Werder-Zentrale überzeugt

Zentral gesteuert: Schmid, Puertas und Co. fallen auf – aber packt das Werder-Mittelfeld auch wieder andere Gegner?

Gegen den 1. FC Heidenheim überzeugt Werder Bremens Mittelfeld mit viel Einsatz, Laufleistung und Engagement. Klappt es auch gegen bessere Gegner? Das sagt Coach Daniel Thioune.

Die Parallelen waren unverkennbar. Wie schon im vergangenen Dezember in Augsburg trafen nun auch am Samstag Clemens Fritz und Romano Schmid nach nervenaufreibenden 90 Minuten plus Nachspielzeit in der Interviewzone aufeinander, damals wie heute gab es eine lange Umarmung zwischen den beiden und ein paar geflüsterte Worte. In der Fuggerstadt hatte Schmid einst mit einer vergebenen Chance zum Sieg gehadert und musste beinahe väterlich getröstet werden, nun steckte ihm noch die ausgelassene Großchance gegen Heidenheim in den Gliedern. Doch anders als kurz vor Weihnachten ließ sich damit nun leichter umgehen, weil der SV Werder Bremen trotzdem gewonnen hatte. Und auch Schmid seinen Beitrag geleistet hatte. Aber nicht nur er. Überhaupt war das Mittelfeld sehr präsent. Gegen Heidenheim. Den Tabellenletzten. Der selbst genügend Probleme hat. Will Werder weiter punkten, muss es auch gegen andere Mannschaften klappen.

Werder Bremens Mittelfeld um Cameron Puertas, Romano Schmid und Jens Stage überzeugte gegen den 1. FC Heidenheim. Aber können sie es auch gegen stärkere Gegner?

Werder Bremens Trainer Daniel Thioune über Romano Schmid: „Er bekommt weiterhin das Vertrauen“

Und doch machte Schmids Auftritt Mut und nährte die Hoffnung, dass er nach schwächeren Wochen nun womöglich wieder die Kurve bekommt. „Wir können einfach darüber reden, dass er das Tor von Jovan Milosevic vorbereitet und seine eigene Chance vergeben hat. Aber wir sollten auch auf die Details schauen“, sagt Trainer Daniel Thioune. „Wie er zum Beispiel Omar Traoré kurz vor der Pause beim Kopfball gehindert hat. Wenn er nicht da gewesen wäre, dann wäre es für uns sehr schwierig geworden, unser Tor zu schützen. Als Heidenheim dann in der Schlussphase alles nach vorne geworfen hat, hat man gesehen, wie Romano uns mit seiner Balleroberungsqualität helfen kann.“ Auch zum Milosevic-Fehlschuss in Durchgang eins hatte Romano Schmid die Vorlage beigesteuert, überhaupt beschäftigten gleich mehrere Flanken die FCH-Defensive. „Er bekommt weiterhin das Vertrauen, nun vielleicht etwas positionsfremder, aber das hilft ihm dabei, aus dem Druck herauszukommen“, sagt Thioune, der den 26-Jährigen bei Werder Bremen jüngst eher in den Halbräumen beziehungsweise weit außen agieren ließ und nicht primär im Zentrum. „Und wenn er einen offenen Fuß hat, dann hat er ja am Samstag gezeigt, wie gut der sein kann.“

Doch auch Schmids Nebenleute wussten zu gefallen. Senne Lynen warf eine Laufleistung von 12,4 Kilometer in die Waagschale, Jens Stage rackerte so sehr, dass er später mit Krämpfen in der Kabine hockte – und zuvor immerhin 62 Prozent seiner Zweikämpfe und sogar 100 Prozent seiner Luftduelle gewonnen hatte. Und dann wäre da noch Cameron Puertas, der sogar 12,55 Kilometer zurücklegte und 25 Sprints anzog. Die Erfolgsquote bei Dribblings (eins von vier) sowie in den Zweikämpfen (29 Prozent von 14 Duellen) ist zwar ausbaufähig, doch das unermüdliche Engagement half Werder Bremen spürbar. Das schätzt auch sein Trainer, bei dem Puertas nicht mehr Pendler zwischen Bank und Startelf ist, sondern ein Fixpunkt in der ersten Garde.

Werder Bremens Daniel Thioune lobt Cameron Puertas: „Er haut sich brutal rein und geht unfassbare Meter“

„Jeder sieht die letzten Wochen, Monate und vielleicht Jahre – aber ich sehe nur die letzten dreieinhalb Wochen. Und vom ersten Tag an habe ich gesehen, dass sich dieser Junge brutal mit allem, was er hat, reinhaut und sein Herz auf dem Platz lässt“, sagt Daniel Thioune. „Er geht unfassbare Meter, auch zurück. Zudem ist er ein guter Fußballer, weshalb er noch häufiger in Abschlusspositionen kommen muss, denn mit seinem wirklich guten Schuss kann er auch nochmal eine Waffe für uns sein.“ Und Werder Bremens Chefcoach spricht dem 27-Jährigen quasi eine Stammplatzgarantie für die nähere Zukunft aus. „Die Jungs sagen immer, dass sie Vertrauen brauchen – das hat er bekommen und zahlt es jetzt zurück. Es ist gut, ihn auf dem Platz zu haben. Und es würde mir auch schwerfallen, ihn in der aktuellen Verfassung wieder runterzunehmen“, erklärt Thioune.

Die nächste Bewährungsprobe für Werder Bremens Mittelfeld gibt es am kommenden Sonntag, wenn beim 1. FC Union Berlin (17.30 Uhr/live im TV und Livestream) eine nicht minder intensive Prüfung ansteht. Danach folgen Partien gegen Mainz und Wolfsburg. Reichlich Gelegenheiten also, um auch an anderer Stelle als „nur“ gegen den Tabellenletzten das eigene Können unter Beweis zu stellen. Und dann auch selbst wieder als Torschütze in Erscheinung zu treten. „Ich bin ja ganz froh, dass wir das Tor überhaupt treffen“, sagt Daniel Thioune ganz allgemein nach allerlei harmlosen Auftritten. „Ein 5:0 wäre gegen Heidenheim möglich gewesen, aber wenn es jetzt fünfmal ein 1:0 wird, dann bin ich auch nicht sauer. Und dann ist es mir auch völlig egal, wer die Tore schießt. Aber ich bin mir sicher, dass auch Romano irgendwann wieder für seinen Aufwand belohnt wird. Zunächst bin ich aber froh, dass er Samstag wieder in der Form war, mit der er der Werder-Familie helfen kann.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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