Werder in der Daten-Analyse

Flügel-Stärke, Schmid-Abhängigkeit und Ducksch-Flaute! Wo Werder überzeugt – und wo es noch hapert: Daten-Experten nehmen Bremer Saisonstart unter die Lupe

Vom Elfmeterpunkt hat Marvin Ducksch bereits für Werder Bremen getroffen, aus dem Spiel heraus herrscht bislang Ebbe. Der Stürmer muss laut Daten-Experten früher den Abschluss suchen.
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Vom Elfmeterpunkt hat Marvin Ducksch bereits für Werder Bremen getroffen, aus dem Spiel heraus herrscht bislang Ebbe. Der Stürmer muss laut Daten-Experten früher den Abschluss suchen.

Wie ist der Saisonstart des SV Werder Bremen einzuschätzen? Was läuft gut, was schlecht? Die Experten von Createfootball legen konkrete Ergebnisse vor. Der SVW in der Daten-Analyse.

Bremen – Sechs Spieltage sind in der Fußball-Bundesliga absolviert, die Ausbeute des SV Werder Bremen könnte nicht ausgeglichener sein: Zwei Siege (gegen Mainz und Hoffenheim) stehen zwei Unentschieden (gegen Augsburg und Dortmund) sowie zwei Niederlagen (gegen Bayern und Freiburg) gegenüber. In der Tabelle bedeutet das aktuell Rang elf mit acht Zählern. Vor der nächsten Partie beim VfL Wolfsburg (Sonntag, 17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) blicken die Daten-Experten von Createfootball im Auftrag der DeichStube auf die bisherigen Bremer Auftritte und zeigen auf, wo es noch hapert und was schon gut klappt. Hier ist ihr Urteil.

Allgemeine Lage: Werder Bremen in der Daten-Analyse zum Saison-Start

Der SV Werder Bremen erlebt einen leicht stärkeren Saisonstart als im Vorjahr, auch nach „Expected Points“ liegen die Bremer im Soll (8 Punkte aus 7 xPts). Passend zum Tabellenstand agieren die Grün-Weißen sowohl bei den „Expected Goals“ (xG) als auch den „Expected Goals Against“ solide im Ligamittelfeld, es lässt sich weder eine Über- noch eine Unterperformance konstatieren – anders als im Vorjahr, als die Defensivleistung noch massiv nach oben ausschlug. Läuferisch liegt Werder im ligaweiten Vergleich auf Rang sechs, bei den intensiven Läufen jedoch auf Platz 13 und bei den Sprints sogar nur auf Position 15. In diesen Disziplinen gehörte die Elf von Trainer Ole Werner bereits in der Vorsaison zu den schwächeren Teams, hat sich jedoch leicht steigern können. Auswärts agiert die Mannschaft deutlich mutiger, hat im Schnitt zehn Prozent mehr Ballbesitz und erspielt sich mehr Abschlüsse. In zweiten Halbzeiten stellen die Bremer zudem häufig das bessere Team und verschaffen sich einen steigenden Ballbesitzanteil von durchschnittlich 47 Prozent in Hälfte eins auf 51 Prozent.

Spiel mit Ball: Daten-Analyse zu Werder Bremens Bundesliga-Saisonstart

Stärken: Das Flügelspiel funktioniert bei Werder Bremen wie in den Vorjahren herausragend gut, kein Team der Liga kommt auf mehr angekommene Flanken aus dem Spiel heraus (4,7/90 Minuten), darunter sind auch die meisten erfolgreichen Halbfeldflanken (2,7). Felix Agu weist die höchste Flankengenauigkeit der Bundesliga auf (56 Prozent), sein Pendant Mitchell Weiser spielte in den ersten sechs Partien ligaweit die meisten Pässe hinter die gegnerische Abwehrkette (5). Bremer Konter sind brandgefährlich, Werder erspielte sich so bereits einen Wert von 2,5 xG durch Abschlüsse nach Tempogegenstößen. Im Ligavergleich ist das der zweitbeste Wert. Bei eigenen Standards zeigen sich die Hanseaten deutlich torgefährlicher als in der Vorsaison, ein Wert von 3,2 xG nach Ecken bedeuten den Ligabestwert. In diesem Bereich konnte sich Werder deutlich steigern.

Schwächen: 6,8 Abschlüsse pro 90 Minuten bilden den schwächsten Wert der Liga. Zwar spielt Werder Bremen die drittmeisten Pässe innerhalb des gegnerischen Strafraums (11/90 Min.), kommt allerdings nur zu den drittwenigsten Schüssen aus der goldenen Zone mittig vorm Tor (3/90 Min.). Insbesondere Marvin Ducksch muss früher den Abschluss suchen, macht aktuell zu wenig aus seinen vielen Ballaktionen im Sechzehner (bereits 29, allerdings erst ein Tor und ein Assist). Insgesamt ist Duckschs Ausbeute vor dem Tor mangelhaft. 17 Schüsse pro Treffer sind deutlich zu viel, da muss er präziser werden. Im gesamten Aufbauspiel kreiert Werder nur wenig Torgefahr, kein Team der Liga vollendet weniger Angriffe. Bedingt wird dieses Dilemma durch die zweitwenigsten linienbrechenden Passversuche (10,8/90 Min.) und kaum vorhandene Schlüsselpässe. In der Chancenkreation ist Werder sehr von Romano Schmid abhängig, der die meisten Schlüsselpässe der Liga spielt, die viertmeisten Steckpässe und noch die meisten Flanken in den Strafraum mit gleichzeitig hoher Präzision abgibt (48 Prozent, fünftbester Wert der Liga).

Spiel gegen den Ball: Werder Bremens Verteidigung in der Daten-Analyse von Createfootball

Stärken: Werder hat extrem wenige Chancen durch Standardsituationen zugelassen, es gab nur 1,5 gegnerische Abschlüsse nach Ecken und Freistößen pro 90 Minuten, was Platz 3 bedeutet. Das stellt eine Riesensteigerung im Vergleich zur Vorsaison dar, wo Werder Bremen den höchsten gegnerischen xG-Wert nach Standards hinnehmen musste. In der letzten Defensivlinie verteidigt Werder sehr effizient, kein Team der Liga kommt auf mehr erfolgreiche Tacklings im Eins-gegen-Eins, besonders Anthony Jung weist viele gewonnene Tacklings als letzter Mann auf. Niklas Stark blockt indes ligaweit die meisten Schüsse (1,8/90 Min.).

Schwächen: Werder Bremen geht sehr spät ins Pressing und erlaubt es dem Gegner dadurch, Spielkontrolle zu etablieren. Lag der PPDA-Wert (Pässe pro Defensivaktion) in der Aufstiegssaison noch bei 10,4, wurde die Pressinglinie in den vergangenen Jahren immer weiter nach hinten verschoben, woraus sich 16 PPDA ergeben – der dritthöchste Ligawert. Dazu kommen die drittwenigsten abgefangenen Pässe im Mitteldrittel (2,3/90 Min.). Tipp: Werder sollte deutlich mutiger verteidigen, um die viel zu hohe Anzahl gegnerischer Abschlüsse weiter einzudämmen (aktuell 12,5/90 Min.). Zwar kassierte Werder bislang erst ein Kopfball-Gegentor, mit einer Luftduellquote von nur 45 Prozent in der eigenen Hälfte liegt Werder allerdings auf dem vorletzten Tabellenplatz. Anthony Jung ist der einzige Verteidiger im Kader, der mehr als 50 Prozent seiner Kopfballduelle in der eigenen Hälfte gewonnen hat.

Fazit und Lösungen für Werder Bremen nach Daten-Analyse

In der Laufintensität ist zwar bereits eine Steigerung zu vernehmen, dennoch schneidet Werder in diesem Punkt unterdurchschnittlich ab. Das hängt unmittelbar mit der niedrigen Pressinglinie zusammen, Werder muss vom Anpfiff weg proaktiver verteidigen und den gegnerischen Spielfluss eher stören. Die Chancenkreation über die Außenbahn funktioniert gut, mit Romano Schmids flachen Steckpässen hat das Offensivspiel zudem einen weiteren Trumpf. Dennoch werden Angriffe bisher zu langsam und nicht zwingend genug zu Ende gebracht, obwohl die Anzahl an Ballaktionen im gegnerischen Strafraum sehr positiv ist. Im Übergangsspiel kann Werder Bremen mehr Mut zeigen, gegnerische Linien müssen häufiger überspielt werden. Besonders die zentralen Mittelfeldspieler Senne Lynen und Jens Stage sorgen für zu wenig Raumgewinn im Passspiel, der bislang ausschließlich durch vertikale Bälle von Anthony Jung und Michael Zetterer kreiert wird. (mbü)

*Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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