Großer Fan-Ärger
Schwere Vorwürfe nach Ausschreitungen: Werder-Fan-Hilfe kritisiert Polizei-Einsatz in Wolfsburg scharf
Nach dem massiven Ärger für Fans des SV Werder Bremen in Wolfsburg erhebt die Grün-Weiße Hilfe nun schwere Vorwürfe gegen die Polizei.
Nach dem 1:0-Sieg von Werder Bremen beim VfL Wolfsburg überschatten schwere Vorwürfe die Freude über den wichtigen Dreier im Abstiegskampf. Marie Burmeister, Sprecherin der Grün-Weißen Hilfe, erhebt im Interview mit dem Magazin „11Freunde“ massive Anschuldigungen gegen die niedersächsische Polizei – und widerspricht der offiziellen Darstellung der Behörden in zentralen Punkten. Bereits die Anreise habe ihr und den Bremer Anhängern ein ungutes Gefühl gegeben, berichtet Burmeister. Ab Hannover sei der Entlastungszug der Werder-Fans von einem Polizeihubschrauber begleitet worden – „ohne erkennbare Gründe“. Am Wolfsburger Hauptbahnhof erwartete die Auswärtsfahrer dann ein massives Aufgebot: Drohnen, Pferdestaffeln und eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE). Für Burmeister vollkommen unverständlich und unverhältnismäßig, denn: „Wir pflegen keine besondere Rivalität zu den Fans des VfL Wolfsburg.“
Am Stadioneinlass eskalierte die Situation bekanntlich. Die Wolfsburger Polizei hatte in ihrer Pressemitteilung erklärt, ein Werder-Fan habe versucht, „einen nicht zugelassenen Gegenstand“ ins Stadion zu schmuggeln, woraufhin Gäste-Anhänger die Ordner „massiv angegriffen“ hätten. Burmeister widerspricht dieser Schilderung entschieden: „An der Darstellung sieht man, wie die Polizei bis hart an die Grenze zur Lüge geht.“ Da mit dieser Formulierung der Eindruck erweckt werde, „dass da ein Gewalttäter einen gefährlichen Gegenstand heimlich in das Stadion zu schmuggeln versucht hätte“. Tatsächlich sei es aber um eine gewöhnliche, grundsätzlich genehmigte Fahnenstange gegangen. Der Fan sei von Ordnern nicht angesprochen worden – erst als er sich bereits auf dem Weg zum Gästeblock befunden habe, sei er „ziemlich rabiat gegen eine Plexiglas-Abtrennung gedrückt“ worden. Den von der Polizei geschilderten „massiven Angriff“ von Fans des SV Werder Bremen auf Wolfsburger Ordner „konnten wir aber nicht beobachten“, so Burmeister.
Fan-Ärger bei Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg: Schwere Vorwürfe gegen gewalttätiges Vorgehen der Polizei
Was folgte, empfand Burmeister als erschreckend: Behelmte BFE-Kräfte seien innerhalb von Sekunden herbeigestürmt und hätten begonnen, Fans die Treppe hinaufzudrängen – „willkürlich auf Gesichtshöhe einschlagend“. Fans des SV Werder Bremen seien auf den Hinterkopf und Nacken getroffen worden, gestolpert, gestürzt, zu Boden gedrückt, geschlagen und getreten worden. „Dass die Polizei auf einer steilen Treppe derart rabiat gegen Fans vorgeht, halten wir für unverantwortlich und rücksichtslos“, so Burmeister. Verletzt worden seien Fans aller Geschlechter und Altersklassen – Platzwunden, Schürfwunden, geschwollene Körperteile, Blutflecken auf dem Boden. Eine Person habe ihren Arm nicht mehr bewegen können. Die Polizei hingegen meldete ebenfalls drei leicht verletzte Beamte, die ihren Dienst allerdings fortsetzen konnten.
Die aktive Fanszene entschied sich daraufhin, dem Gästeblock fernzubleiben und wartete vor dem Stadion, während drinnen Werder Bremens Justin Njinmah das entscheidende 1:0 erzielte. „Als das Tor gefallen ist, haben wir natürlich gejubelt. Aber vor dem Hintergrund der vorherigen Gewalt war die Freude merklich getrübt“, so Burmeister. 20 Minuten vor Abpfiff sei die polizeiliche Maßnahme, während derer die Beamten zehn Personen festnahmen und sie erkennungsdienstlich behandelten, schließlich beendet gewesen.
Nach Ärger von Werder Bremen-Fans mit Wolfsburger Polizei: Grün-Weiße Hilfe gibt Rat und übt harsche Kritik
Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Werder-Fans in Wolfsburg mit der Polizei aneinandergeraten. Eine Großkontrolle am Wolfsburger Bahnhof im August 2022 wurde anderthalb Jahre später vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig eingestuft – trotzdem scheinen die Lehren daraus nicht gezogen worden zu sein. „Die Bereitschaft der Wolfsburger Polizei, gerichtliche Lektionen umzusetzen, ist in bedenklicher Weise nicht vorhanden“, kritisiert Burmeister und fordert: „Die Behörden müssen personell und verbal abrüsten.“
Die Grün-Weiße Hilfe ruft alle Betroffenen vom jüngsten Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg dazu auf, Gedächtnisprotokolle anzufertigen, Verletzungen dokumentieren zu lassen und sich zu melden. Burmeister: „Vor allem geht es uns aber darum, dass die Bürgerrechte auch von Fußballfans beachtet werden. Gleich mehrfach haben sich Maßnahmen gegen unsere Fanszene in der Vergangenheit im Nachgang als rechtswidrig erwiesen. Diese Ungleichbehandlung muss aufhören!“ In diesem Kontext scheinen auch juristische Schritte nicht ausgeschlossen. Auch der SV Werder Bremen will sich nach einer umfänglichen Analyse in den kommenden Tagen zu der Thematik äußern. (mwi)
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