Heidenheim-Profi im interview
Eren Dinkci im Interview: Darum klappte es im Winter nicht mit einer Werder-Rückkehr
Eren Dinkci spricht im DeichStube-Interview über den Wechsel zum 1. FC Heidenheim, den Abstiegskampf und die geplatzte Rückkehr zu Werder Bremen!
Er ist in Bremen geboren, schaffte beim SV Werder Bremen einst den Sprung zum Bundesligaprofi und ist im Herzen bis heute grün-weiß – dass Eren Dinkci am Samstag ein ganz besonderes Spiel bevorsteht, erklärt sich also von selbst. Mit dem Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim tritt der 24-jährige Stürmer um 15.30 Uhr (DeichStube-Liveticker) im Weserstadion zum großen Abstiegsgipfel beim Vorletzten Werder an. Wie er sich auf die Partie einstellt, hat Dinkci im Interview mit der DeichStube verraten – und darüber hinaus erklärt, warum aus seiner avisierten Rückkehr zum SV Werder während der Winterpause nichts geworden ist.
Eren Dinkci im DeichStube-Interview: „Es ist nicht schön zu sehen, wo Werder Bremen steht, denn dort gehört der Verein einfach nicht hin“
Herr Dinkci, als gebürtiger Bremer sind Sie an der Weser stark verwurzelt. Was erzählen Ihnen ihre Freunde und Familienangehörigen derzeit über Werder?
Sie leiden natürlich mit und machen sich Sorgen um den Verein. Die Situation ist nicht einfach. Auch für mich ist es nicht schön, zu sehen, wo Werder steht, denn dort gehört der Verein einfach nicht hin. Hätten wir vor einer Woche gesprochen, hätte ich bestimmt noch viel emotionaler geantwortet. Jetzt, so kurz vor dem direkten Duell, schiebe ich meine Verbundenheit zu Bremen und Werder aber beiseite. Viele meiner Freunde und Familienmitglieder, die im Stadion sein werden, sind natürlich Werder-Fans. Ich habe für das Spiel am Samstag 32 Karten besorgt.
In Werders Umfeld wird das Duell gegen Heidenheim allgemein als Endspiel empfunden. Tenor: „Wenn nicht jetzt endlich mal wieder ein Sieg gelingt, wann denn dann noch?“ Welchen Stellenwert hat das Spiel für Ihre Mannschaft?
Für uns ist das Spiel auch enorm wichtig, so wie alle Partien, die wir jetzt noch bis zum Saisonende haben. Auch wir müssen endlich mal wieder ein Spiel gewinnen und wollen das im Weserstadion tun (während Werder seit 13 Partien auf einen Erfolg wartet, steht Heidenheims Sieglos-Serie bei zehn Partien, Anm. d. Red.). Wir haben als Mannschaft noch genug Zeit und vor allem auch die Qualität, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Stichwort Qualität: Seit Ihrer Rückkehr nach Heidenheim im Winter haben Sie in vier Spielen drei Scorerpunkte gesammelt, beim SC Freiburg war es zuvor in acht Einsätzen kein einziger. Warum läuft es plötzlich wieder?
Gute Frage. Ich fühle mich in Heidenheim einfach sehr wohl und weiß, dass der Trainer (Frank Schmidt, Anm. d. Red,), die Jungs auf dem Platz und auch unsere Fans mir voll vertrauen. Das brauche ich für mein Spiel, es gibt mir ein gutes Gefühl und erleichtert mir einiges. Wenn sich das in guten Leistungen von mir zeigt, freut mich das sehr.
Das macht Sie zum Heidenheimer Hoffnungsträger. Gefällt Ihnen die Rolle?
Mir war vor meiner Rückkehr klar, dass die Rückrunde eine große Challenge für den FCH und auch für mich persönlich werden wird. Aber es ist eine geile Challenge, auf die ich total brenne. Ich möchte dem Verein helfen und weiß, dass ich das kann. Wenn ich als Hoffnungsträger angesehen werde, ist das okay, aber nicht wichtig für mich.
So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim aussehen!
Heidenheim-Profi Eren Dinkci im Interview: „Jubeln kann ich gegen Werder Bremen nicht“
Klar ist: Geht Ihr persönlicher Positiv-Lauf am Samstag weiter, wäre das schlecht für Ihren Herzensverein Werder. Empfinden Sie das als Zwiespalt?
Ich muss es professionell angehen, deshalb spielt es keine Rolle, welcher Gegner jetzt kommt. Der FCH braucht Punkte, und ich bin FCH-Profi – da ist der Auftrag relativ klar. Dass Spiele gegen Werder für mich nie normal sein werden, ist aber auch kein Geheimnis. Jubeln kann ich gegen Werder nicht.
In der Winterpause haben Sie mit dem Gedanken gespielt, nach Bremen zurückzukehren. Das soll sogar Ihr Wunsch gewesen sein. Warum ist daraus am Ende nichts geworden?
Ich hatte im Winter mehrere Ideen, weil ich Freiburg gerne verlassen wollte, um woanders wieder mehr Spielpraxis sammeln zu können. Werder war eine dieser Ideen und hätte eine Option sein können, konkret ist es aber nicht geworden. Das ist vollkommen in Ordnung für mich. Ich bin sehr froh, dass es mit dem 1. FC Heidenheim geklappt hat.
Im Sommer kehren Sie nach Freiburg zurück. Sehen wir Sie eines Tages nochmal im Werder-Trikot? Ist das vielleicht sogar ein Traum von Ihnen?
Mein Vertrag in Freiburg läuft noch, deshalb ist der Fahrplan erstmal klar. Wir müssen dann schauen, was sich im Sommer entwickelt. Es ist jetzt noch zu früh, um das absehen zu können. Nochmal für Werder zu spielen und in der Stadt zu leben, wäre definitiv eine schöne Vorstellung. Mehr aktuell aber auch nicht.
Eren Dinkci über Heidenheim und Werder Bremen: „Sollte es am Ende für beide reichen, wäre das für mich ein perfekter Saisonausgang“
Während das Bremer Umfeld enorm kritisch und die Stimmung entsprechend angespannt ist, wirkt es in Heidenheim trotz des letzten Tabellenplatzes relativ ruhig. Kann das am Samstag ein Vorteil sein?
Das kann es. Uns spielt auf jeden Fall in die Karten, dass wir die Situation schon länger kennen und sehr früh wussten, dass wir im Abstiegskampf stecken. Wir haben uns als Verein komplett darauf eingestellt. Deshalb reagiert das Umfeld auch anders auf die Situation. Hier stehen alle zusammen.
Sie kennen das Weserstadion in- und auswendig. Welche Stimmung erleben wir am Samstag?
Ich rechne mit einem hitzigen Spiel. Dieses Stadion ist etwas ganz Besonderes und kann große Energie entfachen. Die Fans werden definitiv Vollgas geben – ich meine, das ist Werder Bremen, ein enorm großer Verein mit einer unglaublichen Wucht. Darauf müssen wir uns einstellen.
Herr Dinkci, letzte Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass am Ende Werder und Heidenheim gemeinsam über dem Strich stehen?
Das wird ein Kraftakt, für beide Clubs, gar keine Frage. Aber wenn Sie mich so fragen: Warum denn nicht? Es sind noch genug Spiele, da kommt Aufgeben nicht infrage. Sollte es am Ende für beide reichen, wäre das für mich ein perfekter Saisonausgang. (dco)
Rubriklistenbild: © IMAGO/nordphoto GmbH / Hafner
