Highlight-Spiel am Samstag

Gänsehaut soll beflügeln, nicht ablenken: Werder-Frauen denken bei Weserstadion-Rückkehr gegen Köln vor allem an Punkte

Nina Lührßen und die Bundesliga-Frauen des SV Werder Bremen spielen zum zweiten Mal im Wohninvest Weserstadion: Das Highlight-Spiel steigt am Samstag gegen den 1. FC Köln.
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Nina Lührßen und die Bundesliga-Frauen des SV Werder Bremen spielen zum zweiten Mal im Wohninvest Weserstadion: Das Highlight-Spiel steigt am Samstag gegen den 1. FC Köln.

Die Bundesliga-Frauen des SV Werder Bremen stehen vor ihrer Rückkehr ins Wohninvest Weserstadion. So gehen Spielerin Nina Lührßen und Trainer Thomas Horsch mit der besonderen Partie gegen den 1. FC Köln am Samstag um.

Bremen – 20.000 Zuschauer, Gänsehaut-Atmosphäre und ein für das „Tor des Monats“ nominierter Freistoß – Erinnerungen an die besondere Premiere der Bundesliga-Frauen des SV Werder Bremen im großen Wohninvest Weserstadion, die im kollektiven Gedächtnis unter „Werbung für den Frauenfußball“ abgespeichert sind und eigentlich das Zeug haben, bei denen, die damals im November 2022 dabei waren, auch ein Jahr später warme Emotionen hervorzurufen. Wenn man allerdings Nina Lührßen zwei Tage vor der ersten Rückkehr der Werder-Frauen ins Weserstadion darauf anspricht, bleibt die 23-Jährige kühl wie eine Hundeschnauze.

„Die Erinnerungen sind natürlich positiv, trotzdem hätten wir das erste Spiel im Stadion auch gerne gewonnen. Das überwiegt ein bisschen, dass wir den Sieg in dem Spiel nicht einfahren konnten“, sagt Lührßen. Die Partie gegen den SC Freiburg ging damals nämlich mit 1:2 verloren, und das wurmt die Außenbahnspielerin des SV Werder Bremen bis heute. Dass sie einen Freistoß herrlich in den Winkel zwirbelte, damit eines der schönsten Tore des Jahres schoss und den ersten Frauen-Treffer überhaupt im Weserstadion – für sie nur ein mäßiger Trost. „Da ist es egal, ob man ein Tor macht oder nicht: Wenn man Ende nicht gewonnen hat, ist man trotzdem in gewisser Weise enttäuscht.“

Werder Bremen-Frauen spielen gegen 1. FC Köln im Weserstadion: „Highlight“ - aber es zählen nur die Punkte

Nun gibt es die Chance, es besser zu machen. Die Werder-Frauen, die sonst vor dreistelliger Zuschauerzahl auf „Platz 11“ ihre Heimspiele austragen, kehren ins große Stadion zurück – Samstag, 14. Oktober, 14 Uhr im DeichStube-Liveticker, Gegner ist der 1. FC Köln, mehr als 18.000 Tickets sind schon verkauft. Rahmenbedingungen, die auch Nina Lührßen „immer besonders“ findet, doch die Bremerin blendet das weitgehend aus. Sie denkt an die Punkte: „Natürlich ist es ein gewisses Highlight, aber im Endeffekt zählt, dass wir das Spiel gewinnen wollen“, sagt die Mittelfeldspielerin und wird deutlich: „Das ist ein normales Heimspiel, das wir gewinnen wollen – und mehr auch nicht.“ Lührßen, die Hundeschnauze.

Dass sie so cool bleibt, liegt einerseits daran, dass sie die Stadionatmosphäre inzwischen längst kennt – einmal aus Bremen, vor kleineren Zuschauerzahlen auch aus den Stadien in beispielsweise Nürnberg, Duisburg und Freiburg. So weit ist der Frauenfußball dann doch schon länger. Zum anderen liegt es an Trainer Thomas Horsch und seiner geerdeten Herangehensweise. Der 54-Jährige, einst Assistent bei den Profis des SV Werder Bremen unter Florian Kohfeldt, überträgt seinen sportlichen Fokus auf seine Spielerinnen. „Natürlich ist das ein Gänsehautmoment, das kenne ich ja selber noch von früher, wenn man rausgeht und die Ostkurve reagiert“, sagt der Coach, „aber das soll uns nur beflügeln, das darf uns nicht ablenken von dem, was wir machen wollen.“

Werder-Bremen-Frauen-Trainer Thomas Horsch ist mit Weg zufrieden und will Weserstadion-Sieg gegen 1. FC Köln

Denn schöne Erlebnisse mit den Fans und Werbung für den Frauenfußball sind das eine – es müssen halt Punkte her. Im vergangenen Jahr hat Werder Bremen bis zum Schluss um den Klassenerhalt kämpfen müssen, fing überhaupt erst in der zweiten Saisonhälfte mit dem Gewinnen an. Zum Start der neuen Bundesliga-Saison wirkt Horschs Team fußballerisch nun deutlich weiter als vor einem Jahr, hat aber nach drei Partien auch erst drei Zähler auf dem Konto. Auf eine 5:1-Gala gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg, ein erstes Ausrufezeichen, folgten zuletzt unglückliche Niederlagen gegen die favorisierten Teams aus Hoffenheim (1:3) und Freiburg (1:2).

„Mit der Grundtendenz und dem Weg, den wir gehen, bin ich sehr zufrieden, mit den Ergebnissen aus den letzten beiden Spielen auf gar keinen Fall“, sagt Horsch. Für seine Mannschaft sei da deutlich mehr möglich gewesen, als nur phasenweise auf Augenhöhe mitzuspielen. Von daher hätten er und seine Spielerinnen „auch eine Portion Ärger und Wut in der Tasche“. Gegen den 1. FC Köln soll nun wieder ein Sieg her. Der „Effzeh“ gilt als Gegner, der sich auf ähnlichem Niveau wie Werder Bremen bewegt, hat aber schon einen Sieg mehr geholt. „Sie sind erfolgreich in die Saison gestartet, aber bieten auch durchaus Möglichkeiten an, wie man sie bespielen und bearbeiten kann“, sagt Horsch. „Wir versuchen, unsere Stärken auf den Platz zu bringen – und die Kulisse mitzunehmen.“ Denn ganz ausblenden kann und soll man das Publikum eben auch nicht: „Das ist einfach ein Push, den du mitnehmen kannst. Das wissen wir aus dem letzten Spiel im Weserstadion, das hat uns getragen und nach vorne getrieben.“ Nina Lührßen wird sich wärmstens daran erinnern. (han)

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