Ulbrich heizt ein
Werder-Frauen vor „Gradmesser“ Nordderby: „Einfach wichtiger als ein normales Bundesliga-Spiel“
Nach zwei Spiel-Absagen geht es für die Frauen des SV Werder Bremen nun ins Nordderby gegen den Hamburger SV. Michelle Ulbrich ist heiß - und sieht die Partie als „Gradmesser“.
Als es draußen bitterkalt war und der Winter seine Kraft demonstrierte, saßen die Fußballerinnen des SV Werder Bremen drinnen wie auf Kohlen. „Wir haben in der Kabine gehockt, gequatscht und die Zeit totgeschlagen“, berichtet Vizekapitänin Michelle Ulbrich. Wird die Partie gegen den FC Bayern München am Montagabend noch angepfiffen oder nicht? „Erst hieß es, erst mal nicht umziehen, dann hieß es, wir spielen vielleicht doch.“ Erst gut 40 Minuten vor dem anvisierten Anpfiff fand das Hin und Her mit einem endgültigen Nein ein Ende: Der fortwährende Schneefall macht das Spielen im Stadion „Platz 11“ unmöglich.
Werder Bremens Frauen nach zwei Spiel-Absagen vor Nordderby gegen den HSV: „Kleiner Gradmesser“
„Auch wir wussten erst 100-prozentig Bescheid, als die offizielle Mitteilung rausging“, erzählt UIbrich. Die Absage kam der 29-Jährigen und ihren Mitspielerinnen letztlich doch sehr entgegen. „Wenn man seinen getakteten Zeitplan und seine Routinen hat, wäre es schon richtig blöd gewesen, wenn es doch noch angepfiffen worden wäre.“ So allerdings stand die zweite Spielabsetzung hintereinander. Bereits das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg in der Woche zuvor war den Witterungsbedingungen zum Opfer gefallen. Drei Wochen nach dem letzten Pflichtspiel wird es für die Werder-Frauen nun am Samstag (14 Uhr/DeichStube-Liveticker) wieder ernst – und zwar so richtig: Dann steigt im Volksparkstadion das Nordderby gegen den Hamburger SV.
Ob die längere Spielpause ein Vor- oder Nachteil sein könnte für die Bremerinnen, wird man sehen, sagt Michelle Ulbrich. „Natürlich ist das ein bisschen semioptimal, wenn man aus dem Rhythmus kommt“, so die Abwehrchefin des SV Werder Bremen. „Wir haben im Training alles dafür getan, dass wir die Belastung und die Spielformen abbilden.“ Aber nicht nur wegen der Spielausfälle, auch grundsätzlich wird die Partie gegen den abstiegsbedrohten Tabellenzwölften HSV für die Werder-Frauen zu einer Standortbestimmung. Die Grün-Weißen hatten auf Champions-League-Qualifikations-Rang drei überwintert, sind in der Rückrunde allerdings noch ohne Sieg und zunächst auf Platz sechs zurückgefallen. „Es ist ein Spiel, das zeigen kann, in welche Richtung es in der weiteren Saison geht“, so Ulbrich. „Wo stehen wir eigentlich, was können wir, was können die anderen? Es wird schon ein kleiner Gradmesser werden.“
Werder-Frauen vor Nordderby gegen Hamburger SV - Michelle Ulbrich: „Wichtiger als ein normales Bundesliga-Spiel“
Und klar ist, dass auf die Werder-Frauen nun nicht irgendein Spiel wartet. Im großen, dieses Mal allerdings voraussichtlich bei Weitem nicht vollen Volksparkstadion wird ein weiteres Kapitel in der noch jungen Nordderby-Geschichte der Frauen geschrieben. „Es herrschen ähnliche Gefühle wie zum Hinspiel im Weserstadion. Das ist gerade für mich als Werder-Fan von Kind auf eine sehr besondere Partie.“ Im Oktober hatte Werder Bremen 2:0 im eigenen Wohnzimmer gewonnen. Außerdem weiter im Kopf: Im vorigen März waren die Bremerinnen mit einem dramatischen 3:1 nach Verlängerung im mit 57.000 Fans ausverkauften Volkspark ins Pokalfinale eingezogen. Michelle Ulbrich war damals nicht dabei, will an die Partie aber ohnehin nicht den Maßstab anlegen. „Man muss ein wenig davon wegkommen, zu denken, dass sich das DFB-Pokal-Halbfinale wiederholen lässt.“
Die Vorfreude auf die Partie ist und bleibt in jedem Fall groß. „Wir haben viele Spielerinnen, die schon lange bei Werder sind, die sich voll mit dem Verein identifizieren und ganz genau wissen, was dieses Nordderby bedeutet“, sagt Michelle Ulbrich, die vor einer Kulisse von insgesamt rund 10.000 Fans und etwa 1000 mitreisenden Werder-Anhängern auf lautstarke Unterstützung hofft. „Eine Lina Hausicke oder ich tragen das auch in die Mannschaft, dass das Nordderby wie bei den Männern einfach nochmal wichtiger ist als ein normales Bundesliga-Spiel.“ (han)
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