Malatini trifft nach 91 Sekunden beim Debüt
Julian Malatini beim Debüt-Tor so fix wie Werder-Bremen-Rekordmann Sargent – dafür darf er nun tief in die Tasche greifen
Julian Malatini hat beim SV Werder Bremen einen Einstand nach Maß gefeiert. Der 22-jährige Neuzugang erzielte kurz nach seiner Einwechslung das wichtige dritte Tor beim Sieg gegen den SC Freiburg. Im Anschluss an den Sieg sprach Malatini selbst über sein gelungenes Debüt.
Bremen – Wenn es so läuft wie bei Julian Malatini, und das tut es im Fußball nur ganz selten, dann darf man auch strahlen. Kaum war der Neuzugang des SV Werder Bremen gegen den SC Freiburg auf dem Platz, schon wurde er zum gefeierten Matchwinner. Eingewechselt, 3:1 geschossen, Sieg eingetütet – eine dieser vielzitierten Geschichten, die nur der Fußball schreibt. „Ich bin sehr glücklich und sehr dankbar“, sagt der 22-jährige Abwehrspieler, der kürzlich erst aus Argentinien an der Osterdeich gewechselt war, nach seinem ganz besonderen Debüt und strahlt dabei auch in der Medienrunde in den Katakomben des Wohninvest Weserstadions über das ganze Gesicht. Fragt sich nur, ob ihm dieses Lächeln nicht noch ein wenig vergeht, wenn er hört, was ihm nun blüht.
„Ich weiß es noch nicht, der Kapitän hat mir noch nichts gesagt“, erklärt Julian Malatini, der von Co-Trainer Nelson Valdez gedolmetscht wird, auf die Frage, ob er nun für Debüt und Tor einen ausgeben müsse. „Wenn es sein muss, tue ich das sehr gerne.“ Doch das könnte für den jungen Mann vielleicht ein bisschen teurer werden. „Das werden wir uns noch überlegen. Ein bisschen muss er schon in die Geldtasche greifen“, kündigte Marco Friedl als Spielführer des SV Werder Bremen jedenfalls mit einem Grinsen an. Und ein klein wenig wird er den Argentinier vielleicht auch pieksen wollen: „Ich bin ein bisschen sauer, dass er das in zwei Minuten geschafft hat, was ich in 120 Spielen geschafft habe – ein Tor.“
Werder Bremens Julian Malatini braucht nur 91 Sekunden für sein erstes Tor in der Bundesliga
Tatsächlich waren es nicht einmal zwei Minuten, sondern gerade einmal handgestoppte 91 Sekunden, die Julian Malatini nach seiner Einwechslung für den ausgepumpten Felix Agu brauchte, ehe er einen Patzer von Freiburg-Verteidiger Attila Szalai ausnutze, auf Torhüter Noah Atubolu zuging, ihn ganz cool auswackelte und dann in aller Seelenruhe die Kugel mit links über die Linie schob, ehe er von einer Jubeltraube Bremer Spieler sekundenlang begraben wurde. Fraglos ein bemerkenswertes Debüt, das ihn in der ewigen Rangliste der schnellsten Torschützen beim Bundesliga-Debüt sogar prompt auf Platz fünf brachte – gleichauf mit einem gewissen Josh Sargent, der einst für Werder Bremen im Dezember 2018 auch nach exakt 91 Sekunden gegen Fortuna Düsseldorf traf. Schneller gelang das im grün-weißen Dress noch keinem Debütanten.
Erwartet hatte das von Julian Malatini keiner. „Wir waren alle überrascht“, sagt Werder Bremens Trainer Ole Werner. „Dass er vorne trifft, war nicht unbedingt der Gedanke, aber es schadet natürlich nicht.“ Schließlich hatte der Coach den jungen Abwehrspieler gebracht, um in den Schlussminuten die Defensive zu stärken, ein wenig Zeit von der Uhr zu nehmen und die knappe 2:1-Führung zu verteidigen. „Es ist jetzt nicht so, dass es seine Aufgabe war, als Rechtsverteidiger noch den Innenverteidiger anzulaufen. Aber er hat die Spielsituation erkannt, die vielversprechend war“, lobt Werner. Für einen Abwehrspieler habe Malatini die Chance „bemerkenswert ruhig“ ausgenutzt.
Werder Bremens Julian Malatini: „Ich wollte der Mannschaft etwas zurückgeben, weil sie mich sehr gut aufgenommen hat“
Das Debüt verlief perfekt, für die nähere Zukunft bremste Werner allerdings die Erwartungen an Malatini: „Julian ist ein junger Kerl, er ist zum ersten Mal raus aus seinem Heimatland, das nicht gerade um die Ecke liegt. Er wird sprachlich viel lernen müssen, kulturell, auch fußballkulturell.“ Die Unterschiede zu Argentinien seien einfach sehr groß. „Deshalb ist es sicherlich als Motivationshilfe gut, wenn man schon mal auf dem Platz stand und schon seinen Teil beitragen konnte, dass man als Mannschaft erfolgreich ist.“ Malatini werde noch „ein bisschen Zeit“ brauchen – und die werde er auch bekommen: „Wir arbeiten gemeinsam daran, dass er für uns die Verstärkung wird, die wir erwarten.“
Malatini selbst fühlt sich jedenfalls schon sehr wohl. „Ich wollte der Mannschaft etwas zurückgeben, weil sie mich sehr gut aufgenommen hat“, sagt der Südamerikaner. Auch dadurch habe er bei seinem Tor so viel Selbstbewusstsein unter Beweis stellen können. Bei seinen Kollegen dürften solche Aussagen gut ankommen – so wie Julian Malatini als Person auch gut ankommt. „Mich freut es extrem für ihn, weil er ein ruhiger, bodenständiger Typ ist“, sagt Werder Bremens Kapitän Friedl – und grinst: „Kostet aber trotzdem! Da kommt er nicht drum herum.“ (han/dco)