Nachbericht

Lange mangelhaft, dann magisch: Werder hofft nach Sieg gegen Wolfsburg auf die fußballerische Initialzündung

Der SV Werder Bremen hat gegen den VfL Wolfsburg spät einen etwas glücklichen Sieg eingefahren, muss sich aber fußballerisch dringend weiterentwickeln. Der Nachbericht.

Bremen – Peter Niemeyer hatte am späten Freitagabend diese kleine Befürchtung, nicht wirklich drängend, aber doch präsent – deshalb musste sie raus, direkt und ohne Umschweife. „Ich hoffe, dass heute nicht zu viele Fans zu früh gegangen sind“, sagte der Leiter Profifußball augenzwinkernd, kurz nachdem sein SV Werder Bremen einen späten, wirklich sehr späten 2:1-Heimerfolg gegen den VfL Wolfsburg eingefahren hatte.

Jens Stage (83.) und Samuel Mbangula (90.+4) waren es, die den 0:1-Rückstand aus der ersten Halbzeit tatsächlich noch drehten und damit für eines dieser speziellen, ja beinahe magischen Erlebnisse sorgten, wie sie das Weserstadion produzieren kann. Gleißendes Flutlicht, der Boden tief und die Luft feucht – und ab einem bestimmten Moment regelrecht vibrierend, weil auf den Rängen das Gefühl entsteht: Hier kann noch Großes passieren! „Das war elektrisierend“, staunte Torschütze Stage, „so eine Atmosphäre gibt dir auf dem Platz das gewisse Extra.“ Und nicht zuletzt: drei weitere Punkte. Am Freitagabend war das nur eine von etlichen erfreulichen Werder-Zahlen, die unter dem Strich über weiterhin bestehende fußballerische Mängel hinwegsehen ließen.

Werder Bremen hat gegen den VfL Wolfsburg spät das Spiel gedreht und doch noch den dritten Heimsieg in Serie gefeiert.

Werder Bremen im Aufschwung: Fünf Spiele ohne Niederlage - aber das Team tut sich fußballerisch weiter schwer

Nehmen wir zum Beispiel die Fünf, denn sie beschreibt die Spiele in Serie, die Werder Bremen in der Bundesliga nun schon nicht mehr verloren hat. Oder die Elf, die für die gesammelten Punkte in diesem Zeitraum steht. Weiter? Da wäre noch die Vier (Anzahl der Gegentore seit Ende September) oder – am Freitagabend besonders beliebt – die Sieben, die zumindest über Nacht Werders Tabellenplatz markierte, die Verantwortlichen aber nicht unnötig zu Träumereien veranlasste.

„Wir bleiben auf dem Boden, denn wir sehen ja in jedem Spiel, dass es ganz, ganz harte Arbeit ist, in der Bundesliga Punkte zu sammeln“, hielt Cheftrainer Horst Steffen fest – und benannte damit einen ganz wesentlichen Aspekt. Denn wie schon in den Vorwochen hatte sich der SV Werder Bremen auch gegen stark kriselnde Wolfsburger lange schwer bis sehr schwer getan, ehe die Tür am Ende doch noch zweimal entscheidend aufging.

Werder Bremen wird gegen defensives VfL Wolfsburg immer druckvoller und belohnt sich spät

„In der ersten Halbzeit war es mir zu viel Larifari“, sagte Steffen, dessen Mannschaft zwar spielbestimmend, aber eben auch weitestgehend harmlos gewesen war – gegen einen Gegner, der sich vornehmlich aufs Verteidigen konzentrierte, dann aber durch Mattias Svanberg plötzlich doch einmal zustach und in Führung ging (28.). „Das war ein harter Schlag, denn wir hatten das Spiel eigentlich im Griff“, sagte Stage, bei dem sich dennoch mehr und mehr folgendes Gefühl einstellte: „Ich wusste, dass wenn wir so weiterspielen, es am Ende noch Punkte gibt.“ In der Halbzeitpause sei das ebenfalls Tenor gewesen.

Ein Eindruck, der sich nach Wiederbeginn auch peu à peu auf den Tribünen breitmachte, weil der VfL Wolfsburg immer passiver und Werder Bremen immer druckvoller wurde. „Gegen Ende kamen dann auch klare Torchancen hinzu“, sagte Steffen, der vor allem den Einwechselspielern großen Anteil daran zusprach: „Wir haben wieder gute Jungs reinbringen können, die für Belebung gesorgt haben.“ Das entscheidende 2:1 war schließlich eine äußert ansehnliche Co-Produktion der beiden Joker Victor Boniface und Mbangula. Woraufhin das Weserstadion förmlich explodierte und die klamme November-Kälte augenblicklich verschwunden war.

Werder Bremen schlägt VfL Wolfsburg, muss sich aber dringend verbessern - denn jetzt geht‘s gegen Ole Werners RB Leipzig

Zur Beruhigung von Peter Niemeyer sei gesagt: Auf den Heimweg hatte sich da noch keine nennenswerte Anzahl an Zuschauern gemacht, die Ränge waren proppenvoll und glücksbeseelt. Für Werders Profis boten sie ein mehr als angenehmes Bild, mit dem es sich hervorragend in die nun anstehende Länderspielpause gehen lässt. Zeit, die Horst Steffen dazu nutzen möchte, mit seinem Team fußballerisch weiterzukommen, denn nötig ist das definitiv – ganz grundsätzlich, aber speziell auch beim Blick auf den kommenden Gegner.

Am Sonntag, 23. November, gastiert Werder Bremen ab 15.30 Uhr bei Spitzenteam RB Leipzig, bedeutet: Es kommt zum Wiedersehen mit Ex-Trainer Ole Werner. „Das wird nochmal ein ganz anderes Brett“, betonte Niemeyer, „wir befinden uns aber auf einem guten Weg. Unsere 15 Punkte nimmt uns keiner mehr weg, und auch fußballerisch war es gegen Wolfsburg wieder ein Schritt in die richtige Richtung.“ Darüber hinaus hofft der Leiter Profifußball auf eine Art Extraschub, ausgelöst durch die Magie am Freitagabend: „Solche Spielverläufe machen etwas mit einer Mannschaft und können etwas auslösen.“ (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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