Werder im Mittelfeld der Liga

Im Soll, aber nicht am Limit: Werder sucht weiter nach spielerischer Konstanz

Der SV Werder Bremen ist tabellarisch im Soll, spielerisch aber noch weit von der Wunschvorstellung entfernt - wie Peter Niemeyer als Leiter Profifußball die Lage bewertet!

Bremen – Wenn man nur auf die Tabelle schaut, liegt der SV Werder Bremen im Herbst 2025 absolut im Soll. Seit vier Partien ist das Team ungeschlagen und steht mit zwölf Zählern aus neun Spielen auf Rang neun. Gelingt am Freitagabend im Heimspiel gegen den kriselnden VfL Wolfsburg (20.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) der dritte Heimsieg in Serie, könnten die Bremer zumindest für eine Nacht sogar auf Platz sieben springen. Passt also eigentlich alles beim SV Werder – oder etwa nicht? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn insbesondere die beiden Auftritte bei den momentanen Tabellen-Schlusslichtern FSV Mainz 05 (1:1) und 1. FC Heidenheim (2:2) waren zuletzt nicht nur spielerisch, sondern auch von der Intensität gegen den Ball zu dürftig. „Das Positive ist, dass wir aktuell trotzdem die Punkte holen, obwohl wir noch nicht an unserem Leistungsmaximum agieren“, sagt Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer gegenüber der DeichStube, macht aber auch unmissverständlich deutlich: „Wir haben aber den klaren Anspruch, wieder attraktiveren und besseren Fußball zu spielen.“

Werder Bremens Peter Niemeyer: „Im Vergleich zum Spiel gegen Union war die Leistung gegen Mainz ein Rückschritt“

Das funktionierte zuletzt allerdings nicht nur in Mainz, sondern insgesamt nicht so, wie es sich das Trainerteam vorstellt. Immer wieder blitzt zwar in Ansätzen auf – wie etwa vor den Großchancen von Justin Njinmah und Marco Grüll am vergangenen Wochenende –, wie Werder sich schnell und vertikal in die Spitze kombinieren möchte. Doch es bleibt zumeist bei eben diesen Ansätzen. In den vergangenen Wochen sorgte daher oft die individuelle Klasse einzelner Spieler für die Punktgewinne – wie beim Treffer von Jens Stage gegen den FSV Mainz 05 oder dem Traumtor von Grüll gegen Union Berlin (1:0). Gegen Union hatte der SV Werder Bremen vor heimischer Kulisse zwar ebenfalls keine Glanzleistung in der Offensive gezeigt, insgesamt aber besonders in puncto Spielkontrolle und Intensität überzeugt. „Im Vergleich zum Spiel gegen Union und den Abläufen, die man dort bereits gesehen hat, war die Leistung gegen Mainz ein Rückschritt“, kritisiert Peter Niemeyer. Nicht nur Werders sportlicher Leiter, auch die Mannschaft selbst war mit dem Auftritt unzufrieden – zu viele Spieler kamen nicht an ihre Leistungsgrenze oder setzten die Vorgaben von Cheftrainer Horst Steffen nicht konsequent um. „Wir müssen noch bessere Entscheidungen treffen und das umsetzen, was der Trainer vorbereitet. Wir brauchen eine noch saubere Qualität und bessere Timings in unseren Läufen“, sagte etwa Torwart Mio Backhaus nach der Partie.

Auch Romano Schmid (links) ist spielerisch in dieser Saison noch nicht da, wo es der SV Werder Bremen gerne hätte.

Ein Indiz dafür, dass bei der erst spät zusammengestellten Bremer Mannschaft, die zudem in den vergangenen Wochen durch Verletzungen häufig durcheinandergewirbelt wurde, noch nicht alle Abläufe im neuen System sitzen. „Wir hatten über viele Jahre ein festes System, das sich bei den Spielern manifestiert hat. Jetzt gibt es viele neue Abläufe, und die brauchen ihre Zeit, bis sie sich verfestigen“, erklärt Peter Niemeyer. „Dabei gehört es leider manchmal dazu, dass es Leistungsschwankungen gibt.“ Zufrieden ist man intern bei Werder Bremen damit aber keineswegs. Vor allem Steffen, so ist zu hören, spricht die Fehler in der Kabine klar an und fordert von seiner Mannschaft eine noch größere Leistungsbereitschaft. Doch auch die Spieler selbst – allen voran Kapitän Marco Friedl und Kreativspieler Romano Schmid – zeigten zuletzt auf dem Platz durch Gesten und Körpersprache deutlich ihren Unmut. Allerdings ist es auch Schmid, der in dieser Saison bislang auf zwei Elfmetertore und zwei Vorlagen (in Heidenheim) kommt, der in dieser Spielzeit noch nicht konstant genug für die entscheidenden Impulse im Bremer Offensivspiel sorgt, wie man es in den vergangenen Jahren von ihm gewohnt war.

Werder Bremens Peter Niemeyer über Romano Schmid: „Wenn wir die Spielidee verinnerlichen, wird er auffälliger werden“

„Wenn wir es schaffen, die Spielidee von Horst komplett zu verinnerlichen, bin ich überzeugt, dass nicht nur Romano, sondern jeder Einzelne bei uns noch auffälliger wird“, betont Peter Niemeyer. Die Hoffnung bei Werder Bremen ist, dass die Mannschaft, solange schwächere Leistungen nicht mit Niederlagen bestraft werden, aus diesen Phasen lernt und sich langfristig entwickelt. Ein Spiel mit dem Feuer bleibt es trotzdem – denn mit Blick auf die in diesem Jahr noch kommenden Gegner (unter anderem RB Leipzig und der VfB Stuttgart) wäre es riskant, darauf zu setzen, dass auch durchschnittliche Leistungen regelmäßig Punkte bringen.

TV-Guide: So sehen Fans Werder Bremen live im TV und im Livestream gegen VfL Wolfsburg!

Ein Grund mehr, weshalb sich die Grün-Weißen nach dem späten Punktgewinn gegen den FSV Mainz 05 auch nicht überschäumend freuten, sondern weiterhin auf Optimierung fokussieren. „Mein Anspruch ist, dass ich gerne den Ball habe, ihn mit gezielten Aktionen nach vorne bringe, für Spektakel und Torgefahr sorge – und wenn das nicht gelingt, bin ich natürlich nicht zufrieden“, sagte Horst Steffen nach der Partie.

Es zeigt deutlich: Obwohl der SV Werder Bremen im Herbst 2025 tabellarisch auf dem richtigen Weg ist, steht der Verein spielerisch noch nicht dort, wo er hinmöchte. Negativ muss das jedoch keineswegs sein – schließlich lässt sich deutlich entspannter aus einer Position der Ruhe an Problemen arbeiten, als wenn bereits jetzt in der Tabelle erheblicher Druck auf dem Kessel wäre. (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Malte Ossowski / SVEN SIMON

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