DeichStube-EM-Tagebuch
Schlusspunkt mit Knalleffekt – No Füllkrug, no Party: Sieben Tage, drei Spiele, ein Reporter – Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 8
Bremen - Die Europameisterschaft läuft, eine Woche lang ist auch Werder-Bremen-Reporter Malte Bürger für die DeichStube mittendrin im Geschehen. In seinem EM-Tagebuch gewährt er spannende Einblicke hinter die Kulissen, schildert seine Erlebnisse aus den Stadien und drumherum. Heute: Teil 8.
Das ist ja gerade noch mal gutgegangen. Sowohl für die deutsche Nationalmannschaft und deren Fans als auch für den schreibenden Kollegen auf der Pressetribüne. Der hatte sich seinen EM-Reiseplan nach den vorherigen Siegen der Nagelsmann-Elf nämlich schon genauestens zurechtgelegt, unerwünschte Umstrukturierungen passten ihm da nicht mehr wirklich in den Kram. Die Schulferien haben schließlich in Niedersachsen begonnen, da sollte die sommerliche Tour de Fußball möglichst gewinnbringend mit den Interessen der Familie kombiniert werden. Doch genau dieses Vorhaben hing am Sonntag am seidenen Faden, mit einer Niederlage der DFB-Auswahl gegen die Schweiz wäre es zwar auch im Achtelfinale weitergegangen – allerdings in anderen Austragungsorten als jetzt. Der späte Ausgleichstreffer von Ex-Werder-Bremen-Profi Niclas Füllkrug ließ also gleich in mehrfacher Hinsicht Steine der Erleichterung vom Herzen purzeln.
Zum Nachlesen: Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 7: Auf der Suche nach dem großen Klick!
Werder Bremen-Reporter im DeichStube-EM-Tagebuch: Die nervige Jagd nach dem großen Klick
Überhaupt Niclas Füllkrug. Als der ehemalige Stürmer des SV Werder Bremen einköpfte, explodierten die Gefühle im Deutsche Bank Park. Es war der Moment, auf den alle sehnsüchtig gewartet hatten. Während der 90 Minuten zuvor war die Stimmung zwar auch schon nicht schlecht, doch nach meinen drei Partien innerhalb der vergangenen sieben Tage lässt sich festhalten, dass die Anhänger anderer Nationen noch einmal wesentlich lauter und ekstatischer daherkommen. Das mag einerseits daran liegen, dass deutsche Zuschauer – so mein Eindruck – ein wenig operettenhaft eine gewisse Vorleistung auf der großen Fußball-Bühne brauchen, um anschließend komplett aus dem Sattel zu gehen. Andererseits ist der Gesangskatalog auch sehr übersichtlich. Ein bisschen „Deutschlaaand, Deutschlaaand“, „Oh, wie ist das schön“ und „Super Deutschland olé“, das war es in der Regel auch schon. Allein die Schotten haben offenbar für jeden aktuellen und früheren Akteur eine passende Melodie parat, mit der sie durchgängig die Straßen und Tribünen beschallen. Oder die Bahnhöfe, wenn sich nachts weit nach gleichzeitig stattfindenden Spielen die Wege beim Umsteigen doch noch einmal kreuzen. Von Bier geschwängerte Tänze inklusive. Erlebnisse, die man so schnell nicht vergisst. Und genau darauf kommt es doch an.
Umso trauriger, dass meine EM-Woche voller spannender Begegnungen, intensiver Einblicke und sehr wenig Schlaf nun schon vorbei ist. Soll es das tatsächlich schon gewesen sein? Abwarten. Am Montag hat die Uefa in ihrem jetzt schon legendären Media-Portal die ersten Partien der K.o.-Phase freigeschaltet, Journalisten können sich ab sofort auf weitere Stadionbesuche bewerben. Keine Frage: Da schiele auch ich auf eine Europameisterschafts-Zugabe. Weil dieses Turnier Appetit auf mehr macht. Auf sehr viel mehr. Auch oder gerade wegen solcher Knalleffekte wie von Niclas Füllkrug. Oder wie es der frühere Profi des SV Werder Bremen hinterher selbst perfekt zusammenfasste: „Es war nicht nur persönlich ein besonderer Moment, sondern auch ein ganz wichtiger für uns als Mannschaft und für das Land. Diesen Moment zu haben, dass wir mit der ganzen Bank an der Eckfahne gefeiert haben, war toll, weil das Erinnerungen schafft.“ Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben. Danke dafür… (mbü)