Der unzufriedene Kapitän

Friedl drängt auf Rückkehr in die Abwehrmitte – doch Werder-Coach Steffen bremst

Marco Friedl musste beim SV Werder Bremen zuletzt als Linksverteidiger ran. Gut möglich, dass der Kapitän diese Rolle auch weiterhin einnimmt - wenn auch zähneknirschend.

Bremen – Die Faust geballt hat er zwar nicht, und auch auf einen Jubelsprung verzichtete er – gefreut hat sich Marco Friedl in der 80. Minute des Heimspiels gegen den VfL Wolfsburg aber dennoch. Sehr sogar. Das hing in diesem Moment weniger mit dem Spielverlauf, sondern mehr mit seiner eigenen Rolle auf dem Platz zusammen. „Ja, klar war das schön“, sagte der Kapitän des SV Werder Bremen hinterher über den Moment, als sich Außenverteidiger Isaac Schmidt an der Mittellinie zur Einwechslung bereitmachte.

Marco Friedl (re.) möchte beim SV Werder Bremen endlich wieder als Innenverteidiger auflaufen. Doch Trainer Horst Steffen (li.) deutet an, dass der Kapitän auf der linken Seite bleiben könnte

Marco Friedl hadert mit Rolle als Linksverteidiger bei Werder Bremen – und muss es vielleicht dennoch weiterhin bleiben

Für Marco Friedl bedeutete das konkret: Jetzt würde er endlich von der linken Abwehrseite wieder ins Zentrum rücken können, auf seine eigentlich angestammte Position in der Innenverteidigung, die allerdings genau das – angestammt – seit einigen Wochen bei Werder Bremen gar nicht mehr ist. „Ich habe jetzt oft genug gesagt, dass ich mich innen wohler fühle“, hielt Friedl grundsätzlich fest. Wenig später ließ sein Trainer Horst Steffen jedoch Sätze verlauten, die nicht unbedingt nach einer schnellen Rückkehr des Kapitäns ins Abwehrzentrum klangen. Die Lage, sie ist durchaus kompliziert, wozu genauer betrachtet auch ein Bremer Toptalent und eine anstehende Weltmeisterschaft beitragen.

Nach dem Wolfsburg-Spiel sagte Steffen zu Friedls Versetzung auf die linke Seite: „Die Aussagen sind relativ klar, dass er sich erst mal damit beschäftigen darf, dass das auch seine Position sein kann.“ Zwar wisse man natürlich nie, „was morgen ist“, fuhr der 56-Jährige fort, um dann zu betonten: „Ich habe Marco aber schon gesagt, dass das jetzt erstmal seine Rolle ist.“ Was Marco Friedl, der beim 2:1 gegen Wolfsburg zum vierten Mal in Folge als Linksverteidiger bei Werder Bremen begann, wiederum gar nicht schmeckt.

Nach Kritik an Ausstrahlung: Marco Friedl will trotz ungeliebter Linksverteidiger-Position bei Werder Bremen vorweggehen

Während des Auswärtsspiels in Mainz (1:1) hatte der 27-Jährige das durch seine Körpersprache jedermann sehen lassen – Mitspieler, Fans, Beobachter und nicht zuletzt seinen Trainer. Weshalb es hinterher zur kritischen Aussprache zwischen Horst Steffen und Marco Friedl kam. Der Coach des SV Werder Bremen gibt sie so wieder: „Es darf eine positive Ausstrahlung geben von allen Spielern, egal wie ein Spiel läuft. Das habe ich Marco auch gesagt.“ Worte, die auf Gehör stießen, denn Friedl gab am Freitagabend selbstkritisch zu Protokoll: „Letzte Woche war ich nicht zufrieden mit mir und habe generell viel mit unserem Spiel gehadert. Als Kapitän darf so etwas nicht sein, ich darf das so nicht zeigen. Mein Auftreten war nicht gut.“ Gegen Wolfsburg präsentierte sich der Österreicher klar verbessert, verzichtete hinterher aber nicht auf den Hinweis, dass er den Job hinten links nicht als Dauerlösung verstanden wissen will: „Ich hoffe, dass es irgendwann kein Muster mehr ist.“

Dass es bei Werder Bremen aktuell überhaupt den Linksverteidiger Marco Friedl gibt, liegt bekanntermaßen an den großen Personalsorgen, die die Mannschaft auf der Position plagen. In Maximilian Wöber, Felix Agu und Olivier Deman fallen gleich drei nominelle Linksverteidiger noch längere Zeit aus, weshalb improvisiert werden muss. Auch Isaac Schmidt war zwischenzeitlich verletzt. Horst Steffen entschied sich deshalb erstmals Mitte Oktober vor dem Heidenheim-Spiel für Friedl auf der linken Seite, weil er Innenverteidiger-Toptalent Karim Coulibaly, genau wie Friedl ein Linksfuß, in dessen erster Bundesligasaison keinen fachfremden Einsatz zumuten wollte.

Horst Steffen erklärt, warum Marco Friedl bei Werder Bremen als Linksverteidiger spielt – WM in Gefahr?

Friedls Problem: An der Seite von Amos Pieper liefert Coulibaly seit Wochen stabile bis sehr gute Leistungen ab, einen sportlichen Grund, den 18-Jährigen aus dem Team zu nehmen, hat der Trainer des SV Werder Bremen also nicht. „Die beiden Jungs in der Mitte machen es gerade gut, sodass ich es einfach schade fände, einen von ihnen rauszunehmen“, sagte Steffen. Die Kehrseite der Medaille: Dafür muss der etablierte Kapitän und Leistungsträger Marco Friedl derzeit in den sauren Apfel beißen. Horst Steffen dazu: „Es ist halt kein Wunschkonzert. Wir müssen gemeinsam Spiele gewinnen, und wenn wir als Trainerteam das Gefühl haben, dass es so das Beste ist, dann sollten das alle Spieler hinnehmen.“ Das habe Friedl inzwischen getan. Allerdings zähneknirschend, wie seine Aussagen deutlich machen.

Für den Österreicher geht es schließlich nicht zuletzt auch um die Weltmeisterschaft 2026, an der er mit seinem Heimatland unbedingt teilnehmen möchte. In der jetzigen Länderspielphase kann die Alpenrepublik die Qualifikation klarmachen. Fest steht: Als bei Werder Bremen gesetzter Innenverteidiger sind Marco Friedls Chancen größer, ein Ticket für den Kader zu erhalten. Muss er in Bremen hingegen zu lange als Linksverteidiger aushelfen, könnte das seine persönlichen WM-Aussichten merklich schmälern. (dco)      

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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