Rashica-Transfer
Kommentar: Von wegen Baumann scheut das Risiko
Max Kruse pokert gerne, das ist bekannt. Und offenbar hat er damit auch seinen Chef angesteckt. Ein Kommentar von Björn Knips.
Frank Baumann ist beim Transfer von Milot Rashica einfach mal All-In gegangen, wie es in der Pokersprache heißt. Er hat offenbar fast alles auf den Tisch geknallt, was er bei Werder im Geldspeicher fand, um diesen begehrten Außenstürmer zu bekommen.
Neun Millionen Euro Ablöse soll Rashica kosten, berichten niederländische Medien. Stimmt das, wäre der 21-Jährige der teuerste Transfer in der Werder-Geschichte. Er würde mehr kosten als ein Max Kruse. Schon ein Wahnsinn für einen Angreifer aus der niederländischen Eredivisie, die wahrlich nicht zu den Topligen Europas zählt. Und ganz ehrlich: Viele werden seinen Namen nun zum ersten Mal gehört haben – inklusive des Schreibers dieser Zeilen.
Fotostrecke: Milot Rashica in Bremen




Aber Stürmer sind nun mal teuer, im Winter meistens sogar noch ein bisschen mehr. Und Rashica bietet durchaus Fantasie. Er ist jung, hat ganz ordentliche Statistiken und konnte auch in der Europa League mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen. Behält er sein Tempo auch im schnellen Bundesliga-Alltag, dann kann er Werder nicht nur in der Rückrunde helfen, sondern auch ein Mann für die Zukunft werden. Einer, der irgendwann sogar weitaus mehr einbringt als die nun zu zahlende Ablöse. Diesen Weg hat Werder früher schon beschritten – oft mit Erfolg, aber eben auch nicht immer.
Werder kann sich einen Neun-Millionen-Euro-Flop nicht leisten
Das Problem nun: Erstens braucht Werder eine Soforthilfe, zweitens kann sich der Club einen Neun-Millionen-Flop gar nicht mehr leisten. Immerhin darf nun niemand mehr Baumann und Co. vorwerfen, sie würden zu wenig riskieren. Finanziell haben sie es gemacht und das Geld auch nicht in einen älteren Spieler gesteckt, der vielleicht einen großen Namen trägt, aber längst nicht mehr groß aufspielt.
Max Kruse hat vor einiger Zeit öffentlich Verstärkungen gefordert. Nun hat sein Chef für den Angriff geliefert. Und wer weiß, vielleicht kann Baumann sogar noch besser pokern als Kruse und hat bessere Konditionen als die bislang kolportierten Konditionen herausgeholt. Und vielleicht hat er auch ein echtes Ass aus dem Ärmel geschüttelt. Aber selbst ein Trumpf braucht ein bisschen Zeit zur Eingewöhnung, die sollte Milot Rashica gegeben werden, wenngleich das mit der Geduld im Abstiegskampf nicht so leicht ist.