Nach Derbysieg gegen HSV
„Es war der Wahnsinn“: Werder-Frauen feiern historischen Derbysieg gegen HSV – und wollen sich beim nächsten Weserstadion-Spiel steigern
Die Bundesliga-Frauen des SV Werder Bremen haben das Nordderby im ausverkauften Weserstadion gegen den HSV mit 2:0 gewonnen - und dürfen sich schon aufs nächste Highlight-Spiel freuen. Der DeichStube-Nachbericht.
Bremen – Knapp 20 Minuten nach dem Abpfiff, als alles vollbracht war, brauchten die Fußballerinnen des SV Werder Bremen nochmal einen kleinen Moment Disziplin. Bei all dem Gehüpfe, Gesinge und Getanze, das die Spielerinnen vor die immer noch pickepackevolle Ostkurve getrieben hat, stellten sie sich brav vor den Fans auf. Die, die gespielt haben, die, die auf der Bank geblieben waren, und die, die verletzt zuschauen mussten – Arm in Arm, in einer Linie wie am Lineal gezogen. Und dann durfte wieder gehüpft, gesungen und getanzt werden: „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!“ Es war ein Moment, in dem auch der Letzten klar geworden sein dürfte: Bei diesem Fußballfest wurde Geschichte geschrieben.
Dank Doppelpack von Larissa Mühlhaus: Werder Bremens Frauen schlagen den HSV im Nordderby
Mit 2:0 und dank eines Doppelpacks von Larissa Mühlhaus hat der SV Werder Bremen am Samstag gegen den Hamburger SV das erste Nordderby in der Historie der Frauen-Bundesliga gewonnen und dabei mit weitem Abstand einen neuen Zuschauerrekord für ein Frauenfußballspiel in Bremen aufgestellt. Zum inzwischen vierten sogenannten Highlightspiel, für das die Werder-Frauen bisher einmal im Jahr ins große Weserstadion dürfen, kamen 37.000 Fans – damit war die maximale Kapazität für dieses Spiel erreicht, ausverkauft. Der bisherige Rekord wurde nochmal um knapp 15.000 Menschen gesteigert. „Wir haben im Vorfeld versucht, uns damit auseinanderzusetzen. Aber der Moment, wenn man durch den Tunnel geht, hat das schon alles übertroffen, was man sich hat vorstellen können“, sagte Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp nach dem Spiel. Auch Abwehrchefin Michelle Ulbrich schwärmte: „Es war der Wahnsinn! Gefühlt war kein Platz frei, die ganze Ostkurve war schon beim Aufwärmen komplett voll.“
Historischer Heimsieg vor Rekordkulisse! Die schönsten Jubel-Bilder vom Derbysieg der Werder-Frauen gegen HSV




Und gefühlt schon kurz nach dem Aufwärmen durfte das Weserstadion das erste Mal explodieren: Larissa Mühlhaus verwandelte einen Handelfmeter zur Führung (6.). Zuvor hatte sie der Hamburger Verteidigerin Svea Stoldt den Ball an den angelegten Arm geschossen – ein zumindest fragwürdiger Strafstoß. So aber waren früh die Weichen auf Sieg gestellt, den Mühlhaus mit einem zweiten, diesmal unstrittigen Handelfmeter im zweiten Durchgang eintütete (56.). Die Bremerinnen hätten schon eher für klare Verhältnisse sorgen können, doch Maja Sternad vergab zwei dicke Gelegenheiten, als sie einmal an Gäste-Keeperin Larissa Haidner (17.) und einmal an Haidner und dem Pfosten (48.) scheiterte. Auch der HSV traf kurz nach dem Wiederanpfiff Aluminium (46.), ansonsten blieb der Aufsteiger weitgehend harmlos.
Werder Bremen-Frauen gewinnen historisches Nordderby gegen den HSV und dürfen sich auf nächstes Highight-Spiel freuen
„Wir hatten in der ersten Hälfte schon viel Ballbesitz und konnten sie uns auch ein Stück weit zurechtlegen, weil wir ein gutes Setup hatten in der Eröffnung“, sagte „Fritzy“ Kromp nach dem Spiel, „aber wir waren in Kleinigkeiten zu unpräzise, es gab es zu wenig Aktivität und Tiefenläufe.“ Es sei insgesamt „nicht das schönste Spiel“ gewesen, meinte die 40-Jährige, aber das habe man bei einem Derby, das von Intensität lebt, auch nicht erwarten können. Der tiefstehende Gegner habe es defensiv ordentlich gemacht, und die Kulisse tat ihr Übriges: „Man hat schon gemerkt, es ist völlig außergewöhnlich für die Spielerinnen. Dann sind eher schon mal technische Fehler dabei oder einfach weiche Knie bei der einen oder anderen.“ Kromp ist sich indes sicher: „Wenn wir nochmal vor so einer Kulisse spielen, werden wir nochmal besser spielen.“
Mit dem Erfolg und inzwischen zehn Punkten aus sechs Partien machen die Frauen des SV Werder Bremen in der Bundesliga-Tabelle vorerst einen Satz auf Platz fünf, was besonders vor dem Hintergrund gut ist, dass sie die beiden schwersten Auswärtsspiele der Saison, gegen die Topteams Wolfsburg (2:4) und FC Bayern (0:4), in den vergangenen Wochen bereits hinter sich gebracht haben. Am kommenden Sonntag, 19. Oktober, geht es dann zu Eintracht Frankfurt, einem anderen großen Kaliber, und nebenbei Ex-Club von „Fritzy“ Kromp, die bis zum Sommer Frankfurts zweite Mannschaft trainiert hatte. Die Fans dürfen sich derweil noch auf ein anderes Highlight freuen: In der Rückrunde, das hat Werder offiziell bestätigt, wird es noch ein zweites Highlightspiel im Weserstadion geben. Wann und gegen wen ist noch offen. Klar ist hingegen: Am Ende soll wieder vor der Ostkurve gehüpft, gesungen und getanzt werden. (han)
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