Werder-Transfersommer
Pilawas Auftrag bei Werder Bremen: Erst einkaufen, dann umbauen
Markus Pilawa hat bei Werder Bremen direkt alle Hände voll zu tun. Der neue Kaderplaner arbeitet intensiv an Transfers. Baut er danach intern um?
Ob es überhaupt noch hier und da Lücken im Belegungsplan gibt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen – fest steht allerdings: Der große Besprechungsraum in der Geschäftsstelle des SV Werder Bremen, fünfte Etage, Geschäftsführerebene, steht seit dem Saisonende kaum einen Tag leer. Während die meisten Profis – nach dem mit Ach und Krach erreichten Klassenerhalt – im Sommerurlaub weilen, geht es für die Verantwortlichen um Sportchef Clemens Fritz darum, die Mannschaft für die neue Saison zusammenzubauen. Zentrale Figur dabei: Markus Pilawa. Der neue Kaderplaner hat seine Arbeit vor knapp zwei Wochen aufgenommen. Wie Pilawas Start am Osterdeich verlief, was von ihm zu erwarten ist (und was vorerst nicht), hat Fritz im Gespräch mit der DeichStube erklärt – und dabei den Blick auch gen WM schweifen lassen.
Werder Bremen arbeitet mit dem neuen Kaderplaner Markus Pilawa an Transfers: „Jede Position ausführlich besprochen“
„Markus ist sehr gut bei uns angekommen. Wir haben in den vergangenen Tagen jede Position des Kaders ausführlich besprochen und analysiert und auch externe Lösungen in den Fokus gerückt“, berichtet Clemens Fritz. Entstanden sind dabei mehrere Listen, darauf: Namen, Ideen und wiederum Alternativen zu ihnen für alle Mannschaftsteile. Einige Einträge gab es bei Werder Bremen schon lange vor Markus Pilawa, andere brachte der Kaderplaner mit an den Osterdeich.
Herausgekommen ist eine Art dynamischer Fahrplan für den Transfersommer, hierarchisch geordnet nach Wunschlösungen, Machbarkeit und Ausweichmöglichkeiten. „Es ging darum, die Vorstellungen abzugleichen, unsere bereits vorbereiteten Themen und die Ideen, die Markus mitgebracht hat. Dieser Prozess ist inzwischen abgeschlossen“, sagt Clemens Fritz. Jetzt geht es beim SV Werder Bremen an die Umsetzung.
Stürmer Kenny Quetant ist bereits verpflichtet, ebenso Mittelfeldspieler Chuki – dazu ist die „Baustelle Stammtorhüter“ nach Mio Backhaus‘ Abgang mit dem Kauf von Karl Hein geschlossen worden, ehe sie aufkommen konnte. Schon ganz schön viel Bewegung für Werder Bremens Verhältnisse – zur Erinnerung: Im Sommer 2025 war Maximilian Wöber der erste Neuzugang, Anfang Juli.
Zeitlich sind die Bremer da dieses Mal deutlich weiter, allerdings gibt es auch viel zu tun. Im Tor ist Florian Kastenmeier weiterhin Thema für den Posten der Nummer zwei, in der Abwehr schielt Werder Bremen unter anderem auf Julius Berthel Askou, während im Mittelfeld – je nachdem, ob Jens Stage geht oder nicht – viel bis sehr viel passieren dürfte. Und auch im Sturm sollen noch zwei Neue her. „Unsere Priorität liegt jetzt voll und ganz auf dem Sommer-Transferfenster, weil wir einen Kader zusammenstellen wollen, mit dem wir erfolgreicher sein können als zuletzt“, betont Clemens Fritz. So ist es mit Markus Pilawa vereinbart. Alle weiteren Themen: erstmal runterpriorisiert.
Markus Pilawa bei Werder Bremen: Kaderplaner arbeitet zuerst an Transfers - baut er danach die Scouting-Abteilung um?
Dem 48-Jährigen, der bei Werder Bremen offiziell den Titel „Leiter Kaderplanung und Transferstrategie“ trägt, untersteht in dieser Funktion auch die Scouting-Abteilung des Bundesligisten, die sich aktuell aus zwölf Vollzeit-Scouts und zehn Scouts in Nebentätigkeit zusammensetzt. Ein über 20-köpfiges Team also, dessen Strukturen und Arbeitsweisen Markus Pilawa ab Herbst genauer in den Blick nehmen wird.
„Man darf es sich nicht so vorstellen, dass Markus die Scouting-Abteilung vom ersten Tag an komplett auf links dreht. Dazu wäre jetzt gar keine Zeit“, sagt Fritz. Erst nach dem Transfersommer „werden wir uns zusammensetzen und entscheiden, ob wir Optimierungen an Strukturen und Prozessen vornehmen müssen“. Die US-Agentur „Excel Sports Management“, die Werder Bremen bei der Neubesetzung des Kaderplaner-Postens unterstützt hatte, wird daran nicht mehr beteiligt sein.
Ehe es möglicherweise zu Veränderungen innerhalb der Scouting-Abteilung kommt, steht für Werders Talentspäher erstmal ein Sommer an, der stark von der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA (11. Juni bis 19. Juli) geprägt sein wird. Ein größeres Schaufenster gibt es im Fußball schließlich nicht. Zwar hat der SV Werder Bremen keine realistischen Chancen, Top-Akteure des Turniers nach dessen Ende unter Vertrag zu nehmen. Einen möglichen Markt sehen sie in der WM für sich aber sehr wohl. Intern wurden bereits Nationen definiert, deren Spiele unter besonderer Beobachtung stehen werden – in der Hoffnung, womöglich Nischen nutzen zu können.
Daran arbeiten werden die Scouts des SV Werder Bremen erstmal jedoch nicht vor Ort, sondern vor dem Bildschirm in Bremen. „Wir werden das Turnier zunächst per Video-Scouting abdecken“, erzählt Fritz – und betont zugleich: „Was aber nicht ausschließt, dass wir uns auch vor Ort Spiele ansehen werden.“ Vorab geplant sei das zwar nicht, „aber wir sind in der Lage, punktuell reagieren zu können“. (dco)
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