Werder-Niederlage gegen Freiburg
Nach Heimpleite gegen Freiburg: Werder Bremen und die noch zu langsame Entwicklung für große Sprünge
Der SV Werder Bremen hat das Heimspiel gegen den SC Freiburg knapp verloren. Die 0:1-Pleite offenbarte, dass die Bremer Entwicklung noch zu langsam ist für große Sprünge.
Bremen – Ole Werner hat noch einmal betont, dass er so früh in der Saison nicht so gerne auf die Tabelle schaut. Dieser Blick hätte den Trainer des SV Werder Bremen nach sechs Spieltagen auch sicher ein wenig geschmerzt. Denn mit einem durchaus möglichen Sieg gegen den SC Freiburg wären die Grün-Weißen mit dann elf Zählern in die Euro-Zone gesprungen. Es setzte aber eine 0:1-Heimpleite, die offenbarte: Werders Entwicklung ist noch zu langsam für große Sprünge. Die Bremer bleiben im gesicherten Mittelfeld, was mit diesem Kader grundsätzlich nicht schlecht ist, aber dem zahlenden Publikum im Weserstadion angesichts von drei Heimspielen ohne eigenes Tor (darunter zwei Niederlagen) gerade wenig Spaß bereitet. Auf diesen Vereinsrekord hätte auch das Team gerne verzichtet.
Werder Bremens Marco Friedl: „Viel zu spät haben wir versucht, noch nach vorne zu spielen“
„Wir haben nicht zu unserem Spiel gefunden. Viel zu spät haben wir irgendwie versucht, noch nach vorne zu spielen. Deshalb sind wir selber Schuld, dass wir uns hinten noch eins fangen“, fand Kapitän Marco Friedl deutliche Worte und legte damit den Finger in die Wunde: In der mit 41.200 Zuschauern ausverkauften Arena kam eigentlich nie das Gefühl auf, dass Werder Bremen unbedingt ein Tor erzielen und das Spiel gewinnen wollte. Nach dem desaströsen Start gegen Hoffenheim mit drei Gegentreffern in den ersten zwölf Minuten war den Gastgebern die Defensive wichtiger als die Offensive. Trotzdem hätte Felix Agu dafür sorgen können, dass das Nebelhorn nach 17 Minuten als Bremer Torsignal erstmals in dieser Saison zum Einsatz kommt, doch er verpasste diese Riesenchance. Viel mehr gab es allerdings auch lange Zeit nicht von den Bremern. Der xGoals-Wert, der die Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs beschreibt, lag für Werder Bremen gegen den SC Freiburg bei nur 0,84 – und dürfte vor der wilden Schlussphase mit dem Erzwingen von Strafraumszenen noch niedriger gewesen sein.
„Wir haben generell nicht sauber genug gespielt, um uns klare Torchancen herauszuspielen. Wir waren irgendwie zu langsam im Spielaufbau, sodass wir nicht in die Räume gekommen sind“, meinte Felix Agu - und Ole Werner urteilte: „Beide Mannschaften hätten es in Ballbesitz genauer spielen können. Wir haben es zu selten geschafft, uns auf einer Seite rauszulösen, um dann mal einen Tempowechsel zu haben.“ Die Geschwindigkeit war ein großes Thema. Zwar stand in der Blitzer-Wertung Werders Derrick Köhn mit 35,81 km/h ganz oben, übrigens vor dem Ex-Bremer Eren Dinkci (35,44), aber der SC Freiburg zeigte deutlich mehr Sprints als Werder Bremen (250 zu 212). Sie liefen auch sechs Kilometer mehr und waren in den Zweikämpfen deutlich erfolgreicher (59 Prozent). Da half den Grün-Weißen auch nicht der größere Ballbesitz (58 Prozent). Das Spielgerät wurde einfach zu langsam von A nach B bewegt und zu selten gefährlich zu C nach vorne gespielt.
Werder Bremens Ole Werner: „Es war ein sehr enges Spiel, das in beide Richtungen hätte kippen können“
Dafür fehlte nicht nur das Tempo, sondern auch der Mut. Es war mal wieder eines der typischen Werner-Spiele. Der Coach des SV Werder Bremen wählt gerne den sicheren Weg und dreht ungerne schon früh an der Risikoschraube. Da es sein Freiburger Kollege Julian Schuster als Folge der eigenen 0:3-Heimpleite gegen St. Pauli ähnlich machte, war die Partie gegen den SC Freiburg ziemlich unansehnlich, weil über weite Strecke sehr langweilig. Von einer Heimmannschaft, die endlich ihr erstes Heimtor erzielen will, sollte da eigentlich mehr kommen.
Ole Werner selbst sah das nicht so kritisch: „Es war ein sehr, sehr enges Spiel, das in beide Richtungen hätte kippen können. Es hat sich die ganze Zeit so angefühlt, dass die Mannschaft, die den ersten Fehler des Gegners nutzen kann, dann auch gute Karten hat, das Spiel zu gewinnen.“ So kam es dann auch in der 75. Minute: Anthony Jung patzte im Spielaufbau und Friedl fälschte den Schuss von Ritsu Doan unglücklich ab. Danach entledigte sich der SV Werder Bremen endlich seiner Fesseln. Werner warf alles Offensive von der Bank ins Rennen – inklusive des eigentlich schon aussortierten Oliver Burke. Es half nichts, Werder blieb torlos.
Werder Bremens Ole Werner: „Es geht darum, Woche für Woche am absoluten Maximum der Leistungsfähigkeit zu sein“
Und neben dem Platz fragten sich viele: Wie konnte dieses Werder-Wunder von Sinsheim, als erstmals in der Bremer Bundesliga-Geschichte aus einem 0:3 noch ein 4:3 gemacht worden war, so schnell verpuffen? Ein Grund dafür ist auch die noch zu langsame Entwicklung der Mannschaft. Ein junger Spieler wie Skelly Alvero, der auf einer Schlüsselposition den verletzten Sechser Senne Lynen ersetzen sollte, ist noch nicht so weit. Auch einem bisher so gut aufgelegten Köhn wurden in seinem ersten Bundesligajahr Grenzen aufgezeigt. Dass im Angriff des SV Werder Bremen erneut Schienenspieler Mitchell Weiser statt der etatmäßigen, aber in der Bundesliga noch nicht etablierten Stürmer Marco Grüll und Keke Topp ran durfte, sagt auch viel über die Entwicklung der Mannschaft aus. Und anders als gegen Hoffenheim klappte es mit Weiser gegen den SC Freiburg nicht so gut.
Werder Bremen braucht Zeit. Da kommt die Länderspielpause gar nicht ungelegen. Und Ole Werner hat Recht, wenn er festhält: „Wir können uns nach den ersten Spielen in der Annahme bestätigt fühlen, dass alle Spiele – das Bayern-Spiel ausgeklammert - eng sind und dass es darum geht, Woche für Woche am absoluten Maximum der Leistungsfähigkeit zu sein. Dann haben wir auch gegen alle Mannschaften die Möglichkeit, Punkte zu holen. Es wird ein enges Rennen.“ (kni)