Krimi gegen Darmstadt

Last-Minute-Treffer lässt die Werder-Kasse klingeln - sowie Fans und Spieler vom DFB-Pokal-Finale in Berlin träumen

Jubel und Erleichterung bei Werder Bremen nach dem Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Darmstadt 98.
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Jubel und Erleichterung bei Werder Bremen nach dem Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Darmstadt 98.

Der SV Werder Bremen profitiert vom Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale auch finanziell stark. Die Grün-Weißen wollen aber noch mehr und träumen von Berlin!

Bremen – Auch Niklas Stark waren die Gesänge nicht entgangen. Sie waren ja auch nicht zu überhören gewesen. Als sich der SV Werder Bremen im quasi allerletzten Moment der regulären Spielzeit ins Viertelfinale des DFB-Pokals befördert hatte, schickten die Fans den Evergreen „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“ durchs Weserstadion. Stark kennt die Hauptstadt bestens, war jahrelang Profi bei Hertha BSC. Folglich besäße eine Rückkehr ins ehrwürdige Olympiastadion eine ganz besondere Note für ihn – könnte man meinen. „Es ist mir eigentlich relativ egal, wo ein Pokalfinale stattfindet. Da will man einfach hin“, betonte der Innenverteidiger. „Ob es dann in Berlin oder sonst wo ist, ist mir wurscht, solange man mal ein Finale spielt.“ 2010 war Werder letztmals Teil des großen Saison-Abschlussspektakels, der Traum vom Ende der Abstinenz lebt nach dem zähen Ringen gegen Zweitligist SV Darmstadt 98 weiter.

Werder Bremen wünscht sich im DFB-Pokal-Viertelfinale wieder ein Heimspiel

„Das wäre super, für den ganzen Club und die Fans. Das würde ich gerne mal mitnehmen“, sagte Mittelfeldspieler Senne Lynen. „Ich hoffe, dass wir im Pokal noch nicht fertig sind und dieses Jahr nach Berlin fahren“, meinte Torhüter Michael Zetterer forsch. Niklas Stark ging die Sache etwas defensiver an: „Wir müssen erstmal die Auslosung abwarten, spielen aber hoffentlich wieder daheim. Wir schauen nur von Spiel zu Spiel.“ Ähnlich handhabt es Werder Bremens Trainer Ole Werner. „Ich freue mich sehr, dass wir im Pokal überwintern. Jetzt warten wir mal die Auslosung ab, aber im Pokal trittst du immer an, um möglichst jedes Spiel zu gewinnen – da sind wir keine Ausnahme“, erklärte der 36-Jährige. „Deshalb kann man immer träumen als Fan. Wir konzentrieren uns aber auf unsere Arbeit. Die heißt jetzt erstmal VfL Bochum, da geht alle Energie rein.“

Am kommenden Samstag ist Werder Bremen im Ruhrgebiet zu Gast (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker), auf dem Papier ist es eine mehr als lösbare Aufgabe. Schließlich hat der kriselnde VfL als Tabellenletzter erst zwei Pünktchen auf der Habenseite. Doch wie es mit einer klaren Rollenverteilung eben so ist: Sie kann sehr schnell trügen. Das haben die Werder-Profis erst am Dienstagabend erlebt. Als Favorit starteten sie zwar gut ins Duell mit den Darmstädtern, bekamen dann gegen einen tief und diszipliniert verteidigenden Gegner aber auch einige Probleme. Mal fehlte das Tempo, dann schlichen sich Fehler ein und vor dem Tor mangelte es einmal mehr an der nötigen Durchschlagskraft. „Was wir gut gemacht haben, ist, dass wir nicht allzu viel in der Gegenbewegung, keine Konter zugelassen haben“, sagte Ole Werner. „Ich glaube auch, dass wir eine vernünftige Aufteilung hatten bis zum Strafraum. Wir haben aber lange nach einer Möglichkeit gesucht, um zu klaren Abschlüssen zu kommen. Damit haben wir uns schwergetan.“

Werder Bremen kassiert für Einzug isn DFB-Pokal-Viertelfinale fast zwei Millionen Euro

Umso bezeichnender war es, dass am Ende eine Standardsituation die Erlösung bringen musste. Marvin Ducksch hatte sich den Ball in der vierten Minute der Nachspielzeit zurechtgelegt, anschließend unangenehm ins Strafraumzentrum befördert, wo Anthony Jung punktegenau einlief, um zu vollenden. 1:0. Fertig war der umjubelte Sieg. „Unverdient ist es mit Sicherheit nicht, ein schweres Stück Arbeit war es trotzdem“, meinte Werder Bremens Coach, während Niklas Stark mit einem großen Augenzwinkern vom guten Näschen des Torschützen schwärmte: „Der hat den Riechkolben und riecht genau, wo der hinfällt. Aber du musst ihn auch erstmal machen, das ist nicht einfach bei dem Wetter, es ist alles glitschig. Aber er macht das überragend.“ Stark war auch deshalb so glücklich, weil bei ihm selbst kurz zuvor die Muskulatur krampfte, eine Verlängerung eine ziemliche Tortur für ihn hätte werden können. „Ich bin wirklich erleichtert und Tony sehr dankbar“, meinte der gebürtige Franke grinsend.

Es war ein Treffer, der es auch auf Werder Bremens Konto klingeln ließ. Knapp 1,7 Millionen Euro nimmt der Club durch die Teilnahme am DFB-Pokal-Viertelfinale im Februar ein, für das Erreichen der jetzigen Runde hatte es bereits rund 840.000 Euro gegeben. Alles Summen, die ursprünglich nicht eingeplant waren, im Etat des Clubs war lediglich der Einzug in die zweite Runde berücksichtigt worden. Bevor diese Ausbeute sowohl sportlich als auch finanziell noch weiter erhöht werden kann, geht es erst einmal zurück in den Ligaalltag. Auch da sind in den kommenden drei Partien bis zur Winterpause gegen Bochum, St. Pauli (Samstag, 18.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) und Union Berlin (Samstag, 21. Dezember, 15.30 Uhr) wichtige Weichenstellungen möglich. Ob der Erfolg gegen Darmstadt als zusätzlicher Impulsgeber taugt? „Das wird man sehen“, antwortete Niklas Stark betont gelassen. „Es ist natürlich ein schönes Gefühl, mit der Mannschaft im Pokal eine Runde weiter zu sein. Spielerisch war es aber eine komplett andere Partie als zuletzt in der Bundesliga.“ Womöglich jedoch eine mit Lerneffekt. „Es wird uns spielerisch auf eine gewisse Weise weiterbringen“, ist sich Stark sicher, „weil es etwas Neues war, was wir lernen mussten.“ (mbü)

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