Von Bremen in die Schweiz
„Schweiz ist eine Top-Nation“: Ex-Werder-Trainer Brand über WM-Chancen seiner Wahl-Heimat
Werder Bremens ehemaliger U23-Trainer Christian Brand arbeitet inzwischen beim Schweizerischen Fußballverband. Was er der Schweiz bei der WM zutraut.
Häme von den Kollegen musste sich Christian Brand immerhin nicht anhören, nachdem die deutsche Nationalmannschaft in der Nacht zum Dienstag bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist. Der ehemalige Trainer der U23 des SV Werder Bremen arbeitet seit März als stellvertretender Leiter der Trainerausbildung beim Schweizerischen Fußballverband und ist damit in das Land zurückgekehrt, in dem er als Spieler bereits vier Jahre und als Trainer sogar sieben Jahre verbracht hatte. Man könnte also meinen, dass in Brands Brust zuletzt zwei Fußball-Herzen schlugen, doch der 54-Jährige verfolgt die WM eher neutral.
Christian Brand über die Weltmeisterschaft: Werder Bremens Ex-Trainer verfolgt die Schweiz und hofft auf Argentinien
„Ich bin kein großer Patriot. Ich bin in Deutschland geboren, aber das ist ja nichts, was man beeinflussen kann“, sagt Brand und führt aus: „Ich gucke die Spiele gerne aus der Trainersicht.“ Die Daumen habe er deshalb keiner ‚seiner‘ beiden Nationen gedrückt, stattdessen hofft er eher auf einen Sieger aus der Ferne: „Ich finde Argentinien toll, weil ich Lionel Messi für den Allergrößten halte. Ich würde mir wünschen, dass sie die Titelverteidigung schaffen.“ Und trotzdem verfolgt der Ex-Spieler des SV Werder Bremen natürlich ganz genau, wie sich die Schweiz bei der WM-Endrunde schlägt. Auch am frühen Freitagmorgen (5 Uhr), wenn für die Nati das Sechzehntelfinale gegen Algerien auf dem Plan steht, wird Christian Brand vor dem Fernseher sitzen.
„Algerien wird ein Brocken“, prophezeit der gebürtige Quakenbrücker ein schwieriges Spiel: „Sie spielen mit sehr viel Leidenschaft und Herz, sind dazu physisch stark, sehr clever und abgezockt. Und als ehemaliger Schweizer Nationaltrainer kennt Vladimir Petkovic (2014-2021, aktueller Algerien-Coach, Anm. d. Red.) den Laden in- und auswendig.“ Doch auch vom Team seiner Wahlheimat hat Christian Brand eine hohe Meinung: „Die Schweiz spielt sehr effizient, sehr reif und ist immer in der Lage, den Spielrhythmus zu wechseln. Taktisch haben sie viele Möglichkeiten, weil sie mit Murat Yakin einen absoluten Top-Trainer haben.“
„Die Schweiz ist eine Top-Nation“: Werder Bremens Ex-Trainer Christian Brand über die Weltmeisterschaft
Allgemein gilt die Schweiz bei einigen Beobachtern als kleiner Geheimfavorit des Turniers. Eine Überraschung ist das für Christian Brand nicht: „Diese Generation hat sich ständig weiterentwickelt. Es wird immer nach ganz klaren Prinzipien gearbeitet. Die Ausbildungsphilosophie wird zwar überarbeitet, aber es gibt immer einen roten Faden, an dem festgehalten wird. Deshalb ist es das logische Resultat der guten Arbeit aus den vergangenen Jahren.“
Mit zahlreichen Bundesliga-Profis, darunter auch Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten, und Spielern von internationalem Format stellen die Eidgenossen einen starken Kader. „Die Schweiz ist eine Top-Nation“, sagt Brand sogar und erklärt: „Das Land hat nur neun Millionen Einwohner, Deutschland hat über 80 Millionen. Das muss man relativieren.“ Zum nun schon vierten Mal in Folge schaffte es die Schweiz bei einer Weltmeisterschaft in die K.-o.-Phase, nach drei Achtelfinal-Niederlagen soll es dieses Mal noch etwas weiter gehen.
Ex-Bundesliga-Profis könnten Laufbahn abrunden: Werder Bremens Ex-Spieler Christian Brand über die Schweiz bei der WM
Prägende Figuren sind aktuell die Ex-Bundesliga-Spieler Granit Xhaka im Mittelfeld sowie Linksverteidiger Ricardo Rodriguez. „Als ich meine Trainer-Ausbildung angefangen habe, wurden sie U17-Weltmeister in Nigeria“, erinnert sich Brand zurück an das Jahr 2009. Der Titel mit der A-Nationalmannschaft 17 Jahre später würde die Laufbahn der Routiniers bei ihrer möglicherweise letzten Weltmeisterschaft also abrunden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, weiß auch Christian Brand: „Wenn die K.-o.-Phase beginnt, ist es immer heikel. Es gibt viele Momente, in denen ein Spiel auf die eine oder andere Seite kippt. Das hat man auch bei Deutschland gesehen. Wenn der Treffer von Jonathan Tah zählt, sagen alle: ‚Wir haben uns in die nächste Runde gezittert.‘ Das kann allen Mannschaften passieren, auch bei der Schweiz muss man von Spiel zu Spiel schauen.“ (tos)
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