Werder im Halbjahresfazit
Holprige Hinrunde, klare Aufgaben: Werder Bremen vor einem richtungsweisenden Januar
Der SV Werder Bremen hat eine holprige erste Saisonhälfte hinter sich: Was zu Beginn des neuen Jahres wichtig wird und welche Aufgaben gelöst werden müssen!
Bremen – Abgeschlossen ist die Hinrunde der Fußball-Bundesliga für den SV Werder Bremen offiziell zwar erst Mitte Januar, wenn auch die beiden Begegnungen gegen die TSG Hoffenheim (10.1/DeichStube-Liveticker) und bei Borussia Dortmund (13.1) absolviert sind. Dennoch ist es zum Ende des Jahres an der Zeit, auf die bisherigen 15 Spieltage zurückzublicken und ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. „Unter dem Strich haben wir eine ordentliche Punkteanzahl geholt, besitzen dort – genauso wie bei der fußballerischen Leistung – aber noch Potenzial nach oben“, sagt Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, im Gespräch mit der DeichStube.
Werder Bremens Peter Niemeyer: „Zu diesem ersten halben Jahr gehört, dass wir deutlich mehr Verletzte hatten als in den Jahren zuvor“
Nach 15 absolvierten Partien steht der SV Werder Bremen mit 17 Zählern auf Rang zehn der Tabelle. Während der Anschluss an die oberen Plätze bereits etwas entfernt ist, beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang fünf Punkte. Überspitzt formuliert befinden sich die Grün-Weißen aktuell also etwas im Niemandsland der Tabelle. Große Euphorie kommt im Umfeld des Vereins daher nicht auf – ein Umstand, den auch die Verantwortlichen am Osterdeich seit Wochen registrieren und der dort nur bedingt auf Verständnis stößt. „Wir sind mit dem bisher Erreichten auch nicht zufrieden“, stellt Peter Niemeyer zunächst klar, macht aber auch deutlich: „Wir wollen uns als gesamtes Team verbessern und wünschen uns, dass es schneller funktioniert. Aber das klappt eben nicht immer, da es ein Prozess ist.“
Ein Prozess, der in den vergangenen knapp sechs Monaten einige Hürden bereithielt. „Wir haben im Sommer ganz bewusst Veränderungen im Kader vorgenommen“, so Peter Niemeyer. Viele der Neuzugänge kamen jedoch erst auf den letzten Drücker, weshalb sich die Mannschaft unter dem neuen Cheftrainer Horst Steffen während der Vorbereitung kaum kennenlernen oder einspielen konnte. Hinzu kam anhaltendes Verletzungspech, das dazu führte, dass wichtige Akteure wie Mitchell Weiser oder Felix Agu über einen langen Zeitraum ausfielen und andere Spieler wie Jens Stage oder Amos Pieper teilweise ohne große vorherige Trainingsbelastung wieder auf den Platz zurückkehrten. „Zu diesem ersten halben Jahr gehört außerdem, dass wir deutlich mehr Verletzte hatten als in den Jahren zuvor. Zudem hatten wir viele Jungs dabei, die keine richtige Vorbereitung bei uns hatten, und auch das hat sich in den ersten 15 Spieltagen teilweise widergespiegelt“, erklärt Niemeyer. All das hatte Einfluss auf das insgesamt holprige erste Halbjahr des SV Werder Bremen.
Werder Bremens Peter Niemeyer: „Auf der Zugangsseite werden wir schauen, ob es einen Spieler gibt, der uns weiterhelfen kann“
Als alleinige Erklärung für die bislang nur bedingt erkennbare spielerische Weiterentwicklung – insbesondere für die blutleeren Auftritte im Dezember beim Nordderby in Hamburg (2:3) oder bei der deutlichen Heimniederlage gegen Stuttgart (0:4) – taugen diese Faktoren allerdings nicht. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass Werder Bremen weiterhin nur eingeschränkt Lösungen findet, um offensiv gefährlich zu werden. Nach 15 Spieltagen stehen lediglich 18 Tore zu Buche, acht davon fielen bereits an den ersten drei Spieltagen. Vor allem im Sturmzentrum drückt der Schuh: Die beiden Mittelstürmer Keke Topp und Victor Boniface warten weiterhin auf ihre ersten Saisontore. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass der nigerianische Angreifer aktuell mit einer Knieverletzung ausfällt und möglicherweise sogar eine Operation benötigt, sondieren die Bremer daher auf dieser Position im Winter den Markt. „Auf der Zugangsseite werden wir schauen, ob es einen Spieler gibt, der uns weiterhelfen kann“, betont Peter Niemeyer. Der interne Fokus liegt dabei klar auf der Position des Mittelstürmers. Weitere Transfers auf Leihbasis sind zwar, wie zu hören ist, nicht ausgeschlossen, derzeit jedoch nicht besonders wahrscheinlich.
Klar ist: Sowohl auf Peter Niemeyer als auch auf Clemens Fritz, Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen, wartet ein intensiver und arbeitsreicher Januar. Denn nicht nur auf der Zugangs-, sondern auch auf der Abgangsseite könnte Bewegung entstehen. Mit Julian Malatini, Skelly Alvero, Isak Hansen-Aarøen, Leonardo Bittencourt sowie durch das auslaufende Leihverhältnis von Naby Keïta gibt es mehrere Kandidaten für einen Winterwechsel. „Es ist klar, dass wir einige Jungs haben, die mit ihrer Spielzeit nicht zufrieden sind. Bis jetzt ist aber noch kein Spieler mit einem Angebot auf uns zugekommen“, stellt Niemeyer klar.
Vier Europapokal-Aspiranten zum Jahresstart: Werder Bremen steht vor schwierigen Wochen
Spannende Wochen stehen demnach am Osterdeich bevor. Neben möglichen Bewegungen auf dem Transfermarkt wartet auf das Team von Cheftrainer Horst Steffen ein anspruchsvolles Auftaktprogramm ins neue Jahr: Mit der TSG Hoffenheim, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Bayer 04 Leverkusen trifft Werder zum Auftakt auf gleich vier Europapokal-Aspiranten. Viel Zeit, um in das neue Jahr hineinzufinden, bleibt den Grün-Weißen also nicht. Positiv stimmt, dass mit Maximilian Wöber sowie im Laufe des Januars auch mit Felix Agu zwei Profis nach langer Verletzungspause zurückerwartet werden und den Konkurrenzkampf weiter anheizen sollen. Intern ist man zudem überzeugt, dass trotz des 0:0 in Augsburg die gesamte letzte Woche ein Schritt nach vorne war, da die Mannschaft sowohl im Training als auch im Spiel bei den Fuggerstädtern eine deutlich verbesserte Intensität und Einstellung gezeigt hat. Von Sorgen oder gar Krisenstimmung ist am Osterdeich – trotz nur zwei Punkten aus den letzten fünf Partien – deshalb derzeit keine Rede. Der Blick auf die Tabelle gibt dafür bislang auch (noch) keinen Anlass. Der bevorstehende Monat dürfte dennoch auf vielen Ebenen ein äußerst entscheidender für den SV Werder Bremen werden – damit die Saison auch bis zum Ende einigermaßen sorgenfrei bleibt. (bvo)
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