Entscheidung zwischen den Pfosten

Weiter mit Michael Zetterer oder Wachablösung durch Mio Backhaus? Werder steht vor richtungsweisender Frage

Bleibt Michael Zetterer (links) über den Sommer hinaus die Nummer eins des SV Werder Bremen oder folgt eine Wachablösung durch Torwart-Talent Mio Backhaus (rechts)? Der SVW steht vor einer richtungsweisenden Frage.
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Bleibt Michael Zetterer (links) über den Sommer hinaus die Nummer eins des SV Werder Bremen oder folgt eine Wachablösung durch Torwart-Talent Mio Backhaus (rechts)? Der SVW steht vor einer richtungsweisenden Frage.

Weiter mit Michael Zetterer oder Wachablösung durch Mio Backhaus: Auf wen setzt Werder Bremen künftig im Tor? Eine richtungsweisenden Entscheidung steht bevor!

Bremen – Ob nun „Umbruch“, „frisches Blut“ oder „neue Dynamik“ – im öffentlichen Sprachgebrauch des SV Werder Bremen gibt es derzeit eine ganze Reihe an Ausdrücken, die allesamt dasselbe meinen: Im bevorstehenden Sommer wird sich das Gesicht des Kaders spürbar verändern. Mit dem verkündeten Abschied der Innenverteidiger Milos Veljkovic und Anthony Jung wurde dieser Prozess bereits eingeleitet – und Halt machen wird er vor keinem Mannschaftsteil. Auch nicht vor der Torhüterposition. Dort steht Werder vor einer kniffligen Grundsatzentscheidung: Weiter mit dem erfahreneren Michael Zetterer (29) als Nummer eins planen – oder doch Top-Talent und Ersatzkeeper Mio Backhaus (20) zur neuen Stammkraft befördern? Dass es in der aktuellen Torhüter-Konstellation auch in die neue Saison geht, scheint jedenfalls ausgeschlossen.

Luxusproblem beim SV Werder Bremen: Michael Zetterer ist im Tor gesetzt, doch Talent Mio Backhaus will auch spielen

Wie wohl sie sich mit dem Gespann Zetterer/Backhaus fühlen, haben die Bosse des SV Werder Bremen während der laufenden Spielzeit schon mehrfach betont, und nachvollziehbar ist das allemal. Auch wenn Michael Zetterer zuletzt beim einen oder anderen Gegentor unglücklich aussah und nicht mehr die Sicherheit der ersten Saisonhälfte ausstrahlt, ist die grundsätzliche Überzeugung in seine Fähigkeiten intern nach wie vor groß. Dass er ein wichtiger Rückhalt sein kann, hat der spielstarke Schlussmann schließlich mehrfach nachgewiesen. In Mio Backhaus haben die Bremer zudem einen jungen Keeper im Aufgebot, dem sie die Bundesliga jederzeit zutrauen, eine Art Kronprinzen, was nach einem Luxusproblem klingt. Und doch ist die Sache kompliziert – weil dieser Kronprinz ab Sommer unbedingt spielen will. 

Mio Backhaus gilt europaweit in seinem Jahrgang nach wie vor als eine der heißesten Aktien auf dem Torhütermarkt. Nach einem kompletten Jahr ohne Spielpraxis auf der Bank des SV Werder Bremen braucht er mit Blick auf die Saison 2025/26 dringend Einsätze, um in seiner Entwicklung voranzukommen. Eine weitere Saison als Bremer Nummer zwei wird er nicht mitmachen. Zumal ihm schon jetzt andere Optionen vorliegen. Nach Informationen der DeichStube gibt es aktuell konkrete Anfragen von Erstligisten aus Deutschland und England, die Backhaus im Sommer gerne verpflichten würden und ihm Spielzeit in Aussicht stellen. Im vergangenen Jahr hatte bereits der FC Barcelona seine Fühler nach dem Talent ausgestreckt, ehe im Winter der FC Kopenhagen anklopfte, aber sowohl mit der Idee eines festen Transfers als auch mit der einer Ausleihe bei Werder abblitzte. Kurzum: Spätestens seit seinen starken Auftritten während der einjährigen Ausleihe an den FC Volendam, mit dem er in der Spielzeit 2023/24 als Stammkeeper aus der Eredivisie abstieg, steht Backhaus international im Schaufenster.

Der Vertrag des 1,94-Meter-Mannes bei Werder Bremen läuft nach Informationen der DeichStube noch bis zum 30. Juni 2027, was zunächst komfortabel klingt, aber nicht wirklich Druck aus der Personalie nimmt. Denn eine erneute Ausleihe, so ist zu erfahren, soll für Mio Backhaus im Sommer nicht infrage kommen, nachdem er diese Erfahrung bereits (erfolgreich) gesammelt hat. Den Bundesligabetrieb hat der Keeper nun ein Jahr lang von innen kennengelernt, jetzt möchte er in die erste Reihe – und zwar am liebsten bei Werder. Den Verein soll Backhaus grundsätzlich nach wie vor als beste Adresse für sich ansehen, um als Torhüter zu reifen – wenn er denn spielen darf. Auf einen Abgang drängt er nicht.

Zwickmühle für Werder Bremen: Bleibt Michael Zetterer im Tor, dürfte mit Mio Backhaus das nächste Talent den Verein verlassen

Werders Bosse um Sportchef Clemens Fritz stellt das vor eine richtungsweisende Entscheidung. Michael Zetterer nach nur einer vollen Saison als Nummer eins schon wieder aus dem Tor zu nehmen (und damit wohl dessen Abgang zu provozieren), wäre fraglos eine harte Entscheidung, auch weil er – insgesamt betrachtet – nicht enttäuscht hat. Zudem wäre auch das Modell mit Mio Backhaus im Tor nicht ohne Risiko, weil dem Keeper naturgemäß die entsprechende Erfahrung fehlt. Der SC Freiburg hatte im Sommer 2023 einen vergleichbaren Schritt gewagt und den damals 21-jährigen Noah Atubolu zur Stammkraft gemacht, was zunächst nicht gerade für Sicherheit zwischen den Pfosten sorgte, sich perspektivisch aber ausgezahlt hat. Heute ist Atubolu Leistungsträger seiner Mannschaft.

Sollte sich Werder Bremen gegen die Nachwuchsvariante entscheiden und weiter auf Michael Zetterer setzen, dürfte der Verein in Mio Backhaus ein großes Talent verlieren. Was (auch aus wirtschaftlicher Sicht) nicht gerade zukunftsgewandt wäre. Anders formuliert: Dass den Bremern nach Spielern wie Nick Woltemade, Ilia Gruev, Jan-Niklas Beste und Eren Dinkci das nächste große Talent durch die Lappen geht, das dann andernorts seinen Marktwert steigert, dürfte kaum im Interesse des Clubs liegen. Schon bald werden sich die Bosse auf einen Torhüter festlegen müssen. (dco)

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