Miteinander am Millerntor

Werder tritt als Einheit auf und punktet verlässlich - das E-Wort steht trotzdem auf dem Index

Die Stimmung beim SV Werder Bremen nach dem 2:0-Sieg auf St. Pauli war bestens. Von Europa will bei den Grün-Weißen aber noch niemand sprechen.
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Die Stimmung beim SV Werder Bremen nach dem 2:0-Sieg auf St. Pauli war bestens. Von Europa will bei den Grün-Weißen aber noch niemand sprechen.

Der SV Werder Bremen hat sich mit dem 2:0-Auswärtssieg beim FC St. Pauli an das obere Tabellendrittel vorgearbeitet. Von Europa will bei den Grün-Weißen aber noch niemand sprechen.

Hamburg – Den vielleicht schönsten Beleg dafür, dass die Stimmung beim SV Werder Bremen so kurz vor dem Weihnachtsfest besser kaum sein könnte, lieferten am Samstagabend zwei Spieler, die während des 2:0-Erfolgs beim FC St. Pauli nur Nebenrollen innegehabt hatten, höchstens. Ersatzkeeper Mio Backhaus hatte einmal mehr 90 Minuten lang auf der Bank gesessen, und Skelly Alvero war es auch nicht viel besser ergangen: Erst eine Minute vor dem Abpfiff wurde der Franzose eingewechselt. Nach dem Spiel spazierten Backhaus und Alvero dann Seite an Seite durch die Katakomben in Richtung Kabine, bester Laune und eine unbekannte Melodie pfeifend. Bremer Miteinander am Millerntor – dieses Motiv hatte sich durch den gesamten Abend in Hamburg gezogen und dafür gesorgt, dass die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner auch ohne fußballerischen Glanz Erfolg hatte. Einmal mehr.

Beste Stimmung beim SV Werder Bremen - aber von Europa mag noch keiner öffentlich sprechen

„Ich glaube, das ist Entwicklung, auch, was das Verständnis untereinander betrifft. Die taktischen Abläufe sind bei uns sehr klar, denn wir haben viele Spieler, die schon lange zusammenspielen“, sagte Ole Werner, als er nach den Gründen für Werders Positivlauf gefragt wurde. Mitte Dezember hat der die Mannschaft ans obere Tabellendrittel herangeführt – was rund um Werder Bremen plötzlich das ominöse E-Wort ins Spiel bringt.  

Vorweg: In den Mund genommen hat es am Samstagabend kein Bremer Protagonist. Kein Spieler, nicht der Trainer, und auch Sportchef Clemens Fritz vermied es, den Begriff „Europa“ in seine Aussagen – auf welche Weise auch immer – einzuflechten. „Wir wollen nichts schlechtreden oder die Euphorie bremsen“, sagte der Ex-Profi im Gespräch mit den Journalisten, „aber wir wissen doch auch, dass es ganz schnell wieder anders kommen kann und wir hier dann über ganz andere Dinge sprechen“. Lieber akribisch weiterarbeiten und Spiel für Spiel die Saison abtragen – das ist der Weg, den sich Werder Bremen, zumindest im öffentlichen Sprech, verordnet hat. Was einerseits natürlich nachzuvollziehen ist, weil man an einmal formulierten Ansprüchen im Profifußball nun mal Woche für Woche gemessen wird. Andererseits ist die nach außen versicherte Nicht-Beschäftigung mit den Möglichkeiten, die die laufende Spielzeit inzwischen offenbart, nur wenig glaubwürdig. Zumal die Mannschaft ihre Ansprüche auch ohne das Wort „Europa“ durchaus formuliert.

„Wir sehen es ja auch an der Tabelle. Es ist extrem eng im Mittelfeld, denn es gibt unfassbar viele Vereine, die um diese Plätze kämpfen“, sagte Kapitän Marco Friedl – und betonte: „Natürlich wollen wir da mitkämpfen. Mit solchen Leistungen, die wir aktuell zeigen, verdienen wir es uns, dass von außen über das Thema geredet wird.“ Solche Leistungen – zuletzt zeichneten sich Werders Auftritte vor allem durch defensive Stabilität und die Kompetenz aus, vorne irgendwie immer mindestens ein Tor zu machen. Bereits seit drei Pflichtspielen am Stück hat die Mannschaft kein Gegentor mehr kassiert, dem 1:0 gegen Darmstadt im Pokal und dem 1:0 in Bochum folgte nun das verdiente 2:0 bei Aufsteiger St. Pauli. „Wir können inzwischen auf Situationen schneller und besser reagieren“, sagte Friedl, der sein Team als „mit Ball viel variabler“ wahrnimmt. Woraus das Gefühl von Kontrolle und daraus wiederum Sicherheit entsteht. Für Ole Werner kommt hinzu, dass „wir in Sachen Kommunikation an uns gearbeitet haben“. An so Abenden wie am Millerntor komme all das der Mannschaft zugute. „Es sind Emotionen im Spiel, es gibt Spielunterbrechungen, also 1.000 Dinge, von denen du dich von deinem Weg abbringen lassen könntest“, sagte der Trainer – und hielt fest: „Das passiert uns in den letzten Wochen seltener.“ Zum Selbstläufer wird dadurch allerdings nichts.

Jahres-Abschluss gegen Union Berlin: Bei Werder Bremen können 25 Punkte unterm Weihnachtsbaum liegen

„Für uns sind fast alle Spiele eng“, betonte Werner, der weiß, dass seine Mannschaft ihre Qualitäten von Woche zu Woche wieder neu unter Beweis stellen muss, um Erfolg zu haben – und zwar zu 100, nicht bloß zu 98 Prozent. Im Moment gelingt das, weil neben der kompakten Defensive auch der Angriff effizient zu Werke geht. Viel mehr Chancen, als jene, die Derrick Köhn (24.) und Marvin Ducksch (54.) gegen St. Pauli zu Toren nutzten, hatte der SV Werder Bremen am Millerntor nicht gehabt. Am Ende reichte das völlig aus.

Einmal wird es für den SV Werder Bremen vor dem Jahreswechsel nun noch ernst, wenn der 1. FC Union Berlin am Samstagnachmittag (15.30 Uhr im Liveticker der DeichStube) ins Weserstadion kommt. Bestenfalls 25 Punkte könnte die Ausbeute betragen, mit der die Bremer nach dem 15. Spieltag überwintern. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 15 Zähler gewesen. „Drei Punkte nächste Woche vor Weihnachten, das ist der Anspruch, den wir haben“, betonte Sportchef Fritz. „Das wäre ein toller Abschluss!“ Und nach dem Spiel dann sicher auch wieder ein gepfiffenes Liedchen wert. (dco)

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