Leihspieler enttäuschen
Werder Bremens jetziger Aufschwung spricht nicht für eigene Transfer-Bilanz
Werder Bremen befindet sich in einem Formhoch. Warum das eher nicht für die jüngsten Transfers der Grün-Weißen spricht und wie die Verantwortlichen die Lage einschätzen.
Bremen – Es lässt sich dem SV Werder Bremen nur schwerlich vorwerfen, nicht eine Menge versucht zu haben. Neben mehreren fest verpflichteten Spielern wurden allein in den vergangenen fünf Jahren auch elf Profis von anderen Clubs ausgeliehen, die den Kader besser machen sollten. Der Haken an der Sache: Der nachhaltige Ertrag blieb überschaubar. Auch in dieser Saison verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, dass die Qualität der Transfers auf Zeit nicht genügt, um die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu erhöhen. Zuletzt jedenfalls waren es fast ausschließlich die bewährten Kräfte, die Werder aus der Talsohle der Rückrunde gewuchtet haben. „Der Trainer stellt die Mannschaft so auf, dass die größte Wahrscheinlichkeit besteht, das Spiel zu gewinnen. Und das hat zuletzt bestens geklappt“, betont Peter Niemeyer als Werders Leiter Profifußball im Gespräch mit der DeichStube. „Man kann daraus schließen, dass wir schon auf einem guten Niveau unterwegs waren.“ Ein gefährlicher Balanceakt bleibt es dennoch.
Leihspieler schlagen bei Werder Bremen regelmäßig nicht ein
Derrick Köhn hatte eigentlich einen ganz vielversprechenden Weg eingeschlagen, die Leihgabe von Galatasaray Istanbul lief schon in 22 Partien für die Bremer auf und wusste streckenweise zu überzeugen – schaute zuletzt aber gleich viermal in Folge zu. Nicht nur kurzstreckenweise, sondern stets über die gesamten 90 Minuten. Und er hatte prominente Nachbarschaft. Stürmer André Silva war im Winter mit ebenso hohen Ambitionen wie Erwartungen aus Leipzig gekommen, doch jüngst blieb auch er zweimal komplett außen vor. Issa Kaboré, der als klangvollen Hauptarbeitgeber noch immer Manchester City im Rucksack mit sich herumträgt, schaffte es doppelt nicht einmal in den Kader. Sogar dreifach gestrichen wurde Skelly Alvero, der in der Vorsaison ein halbes Jahr bei Werder Bremen vorgespielt und die Verantwortlichen dabei offenkundig derart beeindruckt hatte, dass sie im Folgesommer bereit waren, knapp fünf Millionen Euro für einen festen Transfer nach Frankreich zu überweisen. Seither produziert der Mittelfeldakteur jedoch mehr Frage- als Ausrufezeichen, besitzt nicht einmal mehr eine Nebenrolle, sondern ist allerhöchstens noch Statist.
Neuzugänge benötigen bei Werder Bremen in der Regel mehr Anlaufzeit
Für Peter Niemeyer spielt der Faktor Zeit in diesem gesamten Gebilde eine elementare Rolle. „Werder Bremen kann in erster Linie nur Spieler holen, die noch entwickelt werden müssen“, sagt der 41-Jährige. „Das war bei Jens Stage, Senne Lynen und auch Marco Friedl oder Romano Schmid so. Die jetzigen Leistungsträger mussten alle erst zu Stammspielern werden.“ Diese lange Anlaufzeit ist für Leihspieler aber nahezu ausgeschlossen, was unweigerlich die Frage aufwirft, warum die Norddeutschen kurz nach Weihnachten überhaupt mit Leihgeschäften aufwarten, bei denen es in der Natur der Sache liegt, dass kurzfristige, schnelle Erfolge sichtbar werden sollen. Zumal ein Spieler wie André Silva streng genommen kein Profi sein sollte, der nicht als Soforthilfe bezeichnet werden darf. „Wir haben im Winter Spieler dazugeholt, die uns in gewissen Momenten verbessern können – aber wir hatten vorher auch ein Personal, das bereits eine gute Hinrunde abgeliefert hat“, erklärt Niemeyer. Inzwischen ist genau dieses Personal wieder hundertprozentig fit, weshalb die Neulinge auf der Strecke bleiben. „Wir sind auf vielen Positionen schon richtig gut besetzt gewesen, da wollten und konnten wir gar nicht jemanden holen, der unsere gesetzten Spieler verdrängt.“
Allzu häufig schon haben Teilzeit-Arbeiter bei Werder Bremen jedoch in der jüngeren Vergangenheit den Anschein erweckt, genau dafür auch nicht annähernd in Frage zu kommen. Roger Assalé nicht, Lars Lukas Mai nicht. Und bei Tahith Chong war es genauso, Maximilian Philipp geriet ebenfalls schnell wieder in Vergessenheit. Mitchell Weiser bildet da im Gegenzug die positivste Ausnahme: Von Bayer Leverkusen ausgeliehen half der Flügelspieler erst beim Bremer Wiederaufstieg, wurde anschließend ablösefrei komplett geholt und ist heute nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Doch solch ein Kaliber ist eben auch nicht alltäglich am Osterdeich. Bliebe noch Rafael Borré, dessen Intermezzo an der Weser mit seinem vorzeitigen Brasilien-Wechsel unrühmlich endete, der vorher aber durchaus mit teils wichtigen Treffern ein wenig Hilfestellung geleistet hatte. Die Bilanz hübscht das nur geringfügig auf.
Werder Bremen braucht mehr Transfer-Volltreffer
Fakt ist: Für die von Fußball-Chef Clemens Fritz angekündigten Veränderungen im Sommer – ganz egal, ob sie nun mit Umbruch oder Anpassung betitelt werden –, kann sich Werder Bremen vielfältige Ungewissheit nicht leisten. Da sind Sicherheiten vonnöten. Wo es bei festen Transfers Senne Lynens und Jens Stages sowie Keke Topps und Marco Grülls gab, gab es eben auch Dawid Kownackis, Naby Keitas, Lee Buchanans oder Olivier Demans und Skelly Alveros. Werder benötigt mehr Volltreffer. Nicht nur im Spiel, sondern vor allem auf dem Transfermarkt. (mbü)