Keine weitere Amtszeit?

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald intern in der Kritik – folgt der freiwillige Abschied?

Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, steht intern in der Kritik.
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Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, steht intern in der Kritik.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald steht nach DeichStube-Informationen intern heftig in der Kritik und soll dazu bewegt werden, spätestens 2026 bei den Grün-Weißen auszuscheiden. Die Gründe.

Bremen – Bis zur nächsten Wahl dauert es noch: Erst im Herbst 2026 muss sich Hubertus Hess-Grunewald dem Votum der Mitglieder des SV Werder Bremen stellen, wenn er eine weitere Amtsperiode als Präsident des Vereins und damit auch als Aufsichtsratsvorsitzender erleben will. Doch schon jetzt ist das ein Thema im Club. Nach Informationen der DeichStube steht der 63-Jährige intern heftig in der Kritik und soll dazu bewegt werden, keine weitere Amtszeit anzustreben und spätestens 2026 den Weg für einen Nachfolger freizumachen – nach dann zwölf Jahren im Amt.
 
Auslöser für die neuerliche Debatte ist das Verhalten von Hubertus Hess-Grunewald Ende des vergangenen Jahres. Da tauchte er plötzlich wochenlang ab, war nicht mehr erreichbar und hatte darüber lediglich eine Person bei Werder Bremen informiert, die allerdings auch kaum für Aufklärung sorgen konnte. Niemand wusste, wie es Hess-Grunewald geht und wann er wieder zurückkehren werde. Dadurch geriet auch die Suche nach einem Nachfolger von Geschäftsführer Frank Baumann ins Stocken. Als Aufsichtsratsvorsitzender hatte Hess-Grunewald diese wichtige Personalie zur Chefsache erklärt – und war dann plötzlich weg. Deshalb dauerte es etwas, bis die anderen Mitglieder des Kontrollgremiums den Prozess so richtig in Gang brachten und gemeinsam mit einer beauftragten Agentur mögliche Kandidaten ausfindig machten – wie geplant als Alternativen zur internen Lösung Clemens Fritz. Mitte Januar war Hess-Grunewald plötzlich wieder da und soll sogleich die Arbeit der Kollegen bei der Suche nach einem neuen Baumann kritisiert haben. Das kam natürlich nicht gut an.

Präsident Hubertus Hess-Grunewald soll Investoren-Deal bei Werder Bremen intern skeptisch gesehen haben

Das Timing für sein Comeback hätte für Hess-Grunewald jedoch kaum besser sein können. Am 25. Januar verkündete der SV Werder Bremen seinen lang ersehnten Investoren-Coup, bei dem ein regionales Bündnis aus acht Unternehmern und Privatpersonen dem Verein 38 Millionen Euro für 18 Prozent der Anteile an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft für den Profisport bezahlt. Das Geld war dringend notwendig, um das negative Eigenkapital auszugleichen und wieder in den Kader investieren zu können. In seiner Funktion als Präsident präsentierte Hubertus Hess-Grunewald dieses bundesweit beachtete Modell stolz den Medien und damit auch der Öffentlichkeit. Solche Auftritte gehören genauso wie Reden speziell zu gesellschaftlichen Themen zur großen Stärke des Juristen. An dem Investoren-Deal an sich soll er weniger großen Anteil gehabt und sich eher skeptisch gezeigt haben – wohl auch aus Sorge vor der Reaktion der Mitglieder und der Fans.
 
Hubertus Hess-Grunewald scheut oft die Konfrontation und damit auch die Veränderung, er sitzt Probleme gerne aus. Das wird seit seinem Ausscheiden als Geschäftsführer immer mehr deutlich. Den Posten hatte er vor rund einem Jahr aufgrund einer Satzungsänderung aufgegeben. Nicht ganz freiwillig, schließlich wurde der Job sehr gut vergütet. Die Kritik an seiner Arbeit ist aber nicht neu. Da passte es einigen im Club ganz gut, dass speziell für den angestrebten Einstieg eines Investors die Strukturen angepasst werden mussten. Der Verein durfte als alleiniger Gesellschafter nicht mehr in der Geschäftsführung vertreten sein, sondern nur noch im Aufsichtsrat. So musste Hess-Grunewald in das Kontrollgremium wechseln. Sein finanzieller Schaden hält sich dabei allerdings in Grenzen, denn gleichzeitig wurden die Aufwandsentschädigungen für den Vorsitz des Aufsichtsrats, der möglichst vom Präsidenten des Clubs bekleidet werden soll, und vom Präsidenten selbst signifikant erhöht. Zudem ließ sich Hess-Grunewald für die SPD in die Bremische Bürgerschaft wählen und bekommt auch dafür eine Vergütung. In der Geschäftsführung des SV Werder Bremen übernahmen die neu eingesetzten Anne-Kathrin Laufmann und Tarek Brauer viele Aufgaben von Hess-Grunewald. Und auffällig war dabei: Plötzlich kam richtig Bewegung in Themen wie zum Beispiel Modernisierung des Leistungszentrums und Umbau des Gästeblocks im Weserstadion – nach jahrelangem Stillstand.

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Hubertus Hess-Grunewald hat die Entwicklung bei den Werder Bremen-Frauen lange vernachlässigt

Ähnliches gilt für den Bereich Frauen-Fußball bei Werder Bremen, um den sich Hubertus Hess-Grunewald lange Zeit als Geschäftsführer gekümmert hatte – oder eben auch nicht. Denn erst, als diese Abteilung 2022 vom neuen Aufsichtsrat in die Hände von Frank Baumann gegeben wurde, gab es dort zwingend erforderliche Veränderungen, um die zum Teil katastrophalen Bedingungen für die Frauen auf Platz 11 zu verbessern und auch andere Themen rund ums Team zu professionalisieren. Dort hat inzwischen eine enorme Entwicklung stattgefunden.
 
Apropos enorme Entwicklung! Die kündigte Hubertus Hess-Grunewald im vergangenen Jahr für die Mitgliederzahl des SV Werder Bremen an, die er von fast 50.000 auf 100.000 verdoppeln will – mit einer großen Kampagne als ersten Push. Die war eigentlich für die Feierlichkeiten rund um den 125. Geburtstag im Februar geplant, musste aus organisatorischen Gründen aber verschoben werden, was auch mit dem Abtauchen von Hess-Grunewald zu tun haben soll.

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Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald steht in allen Bereichen des Clubs in der Kritik

Beim Jubiläum stand der Präsident dann aber wieder genauso im Mittelpunkt wie bei der Vorstellung von Clemens Fritz als Baumann-Nachfolger. Er betonte dabei zwar, es seien alle Möglichkeiten geprüft worden, um die beste Lösung zu finden, er selbst soll daran aber gar kein großes Interesse gehabt haben. Er wollte offenbar den einfachen, also den direkten Weg mit Fritz gehen.
 
Kritik an Hubertus Hess-Grunewald gibt es inzwischen aus allen Bereichen des Clubs: Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Mitarbeiter, Präsidium und Mitglieder. Viele können das Verhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden und Präsidenten nicht nachvollziehen und wünschen sich eine Veränderung. Typisch Werder Bremen wird dabei nach einer möglichst harmonischen Lösung gesucht – um ein Führungschaos wie gerade beim VfB Stuttgart oder wie so oft beim Hamburger SV zu vermeiden. Deshalb soll Hess-Grunewald dazu gebracht werden, selbst seinen Rückzug einzuleiten – mit der frühzeitigen Ankündigung auf einen Wiederwahl-Verzicht, um die Suche nach einem Nachfolger zu erleichtern. Als eine aussichtsreiche Kandidatin gilt Vize-Präsidentin Claudia Lasch. Wie Hess-Grunewald darüber denkt, ist nicht bekannt. Er wollte sich auf Nachfrage der DeichStube aktuell nicht zu seiner Zukunft äußern. (kni)

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