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Nach seinem zunächst stillen Abgang spricht Jiri Pavlenka nun doch noch über seinen emotionalen Abschied vom SV Werder Bremen. So blickt der Tscheche zurück - und voraus.
Bremen – Und plötzlich werden die Augen richtig feucht, Jiri Pavlenka kämpft gewaltig mit den Tränen. In der Hand hält er ein kleines Fotoalbum, das ihm der SV Werder Bremen zum Abschied geschenkt hat. Zu sehen sind Bilder aus sieben Jahren in Grün und Weiß – und ganz am Ende eine Aufnahme, auf der Pavlenka gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Kindern noch einmal im Weserstadion in „seinem“ Tor vor der Ostkurve und den Fans steht. „Ja, das ist das Schönste. Mit der ganzen Familie“, meint der 32-Jährige lächelnd, ehe er sichtlich gerührt mit dem Finger zwei Kreise auf das Foto malt: „Hier ist die eine Familie“, sagt der Tscheche über die vier Personen im Vordergrund, „und hier ist die zweite Familie“ über die Anhänger dahinter. Es ist das emotionale Ende einer Beziehung, die sehr lange hielt, größtenteils glücklich war und kürzlich für einen Spieler seiner Bedeutung recht still zu Ende ging. Medienanfragen hatte der Keeper allesamt abgelehnt, mit Werder sprach er noch ein letztes Mal.
Danke „Pavlas“! Die besten Paraden und emotionalsten Momente von Jiri Pavlenka bei Werder
Jiri Pavlenka nimmt Abschied vom SV Werder Bremen - nach sieben Jahren und 221 Pflichtspielen
„Meine Heimat ist zwar in Tschechien, aber irgendwie auch hier. Für uns ist Bremen wie ein zu Hause geworden“, sagt Jiri Pavlenka in dem Video-Interview und gewährt ein paar Einblicke ins Privatleben: „Mein Sohn hatte seinen letzten Tag im Kindergarten und hat sich dort von seinen Freunden verabschiedet. Ich muss sagen, dass ich auch fast geweint habe.“ Keine Frage, der Abschied fällt nicht leicht. 2017 war der Torhüter von Slavia Prag an den Osterdeich gewechselt, hatte sich in Windeseile den Respekt der Zuschauer verdient, weil da plötzlich wieder ein Mann zwischen den Pfosten in Bremen stand, der mit seinen vielen Rettungsaktionen auch mal Spiele gewann. In 221 Pflichtpartien hat Pavlenka letztlich für Werder Bremen die Handschuhe angezogen, stand zwischendurch auch mal in der Kritik. In der abgelaufenen Saison hatte er verletzungsbedingt seinen Stammplatz an Konkurrent Michael Zetterer verloren. Während der Zweitligasaison der Hanseaten hatte ihn schon einmal ein ähnliches Schicksal ereilt, doch die jahrelange Nummer eins schaffte den Sprung zurück in die Startelf. Dieses Mal gelang ihm das nicht mehr. Pavlenkas auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert, weshalb jetzt ein bedeutendes Kapitel endet – für Werder allgemein und Pavlenka ganz speziell.
Wohin wechselt Jiri Pavlenka nach seinem Aus bei Werder Bremen? Wahrscheinlich nicht zurück nach Tschechien
„Ab dem 1. Juli bin ich arbeitslos und muss mir einen neuen Job suchen“, witzelt der Schlussmann auch in dieser nicht ganz so einfachen Situation. „Wir machen als Familie aber erstmal Urlaub. Es gibt auch schon Kontakt mit dem einen oder anderen Verein. Wahrscheinlich bleiben wir nur für den Urlaub zu Hause in Tschechien und dann geht es wieder weg.“ Allzu viele ungemütliche Momente muss Jiri Pavlenka in seinem Abschiedsgespräch nicht mehr meistern, lediglich bei der unverzichtbaren Frage nach seinen Gefühlen wegen der Degradierung bei Werder Bremen und dem daraus resultierenden geplatzten EM-Traum wird es noch einmal kurz knusprig. „Das war natürlich sehr schwer. Allein aufgrund der Verletzung, weil ich sechs Wochen nicht trainieren und spielen konnte. Dann hat der Trainer entschieden, dass Zetti im Tor bleibt. Ich wusste, dass es mit der EM wahrscheinlich nicht klappen wird. Aber so ist es manchmal im Fußball.“ Und die einstige Nummer eins beweist erneut Humor, schiebt lachend hinterher: „Auf der anderen Seite habe ich das erste Mal längeren Urlaub, weil ich nicht bei der Nationalmannschaft bin. Das Leben geht weiter. Für mich ist immer noch meine Familie das Wichtigste.“
Dicht dahinter dürften die schönen Erinnerungen an seine lange Zeit bei Werder Bremen kommen. Wer ihm besonders fehlen wird? „Da kann ich nicht einfach einen Namen sagen. Das sind nicht nur Spieler, sondern auch Mitarbeiter, die ich alle vermissen werde“, betont Jiri Pavlenka. „Der Moment, in dem ich komplett realisiere, wie schön und geil diese Geschichte war, der kommt noch.“ (mbü)