Niemeyer sieht „verzerrte Statistik“
Auf der Suche nach Gefahr: Letzter in der Torschuss-Tabelle - woran es in Werder Bremens Offensive noch hakt
Kein Bundesliga-Team gibt weniger Torschüsse ab als Werder Bremen. Warum das für Peter Niemeyer eine „verzerrte Statistik“ ist und woran es in der Offensive bisher hakt.
Bremen – Als Punktestand nach dem 34. Spieltag wäre die Zahl fraglos mehr als nur ordentlich. Als Anzahl der abgegebenen Torschüsse nach sechs absolvierten Saisonspielen ist sie es jedoch – eher nicht: 59. Dieser Wert markiert Werder Bremens bisherige Versuche, den Ball im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Kein anderer Bundesligist weist weniger auf. Weshalb sich diese 59 am Osterdeich also durchaus als Warnsignal lesen ließe. Peter Niemeyer nimmt sie allerdings nicht so wahr.
Werder Bremen mit bisher wenigsten Torschüssen der Bundesliga - Peter Niemeyer: „Diese Statistik ist verzerrt“
„Die Statistik ist für mich verzerrt, weil man nicht vergessen darf, dass wir gegen die Bayern und Dortmund gespielt haben und gegen Mainz zudem lange in Unterzahl waren“, sagt Werder Bremens Leiter Profifußball zwei Tage nach der 0:1-Heimpleite gegen den SC Freiburg im Gespräch mit der DeichStube – und fordert: „Man muss da schon etwas mehr in die Tiefe schauen, dann relativiert sich das Bild in meinen Augen.“
Was sicher nicht falsch ist. Und dennoch: Rundum zufrieden ist der Ex-Profi mit der Bremer Offensive, die bis dato acht Treffer erzielt hat, auch nicht. „Es ist richtig, dass wir in der Offensive noch Steigerungspotenzial haben“, sagt er. „Wir müssen im letzten Drittel genauer werden, um öfter zu Torchancen zu kommen. Aktuell sind wir das nicht.“ Während des Freiburg-Spiels war das gut zu beobachten gewesen.
Um mit dem Positiven anzufangen: Wenn Präzision und Dynamik in Werders Angriffsspiel stimmten, wurde es prompt gefährlich, so wie in der 17. Minute als Romano Schmid und Marvin Ducksch in Kooperation die Vorarbeit zur Großchance von Felix Agu leisteten. Das Problem ist nur: In solche Abschlusssituationen kommt die Mannschaft in der laufenden Saison noch viel zu selten, das furiose 4:3 gegen Hoffenheim einmal beiseite gelassen. Während der spielfreien Zeit, in die die Bundesliga nun geht, wird das bei Werder Bremen Thema sein.
Sturmflaute bei Werder Bremen: Eingespieltes Sturm-Duo gesprengt - Wechselnde Sturm-Partner für Marvin Ducksch
„Diese Zielstrebigkeit und Wucht, die es in der Bundesliga braucht, fehlt uns noch zu häufig. Darauf wird in der Länderspielpause der Fokus bei uns liegen“, kündigt Niemeyer an. In den kommenden zwei Wochen, bis zum Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg am Sonntag, 20. Oktober, wird Cheftrainer Ole Werner mit seiner Mannschaft intensiv an diesem Thema arbeiten. Zeit, die hilfreich dabei sein könnte, die Abläufe in der Offensive besser aufeinander abzustimmen. Dass sie bisher nicht ineinandergreifen wie erhofft, ist dabei durchaus erklärbar. Werder Bremens vor der Saison als gesetzt geltendes, weil seit einem Jahr eingespieltes Sturmduo Marvin Ducksch und Justin Njinmah, der das bisher einzige Stürmer-Tor aus dem Spiel heraus erzielt hat, ist seit drei Partien gesprengt, weil Njinmah seit dem 2:1 in Mainz an einer Bänderverletzung laboriert. Seitdem probiert Trainer Werner einiges aus.
Mal ließ er Neuzugang Marco Grüll im Angriff beginnen und zuletzt sogar zweimal Schienenspieler Mitchell Weiser, was gegen Hoffenheim gut, im Heimspiel gegen Freiburg dann weniger gut aufging. Keke Topp, im Sommer für zwei Millionen Euro von Zweitligist Schalke 04 an den Osterdeich zurückgeholt, muss sich derweil seit seinem Dreierpack im Pokalspiel gegen Cottbus sowie dem Startelf-Debüt in der Liga gegen Augsburg mit der Jokerrolle begnügen. Genau wie Grüll wird auch er noch Zeit benötigen, um sich vollends in der Bundesliga zu akklimatisieren. Was völlig normal ist. Aber auch einen Teil zur Sturmflaute bei Werder Bremen beiträgt. Ebenso wie die Tatsache, dass Marvin Ducksch als Stürmer Nummer eins noch weit von seiner Bestform entfernt ist.
Kritik an Offensive? Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „Es fehlt nicht am Killerinstinkt“
Aktuell profitieren die Bremer sehr davon, dass an den ersten Spieltagen andere Profis als Torschützen eingesprungen sind – Felix Agu, Derrick Köhn, Julian Malatini und allen voran natürlich Dreierpacker Jens Stage sorgten mit ihren Treffern für Punkte. Neben Njinmah war in Marvin Ducksch derweil nur ein weiterer Stürmer erfolgreich, vom Elfmeterpunkt.
Ein grundsätzliches Problem in der vordersten Reihe sieht Chefcoach Werner deshalb aber nicht. „Es fehlt nicht am Killerinstinkt“, sagt er. „Wir haben schon in anderen Spielen in diesem Jahr gesehen, dass wir kein Problem damit haben, Tore zu schießen.“ Nach dem Freiburg-Spiel wollte er etwaige Kritik an seinen Angreifern gar nicht erst aufkommen lassen: „Wir können weniger davon sprechen, dass die Stürmer keinen Killerinstinkt hatten, sondern dass beide Teams in den entscheidenden Situationen ähnlich ungenau waren.“ Genau das soll sich bei Werder Bremen nun ändern. (dco)