Das Rennen ist eröffnet

Werders Dauerkarten-Warteliste zieht Fans im Eiltempo an – doch es gibt weiter Frust wegen neuer Ticket-Regelungen

Beim SV Werder Bremen ist die Warteliste für Dauerkarten-Bewerber geöffnet, Tausende Fans hoffen auf ein Saisonticket. Doch es gibt einige Kritik an den neuen Ticket-Regelungen.

Bremen – Es ist der letzte Hoffnungsschimmer. Wie in jedem Sommer. Seit Donnerstagmorgen um 10 Uhr ist sie wieder geöffnet, die Warteliste für alle Fans des SV Werder Bremen, die endlich einmal eine Dauerkarte ihr Eigen nennen möchten. Bereits zwei Stunden später, so teilte es der Verein auf Nachfrage der DeichStube mit, hatten schon mehrere Tausend Menschen ihren Namen im entsprechenden Online-Portal hinterlassen. Exakt zwei Wochen lang, bis zum 10. Juli, können alle weiteren Interessierten diesem Beispiel folgen, die finale Zahl dürfte am Ende erneut im fünfstelligen Bereich liegen. Danach wird eine Verlosung darüber entscheiden, wer die begehrten Karten tatsächlich erhalten wird.

Tausende Fans des SV Werder Bremen hoffen darauf, eine Dauerkarte zu ergattern. Dieses Jahr sind die Chancen etwas größer als sonst.

Werder Bremen ändert Vergabe-Regeln für Dauerkarten: Nur Mitglieder dürfen sich bewerben

Immerhin: Dadurch, dass Werder Bremen kürzlich mehr als 500 Fans das Saisonticket entzog, weil diese zuvor nicht häufig genug bei Heimspielen aufgetaucht waren, sind die Chancen etwas höher als in den Vorjahren. Aber: Erstmals dürfen sich ausschließlich Mitglieder bewerben, bis zu zwei Karten können angefragt werden. Gibt es den Zuschlag, müssen auch die Daten der zweiten Person an den Club übermittelt werden – und diese muss ebenfalls Mitglied bei den Grün-Weißen werden oder bereits sein. Alles Bedingungen, die Teil des großen Werder-Kampfes gegen den Schwarzmarkthandel sind. Ein Kampf, der vielerorts gut ankommt, aber teilweise auch für Frust bei jahrelangen Stadionbesuchern sorgt.

So hat sich etwa ein weiblicher Fan aus dem Süden Niedersachsens an die DeichStube-Redaktion gewandt, weil um den Verlust der eigenen, seit 20 Jahren existierenden Dauerkarte gefürchtet wird. Ihren Namen möchte die Frau zwar lieber nicht in den Medien lesen, aber ihrem Ärger macht sie gerne öffentlich Luft. „Warum kann Werder nicht einfach das bisherige Modell beibehalten? Warum setzt man uns solch einem Druck aus?“, fragt die Mutter eines Sohnes klagend. Sie könne schlichtweg aus privaten Gründen nicht garantieren, Werders neue Vorgaben auch tatsächlich zu erfüllen.

Fans von Werder Bremen wegen Dauerkarten-Änderungen frustriert: SVW setzt auf Kommunikation

17 Heimspiele beinhaltet die Dauerkarte bekanntlich, zwei Partien dürfen nach Angaben der Bremer verpasst werden. Bleiben noch 15, bei denen es in fünf Fällen aber erlaubt ist, das Eintrittsrecht über die Ticketbörse an andere Fans zu veräußern. So gibt es unter dem Strich noch zehn Duelle, in denen selbst die Arena aufgesucht werden muss – oder dies Freunde beziehungsweise Verwandte aus dem privaten Umfeld machen können. „Wir halten es für zumutbar, dass man am Ende der Saison bei zehn Spielen landet, die man selbst besucht hat oder die mithilfe von Freunden beziehungsweise Angehörigen besuchbar sind“, teilt Werder Bremen auf Nachfrage mit. „Es handelt sich schließlich um eine Dauerkarte, deren Konzept auf den Besuch mehrerer Spiele ausgelegt ist.“

Die unzufriedene Leserin wünscht sich dennoch mehr Flexibilität beim Verkauf. „Ich habe meinen Ost-Stehplatz immer sofort über Werders Ticketbörse angeboten, weil ich einfach nicht immer selbst Ersatz auftreiben kann“, sagt sie. „So kamen stets andere Fans in das Vergnügen, bei Werder live dabei zu sein. Ich habe also nie etwas blockiert. Mein Platz kann dann gern jemand anderes nutzen, aber es ist eben meine Karte – und die möchte ich behalten.“ Aus gutem Grund: „Ich wollte die Dauerkarte meinem Sohn zum 18. Geburtstag überschreiben. Aber das sind noch 13 Jahre, und ich weiß nicht, ob das jetzt noch klappt.“ Einem Ehepaar aus Wolfsburg, das ebenfalls mit den neuen Bedingungen hadert, ergeht es bei der Organisation ganz ähnlich: Aufgrund der Arbeit in einem systemrelevanten Beruf sowie mit Blick auf etwaige krankheitsbedingte Ausfälle oder private Termine kann nicht sichergestellt werden, dass ein konstanter Besuch in Bremen möglich ist. Werder setzt in solchen Fällen auf den Faktor Kommunikation. „Natürlich gibt es immer wieder Einzelfälle, bei denen Fans Probleme haben, die Vorgaben zu erfüllen. Mit ihnen befinden wir uns aber im Austausch“, heißt es von Vereinsseite.

Werder Bremen über Dauerkarten-Vergabe: Keine Welle an Beschwerden, aber „viel Lob“

In der Bundesliga ist das Handeln des SVW übrigens kein Einzelfall. So kündigte der 1. FC Köln zuletzt 150 Dauerkarten-Inhabern, die zu selten im Rhein-Energie-Stadion erschienen waren. Auch dort wurde postalisch mitgeteilt, dass jede Karte bei mindestens zwölf Heimspielen verwendet werden müsse – andernfalls könne eine Verlängerung im nächsten Jahr nicht mehr realisiert werden. Insgesamt 25.500 Saisontickets bieten die Kölner an und bewegen sich damit auf einem ähnlichen Level wie Werder Bremen (27.000), allerdings verfügt der Effzeh auch über 150.000 Mitglieder. Folglich ist der potenzielle Kreis der Bewerber noch einmal größer.

Aber zurück nach Bremen. Trotz der mitunter auftauchenden Beschwerden wegen der eingeführten Personalisierungspflicht wird bei Werder Bremen zufrieden auf die überarbeiteten Regularien geblickt, denn insgesamt seien die Veränderungen auf fruchtbaren Boden gestoßen. „Es gibt einzelne Fans, die sich bei uns gemeldet und ihre Kritik geäußert haben. Eine Beschwerdewelle konnten wir aber nicht feststellen“, teilen die Grün-Weißen mit. „Stattdessen gab es auch viel Lob für die Maßnahmen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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