„Es wird nicht großartig anders sein“

Ex-Manager Allofs sagt Werder nächste schwere Saison voraus – und würde einen Spieler auf keinen Fall abgeben

Ex-Manager Klaus Allofs sagt dem SV Werder Bremen eine weitere schwere Saison voraus - und würde einen Spieler auf keinen Fall abgeben!

Der Klassenerhalt ist geschafft, die Erleichterung groß. Schön war es nicht, aber immerhin hat der SV Werder Bremen gerade noch die Kurve bekommen. Weil drei noch schwächere Konkurrenten die sichernden Leitplanken dafür boten. Pünktlich zum grün-weißen Saisonfinale gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) hat die DeichStube am Abend zuvor zum großen DeichTalk geladen, in der Bremer Union Brauerei war dabei auf dem Podium auch den Werder-Legenden Thomas Schaaf und Klaus Allofs anzumerken, wie froh sie sind, dass das Zittern ein Ende hat. Aber: Letzterer glaubt nicht, dass es tabellarisch in der neuen Saison viel erfolgreicher ablaufen wird – so sehr sich das am Osterdeich auch alle wünschen. 

Ex-Manager Klaus Allofs sagt dem SV Werder Bremen eine weitere schwere Saison voraus - und würde einen Spieler auf keinen Fall abgeben!

Ex-Werder-Bremen-Manager Klaus Allofs: „Der Schlüssel zur Weiterentwicklung wird sein, bei dem einen oder anderen Transfer wirklich richtig gut zu liegen“

„Ich glaube, dass es im nächsten Jahr nicht großartig anders sein wird“, prognostizierte Klaus Allofs. „Nicht etwa, weil bei Werder schlechte Arbeit geleistet wird, sondern weil einfach die Voraussetzungen so sind. Da ist nicht so viel Luft. Nach ganz oben, wo es interessant wird und in Richtung internationale Wettbewerbe geht – da wird es schwer für Werder, diesen nächsten Schritt zu machen. Also heißt das im Umkehrschluss, dass Werder wieder eine schwierige Saison haben wird.“ Wichtig sei deshalb, dass die Ziele im Vorfeld nicht zu hoch angesetzt werden. „Wichtig wird sein, welche Erwartungshaltung man hat. Wenn man sagt, Werder kommt in den europäischen Wettbewerb, dann gibt es eine Enttäuschung. Aber wenn man eine möglichst sorgenfreie Saison spielen und nicht unten reinrutschen möchte, dann kann man auf eine Spielzeit schauen, mit der man gut leben kann. Der Schlüssel zur Weiterentwicklung wird sein, bei dem einen oder anderen Transfer wirklich richtig gut zu liegen.“

In diesem Zusammenhang spricht der 69-Jährige dem SV Werder Bremen eine klare Empfehlung aus – jedoch mit Blick auf einen eventuellen Abgang. „Jens Stage sollte man nicht abgeben. Er ist das Herzstück“, betonte Klaus Allofs. „Trotzdem wird wichtig sein, was er selbst will und ob er das Gefühl hat, dass seine Zeit bei Werder vorbei ist und er sich zu Höherem berufen fühlt. Dann fängt das Problem an. Rein sportlich betrachtet ist er immer derjenige gewesen, der der Anker war, an dem sich die Mannschaft hochziehen konnte, der in richtigen Momenten Signale gesendet und Tore geschossen hat. Das wäre schon ein richtiger Verlust.“

Ein Profi, mit dem der SV Werder Bremen mit großer Wahrscheinlichkeit demnächst Transfererlöse erzielen wird, ist Karim Coulibaly. Über die sportliche Zukunft des Abwehrtalents wird seit Monaten spekuliert, eine Ablöse in Höhe von 40 Millionen steht im Raum. Doch ist dies eine Summe, die überhaupt realistisch ist, wollte Moderator Timo Strömer, Head of Digital der DeichStube, von seinen Gästen wissen. „Das entscheidet der Markt, so ist das im Kapitalismus“, sagte dabei Lars-Wilhelm Baumgarten, der jahrelang als Berater im Fußball tätig war und inzwischen erfolgreicher Buchautor ist. „Der Spieler hat einen großen Markt und Werder wird ab einer gewissen Zahl verkaufen. Wenn jemand bereit ist, solch eine Summe zu bezahlen, dann ist es der Spieler auch wert – zumal alle Ablösesummen perspektivisch weiter in die Höhe gehen werden.“

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Borussia Dortmund aussehen!

Werder Bremens Legende Thomas Schaaf: „Noch so eine Horror-Saison erlebt Werder nicht – aber für Europa wird es auch nicht reichen“

Thomas Schaaf machte unterdessen keinen Hehl daraus, wie sehr ihm das Gezeigte der vergangenen Monate missfallen hat. „Wir alle waren unzufrieden mit dieser Saison. Du willst Spiele gewinnen, Punkte holen, besser in der Tabelle dastehen und dir keine Gedanken machen, vielleicht aus der Liga zu gehen“, sagte der 65-jährige Ex-Coach des SV Werder Bremen. „Das ist das eine – was mich aber viel mehr interessiert, ist die Art und Weise, wie wir Fußball spielen und uns als Verein präsentieren. Da gab es dieses Jahr viele Dinge, die nicht gepasst und unzufrieden gemacht haben.“ DeichStube-Chefreporter Daniel Cottäus, der ebenfalls mit auf dem Podium saß, forderte unterdessen mit Blick auf den allgegenwärtigen Wunsch nach einer schnellen Besserung: „Das Allerwichtigste wird sein, dass alle Gremien im Verein maximal ehrlich und schonungslos miteinander umgehen und sich gegenseitig der Kritik stellen. Es muss aufgearbeitet werden, wie es dem Verein passieren konnte, dass nach zwei Jahren mit Fast-Europa nun mit Ach und Krach die Klasse gehalten wurde. Es müssen die richtigen Lehren gezogen werden, denn die begangenen Fehler aus dem vergangenen Sommer dürfen sich nicht wiederholen.“ Für ihn steht dennoch schon jetzt fest: „Noch so eine Horror-Saison erlebt Werder nicht – aber für Europa wird es auch nicht reichen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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