Drei Spiele, ein Punkt

Jäger der verlorenen Schärfe: Das Werder Bremen von 2025 kommt als verärgerndes Abbild der 2024er-Version daher

Drei Spiele, neun Gegentore, ein Punkt: Nach Werder Bremens 0:2-Heimniederlage gegen den FC Augsburg herrschte kollektive Ratlosigkeit.
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Drei Spiele, neun Gegentore, ein Punkt: Nach Werder Bremens 0:2-Heimniederlage gegen den FC Augsburg herrschte kollektive Ratlosigkeit.

Drei Spiele, neun Gegentore, ein Punkt: Der SV Werder Bremen hat nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage gegen den FC Augsburg einen Fehlstart ins neue Jahr 2025 hingelegt - und rätselt, warum die Mannschaft plötzlich schwächelt. Der Nachbericht der DeichStube.

Bremen – So schnell hatte sich das Weserstadion schon lange nicht mehr geleert. Der Abpfiff war noch gar nicht ertönt, da klafften bereits ordentliche Lücken in diversen Blöcken. Zu enttäuschend war das, was der SV Werder Bremen aus dem Heimspiel gegen den FC Augsburg herausgeholt hatte. Nämlich eine 0:2-Niederlage. Den Schwung aus 2024 hatten alle Beteiligten mit ins neue Jahr nehmen wollen, nach drei Partien in einer Englischen Woche mit nur einem Punkt, dafür aber neun Gegentoren sieht es eher nach Stillstand oder gar einem kleinen Rückschritt im Bremer Lager aus. Und eben dort wird eifrig gerätselt, warum die Mannschaft nicht mehr auf dem Niveau unterwegs ist, das sie über weite Strecken der bisherigen Saison ausgezeichnet hat.

Werder Bremen hadert mit eigener Nachlässigkeit: „Es fehlt eine Nuance, das unbedingte Verteidigen-Wollen“

„Es geht darum, sich Woche für Woche mit allem, was man hat, auf das jeweilige Spiel vorzubereiten und sich selbst in den Zustand zu bringen, dass man seine beste Leistung bringen kann – als Mannschaft, aber auch als einzelner Spieler. Da muss man festhalten, dass wir das vorm Winter einfach besser gemacht haben“, sprach Cheftrainer Ole Werner ein für ihn wesentliches Defizit an. Auch Peter Niemeyer als Leiter Profifußball wurde deutlich. „Es fehlt eine Nuance, das unbedingte Verteidigen-Wollen“, mahnte er an. „Das muss man uns vorwerfen.“ Es ehrte alle Beteiligten beim SV Werder Bremen, dass sie nach einem klassischen Fehlstart nach der Winterpause nicht nach Ausreden suchten oder Dinge schönredeten, die nicht schönzureden waren. Sie legten den Finger öffentlich in die Wunde, sparten nicht mit Kritik. Wie die verlorenen Qualitäten wieder zurückgeholt werden können, wurde Niemeyer gefragt. Die ganz pragmatische Antwort: „Durch harte Arbeit. Wir müssen uns bewusst machen, dass es bis zum letzten Moment geht und wir wieder diese absolute Konsequenz an den Tag legen müssen.“

Wohin in der Interviewzone auch geblickt wurde, eine Forderung nach der anderen trudelte aus den Mündern der Profis des SV Werder Bremen ein. So erklärte Innenverteidiger Niklas Stark: „Seit dem Jahreswechsel ist es ein bisschen verhext. Wir kriegen die Gegentore zu einfach. Vorher gingen die Bälle daneben, jetzt jedes Mal genau ins Eck. Wir müssen daran arbeiten, dass wir die gegnerischen Chancen verringern und den Gegner mehr unter Druck setzen. Egal wie, das müssen wir jetzt einfach umsetzen.“ Marvin Ducksch nahm sich und seine Kollegen ebenfalls in die Pflicht: „Wir müssen immer ans Maximum kommen, an die Grenze gehen. Da sieht man, dass man so keine Spiele gewinnen kann, auch wenn man gut Fußball spielt.“ Gegen den FC Augsburg waren die Gastgeber erneut viel zu billig ins Hintertreffen geraten. Eigentlich kontrollierten sie spielerisch das Geschehen, doch bei der kleinsten defensiven Ungenauigkeit rappelte es sofort im eigenen Kasten. Augsburgs Samuel Essende traf so mit den ersten beiden Torgelegenheiten des FCA überhaupt (5./45.+1) und führte Werders vergebliche Offensivbemühungen so ad absurdum.

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Werder Bremen hadert mit Leistung nach Niederlage gegen FC Augsburg: „Unterm Strich nicht gut genug“

Eine richtige Erklärung, warum es beim Verteidigen aktuell hakt, hatte aber auch Niklas Stark nicht parat. „Manchmal kann man das nicht erklären. Es ist beschissen, aber manchmal ist es einfach so“, sagte der 29-Jährige. „Wir müssen jetzt analysieren, was zuletzt schiefgelaufen ist, daraus unsere Schlüsse ziehen und dann wieder zu 100 Prozent fokussiert sein. Egal wer, jeder ist wichtig. So kommen wir dann auch wieder in unser Spiel.“ Abwehrkollege Marco Friedl wählte deutlichere Worte, was nicht nur mit seinem Naturell, sondern auch mit dem Kapitänsjob bei Werder Bremen zusammenhängen dürfte. „Solche Gegentore wie jetzt hätten wir noch im Dezember nicht bekommen. Da waren wir aggressiver, haben mehr als Team zusammengestanden. Da haben wir auch den letzten Schritt zum Ball gemacht, der uns jetzt ab und an fehlt“, monierte der Österreicher. Worte, die ziemlich besorgniserregend daherkommen und von einer gehörigen Unwucht zeugen. „Allein beim zweiten Gegentor stehen wir eigentlich Vier gegen Eins – aber keiner fühlt sich verantwortlich. Das darf uns einfach nicht passieren.“ Warum diese paar Prozent mehr an Intensität und Aufmerksamkeit plötzlich fehlen, weiß auch Friedl nicht. „Aber Fakt ist, dass sie fehlen“, betonte er. „Alle Gegentore, die ich aus den letzten drei Spielen in Erinnerung habe, hätten wir verteidigen können. Das ist dann unter dem Strich einfach nicht gut genug – das muss man ehrlich so sagen.“

Den möglichen Sprung auf Tabellenplatz sechs hat der SV Werder Bremen so vergeigt. Das neue Jahr startet mit mehr Frage- als Ausrufezeichen. Was schiefgehen konnte, ging irgendwie auch schief. Ein Problem der Fokussierung aufs Wesentliche sieht Peter Niemeyer in der ganzen Misere allerdings nicht. „Ich glaube schon, dass die Jungs hochkonzentriert und voll drin sind“, meinte der 41-Jährige, „aber ein Stück Sorglosigkeit ist da“. So werde nach dem Motto agiert: „Irgendwer wird schon den Fuß davorhalten oder es schon regeln – vielleicht ist es das“, vermutete er. Und Ole Werner resümierte: „Ich sehe nicht jeden Spieler von einer guten Form weg. Aber es geht um die Aufmerksamkeit in einzelnen Situationen - und da haben wir gerade alle kollektiv Luft nach oben.“ Genau deshalb unterstrich der 36-Jährige: „Wir brauchen eine andere Schärfe. Entscheidend im Fußball ist, was in den Strafräumen passiert, und da waren wir in allen drei Spielen die schlechtere Mannschaft. Daran gilt es zu arbeiten.“ (mbü)

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