Nach 4:0 gegen Gladbach

Mit viel Energie zu neuer Euphorie: Bei Werder Bremen gibt es nicht nur einen Schlüssel, der zum Erfolg führt

Der 4:0-Sieg in Gladbach hat rund um den SV Werder Bremen eine Euphorie entfacht. Was sind die Gründe für den Aufschwung? Was macht Horst Steffen richtig? Und was könnte daraus entstehen?

Bremen – Erst die spektakuläre Schlussphase gegen Leverkusen, dann der beeindruckende Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach – fertig ist der kollektive Stimmungsumschwung rund um den SV Werder Bremen. Aus der Angst vor dem Auftaktprogramm ist plötzlich eine Euphorie geworden, auch bundesweit sorgen die jüngsten Darbietungen der Norddeutschen für Eindruck. Manch Fan träumt angestachelt von späten Transfers und guten Ergebnissen gar schon wieder von glorreichen Monaten, die Werder bevorstehen. Am Osterdeich selbst bewegt man sich lieber nicht am Rande der emotionalen Extreme – sondern bevorzugt die Komfortzone dazwischen. „Natürlich bekommen wir die Reaktionen mit und wir freuen uns auch über die guten Leistungen der Mannschaft“, sagt Peter Niemeyer bei aller Zufriedenheit mit dem jüngsten Trend. Der Leiter Profifußball des SVW betont jedoch auch im Gespräch mit der DeichStube: „Bei uns gilt: Genauso wie vorher die äußere negative Betrachtung der Dinge bei uns intern nicht vorhanden war, gibt es bei uns auch jetzt nicht diesen extrem positiven Umschwung. Wir analysieren unsere jeweilige Situation und ziehen dann daraus unsere Schlüsse für das weitere Vorgehen.“

Beim SV Werder Bremen um Kapitän Marco Friedl ist die Stimmung nach dem 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach richtig gut

Horst Steffen über Werder Bremens Aufschwung: „So ergibt sich Gelassenheit und Freiheit im Team“

Der Blick auf die Gründe des Aufschwungs ist dabei mehr als interessant. Natürlich sind da die Neuverpflichtungen, die die Verantwortlichen des SV Werder Bremen auf der Zielgeraden noch geholt haben. Sie versprechen nicht nur mehr Qualität, sie bringen sie auch direkt auf den Platz – was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Besonders bemerkenswert: Aufgrund der ersten Länderspielphase der Saison hat der neu zusammengebastelte Kader noch nicht einmal über einen längeren Zeitraum miteinander trainieren können. Der Leistung tat dieser Umstand zuletzt dennoch keinen Abbruch. Was automatisch die Frage aufwirft, was mit dieser Mannschaft erst möglich ist, wenn sämtliche Abläufe flächendeckend verinnerlicht wurden.

Und an dieser Stelle kommt Horst Steffen ins Spiel. Der Trainer des SV Werder Bremen hat während der Sommervorbereitung nie öffentlich gemurrt, als es nicht lief und Transfers auf sich warten ließen. Er bewahrte die Ruhe, verlor nie seinen Optimismus und hielt stets an seiner ihm eigenen Marschroute fest: „Ich will immer das Gefühl haben, dass die Kabine funktioniert und die Jungs sich untereinander verstehen. Dafür müssen sie was tun, aber auch wir als Trainerteam“, erläuterte der 56-Jährige jetzt noch einmal. Atmosphärische Störungen haben bei ihm keinen Platz. „Wir wollen korrekt sein, ordentliche Analyse machen, vernünftig miteinander umgehen und herzlich zu allen sein. Da ist es egal, ob die Spieler von Beginn an spielen, gar nicht dabei waren oder Torjäger sind. Wir wertschätzen alle! So ergibt sich eine Gelassenheit und Freiheit im Team, dass sich alle gut verstehen können.“

Werder Bremens Mio Backhaus schwärmt von Gruppendynamik nach personellen Veränderungen

Ein Boden, auf dem nun erste Früchte gedeihen. Mio Backhaus schwärmte bereits am DAZN-Mikrofon nach dem Erfolg am Niederrhein: „Ich bin jetzt das dritte Jahr bei den Profis und ich weiß nicht, ob wir schon mal so eine gute Gruppendynamik hatten.“ Eben auch, weil es personelle Veränderungen gab. Geben musste. Auf der Trainerbank. Auf dem Rasen. Ehemalige Leistungsträger haben den Club im Sommer verlassen, die entstandenen Lücken werden aktuell mit reichlich Bewegung ausgefüllt – sportlich wie menschlich. Horst Steffen kann den Fokus noch mehr auf Gegenwart und Zukunft richten, während die Verdienste der Vergangenheit bei aller Bedeutung für den Verein nun leichter eine sekundäre Rolle spielen können. Daraus ergibt sich eine Formel, die Werder Bremen wieder siegen lässt.

Trainer Horst Steffen funktioniert bei Werder Bremen - Neuzugänge integrieren sich schnell ins Team

„Wir sind vollkommen überzeugt von jedem einzelnen Spieler. Wir verfügen über einen ganz spannenden Kader, in dem es ein hohes Energielevel gibt“, hebt Niemeyer hervor. „Alle Jungs identifizieren sich voll und ganz mit der Aufgabe bei Werder. Auch ich nehme wahr, dass sich die neuen Spieler sehr schnell integrieren – das passiert aber aufgrund mehrerer Komponenten: Einige Spieler kannten sich bereits untereinander, darüber hinaus haben wir großen Wert daraufgelegt, Spielertypen zu verpflichten, die komplett zum Verein und unserem Weg passen. Dazu kommt, dass bereits eine Mannschaft vorhanden ist, die neue Einflüsse auch zulässt.“

Wie auch Horst Steffen. „Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Mentor“, erklärte Mio Backhaus, der zweifelsfrei einer der Profiteure der sommerlichen Entwicklungen ist. „Ein überragender Mensch, der weiß, wann er einen in Ruhe lassen und wann er einen pushen muss.“ Mit dieser Philosophie hat er den SV Werder Bremen nach drei Spieltagen auf Rang neun geführt. Eine Momentaufnahme, mehr nicht. Aber eine, die vielerorts für ziemlich gute Laune sorgt. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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