Werder und Wohninvest wollen sich nicht äußern
Trotz ausbleibender Zahlungen: Werder steht zu Wohninvest - Bundesligist gibt Stadionsponsor Zeit, prüft aber auch Alternativen
„Wohninvest“, der Namensgeber des Weserstadions, befindet sich in einer finanziellen Krise. Werder Bremen steht nach DeichStube-Informationen weiter zu dem Sponsor.
Bremen – Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen, am Samstag soll so richtig gefeiert werden: Mit einem großen Festakt begeht der SV Werder Bremen am Abend nach dem Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) seinen 125. Geburtstag mit geladenen Gästen. Angesichts des sportlichen Höhenflugs, der die Abstiegssorgen beinahe hat verblassen lassen, sowie des Investoren-Einstiegs dürfte die Stimmung in der „Alten Werft“ in der Überseestadt bestens sein – allerdings gibt es bei Werder aktuell auch ein Thema, das eher weniger für unbeschwerten Party-Smalltalk taugt. Ganz im Gegenteil.
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Stadionsponsor Wohninvest seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Im Sommer 2019 hatte sich das Immobilienunternehmen aus Fellbach nahe Stuttgart für zehn Jahre die Namensrechte am Weserstadion gesichert, das seitdem den Vornamen Wohninvest trägt. Drei Millionen Euro fließen dafür pro Jahr an die Bremer Weserstadion GmbH (BWS), die als Betreiberin des Stadions je zur Hälfte dem SV Werder Bremen und der Stadt Bremen gehört. Dieser Geldfluss ist nun zum Erliegen gekommen.
Nach fianzieller KRise: Weder Werder Bremen noch Wohninvest wollen sich öffentlcih äußern
„Wir können bestätigen, dass es derzeit aufgrund der massiven Krise in der Bauwirtschaft Zahlungsverzögerungen gibt“, ließ sich BWS-Geschäftsführer Hans-Jörg Otto am Freitag via „Bild“-Zeitung zitieren. Darüber hinaus will sich keine der Parteien äußern. Sowohl Werder Bremen als auch Wohninvest, dessen Chef Harald Panzer sich seit Sommer 2023 vor dem Stuttgarter Landgericht wegen des Vorwurfs der Bestechung verantworten muss, lehnten entsprechende Anfragen der DeichStube ab.
Wie zu hören ist, haben die ausbleibenden Zahlungen in der Führungsetage am Osterdeich große Besorgnis ausgelöst, schließlich stehen fünf Jahre der bis 2029 vertraglich vereinbarten Partnerschaft noch aus – und damit fest einkalkulierte Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro. Nach Informationen der DeichStube hält Werder Bremen aber weiterhin zu Wohninvest und traut dem Unternehmen zu, die wirtschaftliche Schieflage zu beheben. Aus Stuttgart ist zu erfahren, dass Wohninvest den Bremern einen Termin signalisiert haben soll, an dem wieder Geld fließt. Mindestens bis dahin will sich Werder gedulden und die Entwicklung weiter beobachten. Parallel soll sich der Bundesligist aber bereits mit Szenarien beschäftigen, sollte Wohninvest tatsächlich gar nicht mehr zahlen können. Es wird also bereits nach einem Nachfolger gefahndet. Alles andere wäre in der aktuellen Situation auch fahrlässig.
Bei Werder Bremen geht man davon aus, dass Wohinvest auch in Zukunft Namensgeber des Weserstadions ist
Grundsätzlich wird die bisherige Zusammenarbeit mit Wohninvest bei Werder Bremen als reibungslos und erfolgreich verbucht. Dass das Unternehmen nach dem Abstieg 2021 auch in der 2. Liga zu gleichen Bedingungen weitermachte und den bis heute andauernden Gegenwind der Bremer Ultras still hinnahm und -nimmt, wissen sie am Osterdeich sehr zu schätzen. Auch das dürfte aktuell zum Verständnis für die schwierige Lage des Partners beitragen. Ebenso wie die Tatsache, dass Wohninvest Werder frühzeitig und transparent über die Schwierigkeiten unterrichtet hatte. Klar ist: Wenn die Bremer am Samstag ihr Heimspiel gegen Heidenheim austragen, wird das Weserstadion mit Vornamen weiterhin Wohninvest heißen. Bei Werder gehen sie derzeit davon aus, dass es auch danach noch lange so bleibt. Nur sicher ist das eben nicht. (dco)