Werder-Profi im DeichStube-Interview

„Kann mir definitiv vorstellen, zu bleiben“: Werder-Verteidiger Niklas Stark über seine Zukunft und Zurückhaltung beim Thema Europa

Im Interview mit DeichStube-Reporter Bjarne Voigt (links) spricht Niklas Stark (rechts) über seine Zukunft beim SV Werder Bremen, die Zurückhaltung beim Thema Europa und den Abschied von Oliver Burke!
+
Im Interview mit DeichStube-Reporter Bjarne Voigt (links) spricht Niklas Stark (rechts) über seine Zukunft beim SV Werder Bremen, die Zurückhaltung beim Thema Europa und den Abschied von Oliver Burke!

Im DeichStube-Interview spricht Niklas Stark über seine Zukunft beim SV Werder Bremen, die Zurückhaltung beim Thema Europa und den Abschied von Oliver Burke!

Bremen – Viermal in den vergangenen sechs Spielen hielt der SV Werder Bremen hinten die Null – ein Erfolg, an dem auch Innenverteidiger Niklas Stark einen großen Anteil hat. Im Interview mit der DeichStube spricht der gebürtige Franke darüber, warum es clever ist, öffentlich nicht allzu laut über Europa zu sprechen – und wie es um seine eigene Vertragssituation steht. Außerdem verrät der 30-Jährige, wie es sich als Winzer lebt und was er über den Abschied von Stürmer Oliver Burke denkt.

Herr Stark, Sie sind nun bald seit drei Jahren in Bremen. Steckt inzwischen ein bisschen Norddeutschland in Ihnen?

Mit Sicherheit – ohne dass ich es selbst groß merke oder ein konkretes Beispiel nennen könnte. Aber ich muss sagen: Die norddeutsche Art gefällt mir insgesamt sehr gut.

Sie stammen gebürtig aus dem Frankenland. Wie würden Sie den Unterschied zum Norden beschreiben?

Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, da fällt der Vergleich ein wenig schwer. Dort kennt man sich, und jeder grüßt jeden. Aber das ist hier mit dem klassischen „Moin“ gar nicht so anders. Während meiner Zeit in Berlin war das deutlich anonymer.

Dem Norddeutschen sagt man nach, eher sachlich und zurückhaltend zu sein. Ist das ein Grund dafür, warum das Team öffentlich eher vorsichtig mit dem Thema Europa umgeht?

Ich weiß nicht, ob das wirklich an der norddeutschen Art liegt. Aber ich finde den Weg genau richtig. Ich bin jemand, der in schwierigen Phasen nicht gleich den Teufel an die Wand malt – genauso wenig halte ich jetzt große Reden. Wir haben noch wichtige Aufgaben vor uns, und da ist es entscheidend, ruhig zu bleiben und unser Spiel durchzuziehen. Nur so kann man es schaffen.

Werder Bremens Niklas Stark im DeichStube-Interview: „Wir fahren gut mit der Devise: unseren Job machen und ruhig bleiben“

Gab es intern eine bewusste Entscheidung, keine Parolen in Richtung Europa auszugeben, um keinen zusätzlichen Druck zu erzeugen?

Um ehrlich zu sein: Ich genieße es gerade sehr, einfach auf dem Platz zu stehen, ohne das ganze Drumherum. Ich will mich voll auf meine Aufgaben konzentrieren und mich nicht von Gedankenspielen ablenken lassen.

Vor genau einem Monat sagten Sie in einer Medienrunde, dass die Saison noch nicht vorbei sei und Sie „als Team noch ein paar Spiele gewinnen wollen“. Haben Sie damals mit so einem Lauf gerechnet?

Dass wir den Turnaround schaffen – ja, daran habe ich geglaubt. Die Phase davor war nicht leicht, auch weil einige wichtige Spieler verletzt waren. Aber ich hatte schon damals das Gefühl, dass wir das als Team verkraften können. Zum Glück ist es auch so gekommen.

Mit Blick auf die Tabelle: Zwei Punkte Rückstand auf einen Europapokalplatz, noch vier Spiele – was ist für Ihr Team noch möglich?

Das Spiel gegen Bochum hat ganz gut gezeigt, wie schmal der Grat ist. Wenn wir dort die Geduld verloren und zu früh zu sehr auf Sieg gespielt hätten, hätten wir uns vielleicht einen Konter eingefangen. Deshalb fahren wir aktuell gut mit der Devise: unseren Job machen und ruhig bleiben. Vielleicht ist es dann vor dem letzten Spieltag soweit, das man mehr darüber spricht, wenn die Ausgangslage es hergibt.

Besonders defensiv konnten Sie als Team zuletzt eine Entwicklung zeigen. In vier der vergangenen sechs Spiele blieb Ihr Team ohne Gegentor. Was läuft in der Arbeit gegen den Ball besser als zu Beginn des Jahres?

Ein wichtiger Punkt ist, dass wir nahezu komplett sind und in den letzten Spielen kaum rotieren mussten. Das bringt Stabilität. Auf dem Platz stimmen die Kommunikation und die defensiven Abläufe im gesamten Team derzeit sehr gut.

Werder Bremens Niklas Stark über Marco Friedl: „Er ist in den letzten Jahren in die Kapitänsrolle richtig hineingewachsen“

In der vergangenen Woche hat Ihr Abwehrkollege Marco Friedl seinen Vertrag verlängert. Wie sehr freut Sie das?

Sehr! Er hat sich das absolut verdient. Marco ist in den letzten Jahren sowohl in die Bundesliga als auch in die Kapitänsrolle richtig hineingewachsen. Er macht einen super Job.

Würden Sie sich auch solche Sprechchöre wünschen wie bei Friedl, nach dessen Grätsche in letzter Sekunde gegen Bochum?

Die Szene war ja fast wie ein Tor. Deshalb finde ich es auch völlig richtig, dass man einen Verteidiger mal so feiert. Ich hoffe, ich komme auch mal in so eine Situation.

Vielleicht ja nach Ihrer Vertragsverlängerung...

(lacht) Guter Versuch. Die Stimmung an dem Tag war schon sehr positiv Marco gegenüber, das stimmt. Und er hat es dann auch zu Recht genossen.

Wie ist denn Ihre eigene Situation? Gab es bereits Gespräche mit dem Verein über Ihre Zukunft?

Wir haben uns kurz über die Zukunft unterhalten, aber wir sind da noch nicht wirklich weit. Den Rest behandeln wir intern. Wenn es etwas zu verkünden gibt, werden wir das mitteilen, aber aktuell ist das nicht der Fall.

Vor einigen Wochen sagten Sie, dass Sie tendenziell frühzeitige Klarheit bevorzugen. Was bedeutet für Sie „frühzeitig“?

Das ist schwer zu sagen, weil bislang noch nicht alle Punkte zwischen dem Verein und mir besprochen wurden. Daher lässt sich momentan noch nicht abschätzen, ob – und wenn ja, wie schnell – wir zusammenfinden werden.

Niklas Stark verrät im DeichStube-Interview, dass er sich vorstellen kann, beim SV Werder Bremen zu bleiben.

Werder Bremens Niklas Stark im DeichStube-Interview: „Ich fühle mich hier sehr wohl“

Würden Sie denn gerne in Bremen bleiben?

Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich liebe die Mannschaft und auch das Team drumherum. Ich kann mir definitiv vorstellen, hier zu bleiben.

Sie sind vor Kurzem 30 Jahre jung geworden. Haben Sie eigentlich so etwas wie einen Karriereplan? Bundesliga bis Mitte 30 und dann ab ins Ausland?

Stand jetzt sehe ich mich nicht in Amerika oder irgendwo anders weit weg spielen. Dafür bin ich in Deutschland einfach zu fest verwurzelt – auch geschäftlich. So weit weg zu sein, fände ich persönlich schwierig. Aber im Fußball kann man natürlich nie etwas komplett ausschließen.

Sie sprechen Ihre geschäftlichen Aktivitäten neben dem Fußball an. Unter anderem sind Sie im Weingeschäft tätig. Kann man Sie mittlerweile als Winzer bezeichnen?

Tatsächlich jetzt ganz offiziell! Ich habe kürzlich zu meinem Geburtstag Weinreben von meinem Opa geschenkt bekommen. Das ist schon ziemlich cool. Wenn ich Wein brauche, muss ich nur kurz anrufen, und schon wird mir was geschickt (lacht). Meiner Meinung nach schmeckt er auch richtig gut, das macht mir großen Spaß.

Neben dem Wein ist auch das Golfen eine große Leidenschaft von Ihnen. Dient der Sport eher als Ausgleich oder doch als weiterer Wettbewerb?

Sowohl als auch. Golf erfordert enorme Konzentration – jeder Schlag zählt. Aber genau deshalb hilft es auch beim Abschalten, weil man während des Spiels kaum andere Gedanken zulassen kann.

Werder Bremens Niklas Stark im DeichStube-Interview: „Ein Ziel wäre, die Marke von 300 Bundesliga-Spielen zu erreichen“

Sie spielen gern mit Mitchell Weiser und Amos Pieper. Wer ist von Ihnen aktuell der Beste auf dem Platz?

Wir müssen dringend mal wieder eine Runde zu dritt spielen, damit ich das aktuell beurteilen kann. Aber ich traue mir auf jeden Fall zu, eine gute Rolle zu spielen (lacht).

Zurück zum Fußball: Welche Ziele haben Sie noch in Ihrer Karriere?

Ein Ziel wäre zum Beispiel, die Marke von 300 Bundesliga-Spielen zu erreichen. Das schaffen nicht viele, und ich hätte früher nie gedacht, dass ich mal so viele Partien in der Bundesliga mache.

Ist noch einmal europäisch zu spielen ein weiteres Ziel? Sie haben ja bereits mit Hertha BSC Europa League-Erfahrung gesammelt…

Ja, wobei wir damals leider nicht die spannendsten Auswärtsspiele hatten. In derselben Saison hat Köln unter anderem bei Arsenal gespielt, das ist natürlich ein echtes Highlight. Europäisch zu spielen ist definitiv etwas Besonderes, aber es bedeutet auch eine andere Belastung. Viel Reisen, viele Spiele. Köln ist damals, glaube ich, sogar abgestiegen. Das muss man dann auch richtig einordnen. Wenn wir es schaffen würden, müssten wir mit viel Demut an die Sache herangehen.

Sie sagen es nicht ganz direkt – aber Europa wäre doch ein schönes Ziel, oder?

Es ist immer schön, wenn man ein positives Ziel vor Augen hat. Das haben wir uns in dieser Saison auch hart erarbeitet. Ich kenne auch Spielzeiten, in denen es nur darum geht, schlimmere Szenarien zu verhindern. Da strebe ich lieber etwas Positives an

Ein weiteres positives Szenario wäre womöglich eine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Gibt es diesen Wunsch bei Ihnen?

Ich tue mich schwer damit, bei solchen Dingen von einem „Wunsch“ zu sprechen. Für mich ist es wichtig, locker zu bleiben und nicht zu viel zu wollen. Ich bin ehrgeizig – manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu verbissen. Deshalb versuche ich, die Dinge auf mich zukommen zu lassen und einfach meinen Job hier bei Werder zu machen. Der Rest ergibt sich dann, oder eben nicht.

Werder Bremens Niklas Stark im DeichStube-Interview: „Die Ehrlichkeit untereinander gefällt mir sehr“

Werfen wir noch einen Blick auf die Mannschaft: Leo Bittencourt hat vor einigen Wochen in einem DeichStube-Interview gesagt, Werders Spieler seien untereinander wie Brüder – man hasst sich, aber nimmt sich nichts übel. Romano Schmid meinte, Sie würden sich als Team lieben. Was stimmt denn nun?

Haben Sie Geschwister?

Einen Bruder.

Den hassen Sie bestimmt auch mal, oder? (lacht) Wir sind als Fußballmannschaft natürlich irgendwo eine Zweckgemeinschaft – und trotzdem sind wir uns alle sehr ähnlich. Deshalb ist das schon vergleichbar mit einem besten Freund oder Bruder. Klar geht man sich mal auf den Keks, aber genau diese Ehrlichkeit untereinander gefällt mir sehr. Deshalb haben Leo und Romano beide absolut recht mit dem, was sie gesagt haben.

Sie haben vor einigen Wochen gesagt, dass viele Alpha-Tiere in der Mannschaft sind. Das klingt nach einer lebhaften Kabine.

Bei uns nimmt niemand ein Blatt vor den Mund, und das bedeutet, man weiß, woran man ist. Klar gibt es dadurch auch mal schwierigere Momente, weil unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und keiner so schnell zurückzieht. Das meinte ich mit den vielen Alpha-Tieren. Aber mit der Zeit kennt man die Standpunkte der anderen, und dann lässt es sich deutlich besser zusammenarbeiten.

Wie würden Sie Ihre eigene Rolle in dieser Konstellation beschreiben?

Ich schaue, dass es insgesamt passt. Wenn viele ihre Meinung äußern, halte ich mich auch mal etwas zurück. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass es die Situation erfordert, sage ich auch etwas.

Werder Bremens Niklas Stark im DeichStube-Interview über Oliver Burkes Abschied: „Es ist schade“

Der Verein hat am Mittwoch den Abgang von Oliver Burke bekanntgegeben. Was war Ihr erster Gedanke dazu?

Es ist schade. Burkey ist ein richtig guter Typ, und mit seinem Tempo hat er uns in den letzten Spielen echt weitergeholfen. Er ist schwer zu verteidigen. Ich glaube aber auch, dass ihm Berlin gut gefallen könnte, wenn das denn sein Ziel ist. Die Stadt passt zu ihm wie die Faust aufs Auge. Ich wünsche ihm auf jeden Fall nur das Beste.

Haben Sie Sorge, dass sein Abschied mitten im Saisonendspurt für Unruhe sorgen könnte?

Nein, diese Sorge habe ich nicht. Es gab auch in der Vergangenheit Dinge, die potenziell für Unruhe hätten sorgen können, und es ist nichts passiert. Wir wollen die letzten Spiele in dieser Konstellation als Team genießen und so erfolgreich wie möglich gestalten. Dafür müssen wir den Fokus bei uns behalten.

Nehmen Sie in der Mannschaft eigentlich wahr, wie groß die Euphorie im Umfeld vor den letzten Spielen ist?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe aber auch sehr reflektierte Stimmen von Fans gehört, die sagen: Europa wäre schön, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Das finde ich bemerkenswert, wenn Fans so realistisch denken. Natürlich würden wir alle sofort unterschreiben, dass es klappt. Aber wir haben eben noch ein paar Spiele vor uns. Deshalb: ruhig bleiben, auf uns schauen – und dann gucken wir, was am Ende dabei rauskommt.

Zum Abschluss: Welche Headline würden Sie sich von der DeichStube nach dem letzten Spieltag wünschen?

Stark köpft Werder zum letzten Sieg der Saison (lacht). (bvo)

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Kommentare