Werder-Verteidiger im Gespräch
„Ich spüre, dass ich gut drauf bin“: Werder-Profi Deman im DeichStube-Interview über Abstiegskampf, seine Rolle und Zukunft
Olivier Deman spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle beim SV Werder Bremen und verrät, ob er mit dem SVW in die zweite Bundesliga gehen würde.
Bestens gelaunt erscheint Olivier Deman zum Interview-Termin mit der DeichStube, entschuldigt sich noch schnell für eine zweiminütige Verspätung. Doch die Zeit ist schnell aufgeholt, weil der Belgier im Gespräch ähnlich präzise und temporeich zu Werke geht wie auf der linken Außenbahn des SV Werder Bremen. Der 25-Jährige war eigentlich schon aussortiert und wollte wechseln, wurde dann aber doch wieder gebraucht und ist aktuell Stammkraft – nun lässt Deman die turbulenten Monate noch einmal Revue passieren und verrät, ob er mit Werder auch in die 2. Liga gehen würde.
Werder Bremens Olivier Deman im Interview über Daniel Thioune: „Ich bin ihm sehr dankbar für die Chance, die ich bekommen habe“
Dank der Länderspielphase hatten Sie ein paar Tage frei, wie haben Sie Ihre Freizeit genutzt?
Ich war in der Heimat, habe Familie und Freunde besucht und etwas entspannt. Wenn du aber alle unbedingt sehen willst, ist das manchmal auch recht anstrengend (lacht). Aber es hat viel Spaß gemacht.
Spaß hatten Sie zuletzt auch bei Werder. Chefcoach Daniel Thioune hat Sie kürzlich als „unersetzlich“ bezeichnet, als jemand, der genau das mitbringe, was Werder im Abstiegskampf benötige. Was bedeuten Ihnen solche Worte?
Davon hatte ich gar nichts mitbekommen, aber es sind natürlich schöne Worte vom Trainer. Das habe ich mir erarbeitet in den letzten Wochen und es verleiht natürlich zusätzliches Selbstvertrauen.
Haben Sie endlich mal wieder einen Trainer, der so richtig auf Sie steht, wie man im Fußball gern sagt?
Ich versuche eigentlich immer, mir über solche Dinge keine Gedanken zu machen. Ich bin ihm sehr dankbar für die Chance, die ich bekommen habe. Aber am Ende ist es doch so: Wenn ich es nicht gut gemacht hätte, dann hätte ich auch nicht so viel gespielt. Ich probiere nun, dem Coach jede Woche zu zeigen, dass er sich richtig entschieden hat.
Ihr direkter Konkurrent auf der linken Seite ist Felix Agu – und damit ein Spieler, den Daniel Thioune schon lange kennt und ebenfalls sehr schätzt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie in den nächsten Wochen Stammspieler bleiben?
Auch darüber denke ich nicht großartig nach. Für mich ist wichtiger, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind und Spiele gewinnen, damit wir so schnell wie möglich aus dem Abstiegskampf raus sind.
Werder Bremens Oiivier Deman über einen Winter-Wechsel: „Wenn du nicht spielst, dann ist es anz klar, dass man sich umschaut“
Wir drehen die Zeit für einen kurzen Moment zurück: Weihnachten 2025 ist gerade vorbei, der Jahreswechsel steht an – für wie wahrscheinlich haben Sie es gehalten, dass Sie jetzt noch bei Werder sind?
Das ist schwer zu beantworten. Im Winter war die Situation ganz anders als jetzt, es war komplett offen, was passieren wird. Ich will aber nicht zu sehr zurückschauen. Für mich ist das einfach nur wieder ein Beweis dafür, wie schnell es im Fußball gehen kann.
Wollten Sie gern weg?
Wenn du nicht spielst und das Gefühl hast, dass du nicht richtig dazugehörst, dann ist es als Profi ganz klar, dass man sich umschaut. Man überlegt, wo man mehr Einsatzzeit und Spielfreude bekommen kann. Jetzt habe ich sie aber wieder bei Werder, weshalb ich nicht mehr auf den Winter gucke.
Der FC Parma hat sich sehr um Sie bemüht, wie sehr hätte Sie ein Wechsel nach Italien gereizt?
Das ist eine interessante Mannschaft, die in einer schönen Liga spielt und es dort gut macht. Das wäre sicherlich eine gute Chance für mich gewesen. Aber es freut mich sehr, dass ich jetzt stattdessen hier meine Chance genutzt habe.
Ihr Vertrag läuft noch bis 2028. Wie sieht es mit dem Sommer aus: Können Sie sich vorstellen zu bleiben?
Auf jeden Fall. Für mich ist alles offen. Ich habe das immer so gesagt: Wenn ich das Gefühl habe, dass ich zur Mannschaft gehöre und auch spiele, dann bin ich sehr gern hier. Ich freue mich, bei Werder zu sein, das ist ein ganz toller Verein mit hervorragenden Fans. Wenn wir dann noch als Team so spielen wie in den letzten Wochen, dann macht es wirklich Spaß.
Würden Sie mit in die 2. Liga gehen?
Wie gesagt, ich bin für alles offen, aber ich werde erst einmal alles dafür tun, dass wir gar nicht erst so weit denken müssen.
Werder Bremens Olivier Deman über den Abstiegskampf „Wenn wir alle Spiele gewinnen, dann sind wir sicher“
Sieben Spieltage stehen in der regulären Saison noch an, in der Tabelle geht es äußerst eng zu. Wie viele Punkte wird Ihre Mannschaft zur Rettung noch brauchen?
Wenn wir alle Spiele gewinnen, dann sind wir sicher. (lacht) Aber im Ernst, das ist schwierig zu sagen. Wir dürfen am besten gar nicht auf die Tabelle schauen und gucken, was die anderen Mannschaften machen. Erst am Ende wird man wissen, wie viele zusätzliche Punkte wirklich reichen werden – vielleicht sind es sieben, eventuell brauchst du aber auch zehn oder nur fünf. Wichtig ist, dass wir alles in der eigenen Hand haben und auch noch gegen direkte Konkurrenten spielen. Wir können alles selbst entscheiden.
Waren Sie schon einmal in einer sportlich vergleichbaren Situation?
Ja, bei meiner ersten Profistation bei Cercle Brügge. Da war ich 20 Jahre alt und wir waren Vorletzter, als ich ab dem Winter Einsätze bekommen habe. Bis zum vorletzten Spieltag war nicht klar, ob wir die Liga halten, haben es dann aber geschafft. Ich bin damals in den letzten zehn Partien Stammspieler gewesen, für mich ist die Situation also nicht ungewohnt. Aber die Bundesliga besitzt natürlich nochmal ein anderes Niveau als die Jupiler Pro League in Belgien.
Belastet Sie die Werder-Situation im Privatleben?
Natürlich. Wir alle hier wissen, was von unserer Platzierung abhängt – nicht nur wegen uns, sondern wegen des ganzen Vereins und der Leute, die hier arbeiten. Und selbstverständlich auch wegen der Fans. Aber genau deshalb arbeiten wir auch unter der Woche sehr hart, um so gut wie möglich zu spielen. Gleichzeitig machen wir uns aber auch nicht zu viele Gedanken darüber, denn das sorgt sonst nur für Extra-Stress, den keiner braucht am Wochenende.
Wie oft haben Sie sich eigentlich Ihr wunderschönes Tor gegen Union Berlin nochmal angeschaut?
Manchmal, aber jetzt auch nicht so häufig. Mitunter sehe ich es noch in meiner Timeline, auch direkt nach dem Spiel habe ich es oft geschickt bekommen. Dann schaut man natürlich hin, aber inzwischen nicht mehr so oft.
War dieser Treffer auch ein Signal nach dem Motto: „Ich kann es noch“?
Ich habe immer gewusst, dass ich solch einen Schuss kann und habe immer Vertrauen in meine Qualitäten gehabt. Im Januar habe ich auch mit Clemens Fritz und Peter Niemeyer zusammengesessen und darüber gesprochen. Dieses Tor hat mir sicherlich gutgetan, aber ich habe danach nicht automatisch gesagt, dass ich noch Fußballspielen kann.
Werder Bremens Olivier Deman: „Es wäre schön, wenn ich auch mal einen Titel gewinnen oder europäisch spielen könnte“
Wie hart war die Zeit im vergangenen Sommer, als Sie eigentlich eine ordentliche Vorbereitung gespielt und sich dann noch vor dem ersten Liga-Spiel einen Knöchelbruch zugezogen haben?
Ich fand auch, dass ich eine gute Vorbereitung hatte, habe immer gespielt. Eigentlich sollte ich dann auch zum Ligabeginn in der Startelf stehen, doch dann passierte zwei Tage vorher diese Verletzung. Das war schon hart.
Wie gelingt es, in solch einer Phase positiv zu bleiben?
In den ersten drei, vier Tagen nach der Operation war das schwierig. Ich habe dann aber versucht, durch Freunde und Familie auf andere Gedanken zu kommen. Und ich habe mich daran erinnert, dass ich den Job machen darf, den ich als Kind unbedingt machen wollte. Manchmal ist es zwar schwer, aber wir können uns alle freuen, dass wir Fußballprofis sein dürfen. Und dann musst du den Schalter eben so schnell wie möglich wieder umlegen und nach vorne schauen.
Sind Sie komplett schmerzfrei?
Ja, da gibt es keine Probleme.
Sie werden am kommenden Montag 26 Jahre alt: Wie sehen die Wünsche und Ziele Ihrer weiteren Karriere aus?
Ich hoffe, dass ich noch sehr lange und sehr viel spielen kann. Und natürlich möchte ich keine größere Verletzung mehr haben. Es wäre schön, wenn ich auch mal einen Titel gewinnen oder europäisch spielen könnte. All diese Ziele habe ich noch im Kopf, aber in erster Linie will ich einfach gesund und glücklich sein.
Erlebt der SV Werder gerade den besten Olivier Deman, den es gab und gibt?
Als ich nach Bremen gekommen bin, war ich 23 Jahre alt. Mein erstes halbes Jahr war ordentlich, da habe ich auch schon einige ordentliche Spiele gemacht. Die Leihe im letzten Jahr hat mir auch gutgetan. Aber nach meiner Verletzung fühle ich mich im Moment richtig gut, denn ich habe nebenbei auch körperlich noch zusätzlich an mir gearbeitet. Ich spüre, dass ich gut drauf bin. (mbü)
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