf die Vergangenheit zu schauen. Erst kürzlich hatte Kapitän Marco Friedl betont, dass man die Abstiegssaison vor drei Jahren nicht mit der aktuellen Situation vergleichen könne, „weil wir damals Sachen umgestellt haben und Dinge probiert haben. Das machen wir jetzt nicht, sondern wir kennen unsere klaren Abläufe.“ An Punkten mangelt es heute dennoch so wie damals, nachdem die sichere Ligazugehörigkeit bereits eingetütet schien. Werder war 2021 nach 24 Spieltagen elf Punkte vor der Abstiegszone – und gewann fortan kein einziges Spiel mehr. Dieses Mal waren es zum identischen Zeitpunkt sogar 13 Zähler, auf Siege wird seither aber ebenfalls vergeblich gewartet.

Und noch ein Vergleich: Seinerzeit brachten es die Bremer nach 29 Spieltagen als Tabellen-13. auf 30 Zähler bei vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der direkte Abstieg war sieben Zähler entfernt. Das Restprogramm klang mit Mainz, Union Berlin, Leverkusen, Augsburg und Mönchengladbach ähnlich herausfordernd, aber nicht unlösbar wie in der Gegenwart. Mehr als ein Remis gegen Bayer (0:0) sprang aber nicht mehr heraus. Derzeit bringen es die Grün-Weißen als Zwölfter auf 31 Punkte und stehen somit minimal besser da. Das Polster zur Relegation ist fünf Punkte dick, auf die noch größere Gefahrenzone sind es neun Zähler. Neben dem VfB Stuttgart muss Werder Bremen erneut gegen Augsburg und Gladbach sowie Leipzig und Bochum ran. Marvin Ducksch beschwichtigt: „Wir sind immer noch in einer guten Ausgangslage. Jedem ist bewusst, dass die Situation vor zwei Monaten anders aussah – die Sinne sind geschärft. Trotzdem müssen wir weitermachen und dürfen die Ruhe nicht verlieren. Wir haben alles in der eigenen Hand und das müssen wir nutzen.“

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Was macht Mut? Werder Bremen kann wieder auf Marco Friedl und Anthony Jung zurückgreifen

Ist der Tabellendritte VfB Stuttgart überhaupt schlagbar? Natürlich ist er das – aber es ist aktuell brutal schwierig. Die Schwaben haben überhaupt erst sechs Ligapartien verloren, das bis dato letzte Mal ist auch schon eine Weile her. So gab es am 20. Januar ein 0:1 gegen Bochum, eine Woche zuvor unterlag man Mönchengladbach mit 1:3. Beides Teams, denen es tabellarisch auch nicht viel besser geht als Werder (Gladbach ist punktgleich Elfter, Bochum mit 27 Zählern 15.). Darüber hinaus ließ der VfB Stuttgart in den Vormonaten zwei Unentschieden gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte zu – neben einem 3:3 gegen Heidenheim kamen sie auch gegen Köln nicht über ein 1:1 hinaus. Vielleicht eine Chance für Werder Bremen.
 
Was macht Mut? Spielerisch hakt es gewaltig, seit einigen Wochen erklären alle Beteiligten unisono, wie schwierig es der Mannschaft fällt, im letzten Drittel gefährlich zu werden. Echte Torgefahr strahlt Werder Bremen aktuell viel zu selten aus, das frustriert Zuschauer und Spieler gleichermaßen. Das war auch am Mittwoch im Training zu sehen, wo die Stimmung mitunter gereizt nach Fehlern der Nebenleute war. Positiv formuliert ist der Ehrgeiz riesig und niemand will verlieren – nicht einmal ein Trainingsspiel. Doch das Gemurre zeigt auch, wie groß die Unzufriedenheit intern ist. Da tut es gut, dass in Marco Friedl und Anthony Jung zwei wichtige Verteidiger ihre Sperren abgesessen haben und wieder in die Startelf zurückkehren. Seit Monaten schon ist die Personallage aufgrund diverser Verletzungen angespannt – auch das gehört zur Wahrheit der jüngsten Punkteflaute. „Wenn du jede Woche drei, vier Ausfälle hast und rotieren musst, tut das der Mannschaft weh“, sagt auch Marvin Ducksch. „Wir haben immer betont, dass wir jeden Spieler brauchen und die Jungs, die reingekommen sind, haben ihre Chance auch genutzt – trotzdem hat ein kleines Stück gefehlt.“

Die Profis des SV Werder Bremen müssen jetzt beweisen, dass sie all diese Widerstände überwinden können

Welche Baustellen gibt es noch? Apropos Zusammenhalt. In dieser Hinsicht hakt es gleich auf mehreren Ebenen. Naby Keitas Streik hat für viel Unruhe gesorgt und nicht nur ihm, sondern der ganzen Mannschaft geschadet. Derweil wünscht sich Marvin Ducksch eine größere Wertschätzung seitens der Fans und somit auch, dass wirklich gemeinsam an einem Strang gezogen wird. Die Sehnsucht nach Geschlossenheit ist berechtigt, nur sollte sie auch auf dem Platz vorgelebt werden, was zuletzt nicht immer der Fall war. Überhaupt soll es hinter den Kulissen atmosphärische Störungen geben – siehe die Gereiztheit im Training. Und dann sind da noch die angekündigten Transfers von Nick Woltemade oder Eren Dinkci, die einen geräuschlosen Alltag am Osterdeich erschweren. Die Profis des SV Werder Bremen müssen jetzt beweisen, dass sie all diese Widerstände überwinden können. Nur das sorgt für Vertrauen – in vielen Bereichen. (mbü)

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