Zu harmlos in der Zielzone
Ducksch oder Schmid? Ecken-Rätsel bei Werder - doch für Werner ist der Schütze zweitrangig
Werder Bremen ist bei Eckbällen zu harmlos. Für Trainer Ole Werner ist der Eckenschütze dabei zweitrangig. Das Problem liegt woanders.
Bremen – Romano Schmid hat in den vergangenen Tagen gezeigt, wie es geht. Während der Länderspielphase war der Offensivspieler des SV Werder Bremen bekanntlich mit der österreichischen Nationalmannschaft unterwegs und überzeugte in den beiden Partien gegen Kasachstan (4:0) und Norwegen (5:1) als präziser Eckenschütze. Zwei Tore bereitete Schmid so nach ruhenden Bällen vor und empfahl sich damit auch bei Werder für diese Disziplin – dort, wo bislang fast ausnahmslos Marvin Ducksch zur Tat schreitet, wenn Standards anstehen. Aber ist eine Abkehr von der bisherigen Rangordnung wirklich nötig? Zur Beantwortung dieser Frage betreibt Cheftrainer Ole Werner echte Detailarbeit und bedient sich dabei auch gern der DeichStube.
Tor-Gefahr durch Ecken bei Werder Bremen? Trainer Ole Werner lobt DeichStube-Daten-Analyse
„Ich muss euch loben. Ihr habt unter der Woche einen sehr guten Artikel gebracht, in dem mal statistische Dinge aufgearbeitet wurden und auch über das Thema Eckbälle gesprochen wurde“, erklärt der 36-Jährige und verweist damit auf eine Analyse der Datenexperten von Createfootball, die im Auftrag der DeichStube Werders Saisonstart genauestens unter die Lupe genommen hatten. Und dort hieß es im Vorfeld des Auswärtsspiels gegen den VfL Wolfsburg (Sonntag, 17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) unter anderem: „Bei eigenen Standards zeigen sich die Hanseaten deutlich torgefährlicher als in der Vorsaison, ein Wert von 3,2 xG nach Ecken bedeuten den Ligabestwert.“ Der Haken an der Sache: Aus dieser Topquote bei den sogenannten „Expected Goals“, also der Qualität einer sich ergebenen Chance in Kombination mit der Wahrscheinlichkeit eines Treffers, macht der SV Werder Bremen zu wenig.
Ole Werner über Eckbälle von Werder Bremen: „Treffen unsere Zielzonen häufig, haben aber zu wenig Ertrag“
Das sieht auch Ole Werner so. „Wenn man sich dem Thema sachlich nähert, nicht einfach fordert ,Ändere mal was‘ und sich auch eure recherchierten Werte anschaut, sieht man, dass es in dieser Saison ganz unabhängig davon, wer die Ecken gespielt hat, weniger an den Bällen liegt, die wir reinbringen“, betont der Coach des SV Werder Bremen und nennt neben Marvin Ducksch und Romano Schmid auch noch Marco Grüll, Olivier Deman oder Derrick Köhn als gute Standardschützen. Entscheidender sei grundsätzlich die Frage, „wie viele Abnehmer wir im Zentrum haben und wie wir uns dort in Stellung bringen oder durchsetzen“. Da geht es dann nicht mehr „nur“ ums simple Einköpfen einer Flanke, sondern auch um die Unterstützung der Kollegen durch das regelkonforme Blocken der Gegenspieler oder das generelle Verhalten der Mannschaft bei sogenannten zweiten Bällen. „Wir treffen unsere Zielzonen häufig, kommen auch zu gefährlichen Situationen nach Eckbällen im Strafraum, haben aber noch zu wenig Ertrag“, urteilt Werner deshalb. „Wenn ich mir alle Ecken der Saison anschaue, dann war sicherlich auch mal eine dabei, die nicht dort heruntergekommen ist, wo sie hingehört, aber es ist eher ein Thema, wie wir es besser im Zentrum machen können.“ (mbü)